Gestern Abend schickt mir mein erster richtiger Jugendschwarm ein Foto von sich und seiner ältesten Tochter von Juist. Da weilt er gerade mit seiner Familie und erkennt – laut eigener Aussage – nichts mehr von unserer Klassenfahrt, an der wir mit 14 Jahren teilgenommen haben. Und er fragt mich, ob es damals auch schon so kalt gewesen sei? „Na klar! Deswegen haben wir auch immer so eng beieinander im Strandkorb gehockt. Deswegen UND weil wir Mädels scharf auf Dich waren.“ 😂 Ach, wir waren so jung. War das schön! Dort habe ich mir die erste und einzige Bravo in meinem Leben gekauft. Die Zeitschrift stand bei uns Zuhause vollkommen unter Strafe. Muss man sich mal vorstellen! So was gab es. Schon lustig. Damals nicht so, aber heute schon. Darüber wurde doch die meiste Aufklärung betrieben.

Relativ kurz entschlossen, geht es heute zum Frühstück zu einer Freundin. Es ist schon jetzt recht warm. Puh! Ich hoffe, es dauert nicht zu lang, bis das Gewitter losgeht und ich endlich wieder meinen Besen packen und losfliegen kann. Oooooh, ich kann es echt kaum erwarten!

Es gibt ein großes Hallo, als wir drei Ladies aufeinandertreffen. Es ist was dran an der Aussage: „Mach mehr von dem, was Dich glücklich macht.“ Und das hier macht mich definitiv glücklich. Einfach göttlich, wenn Frauen plaudern – da gibbet nix! Wenn das dann noch mit Dialekt gespickt ist, ist es umso lustiger. Die beiden Schnecken waren gestern schon auf Tour, waren zur Walhalla und am Kloster Weltenburg. Und da rutscht mir ein fetter Fehler von den Lippen: „Ja, wir Bayern haben schon nette Sehenswürdigkeiten – dem verrückten Ludwig sei Dank!“ Anita starrt mich entsetzt an: „WIR Bayern?! Du bist net von doa!“ Nö, aber ich bin ja eingebürgert. Nee, nee, nee, Bayer wird man allenfalls durch Geburtsrecht. Und außerdem könne ich den Rheinländer in mir ja so kein bisschen verstecken – was sie durchaus gut findet. Gnadenlos zeige ich auf die Dritte im Bunde: „Dann ist dieser Schluchtenscheißer aber auch kein Bayer!“ Zustimmendes Nicken. Und die Ergänzung, dass doch jeder stolz sein dürfe, woher er/ sie denn käme. Im Grunde ist es ja wurscht, aber in Teilen stimmt es schon: Ich bestehe auch darauf, Rheinländer zu sein. Wir haben eben et Sönnsche innet Hätz.

Wir plaudern über die Männer, was alle Frauen gerne tun. Aber das tun wir schon anders als Männer. Anita hat nämlich gestern eine Truppe 60-70- Jährige auf dem Schiff gehört. Überhören konnte man sie wohl nicht. Zu laut, zu ungehobelt seien sie gewesen. Das ist ja so eine Faszination, wie bei einem Unfall: Ekelig, aber man muss trotzdem hinschauen. Empört schaut sie uns an: „Jo kennan denn die net über woas and’res red’n als ständig übas Fegeln? In dearna Oida?“ Ich schmeiß mich weg. „Du nennst das fegeln??? Ich kenne ja schon viel: pimpern, knöpern, vergenusswurzeln, schnackseln, vögeln usw., aber fegeln? Köstlich!“ Österreich eilt mir zu Hilfe: „Fegeln is die Übasetzung von Vögeln.“ Göttlich! Und wieder als Saupreiss geoutet. Dabei fand ich „fegeln“ so scheeeee.

Und so schnacken wir eben weiter – eine verheiratet, eine verwitwet und eine Single (ich). Die Verheiratete sagt nur trocken, dass sie ja nicht Single sei, aber sollte sie es noch mal werden, wolle sie keinen festen Partner mehr. „Jo bin i denn deppert? 30 Joar long hob i scho hinta mia, wo i oan Mann und die Kinda bedien, wasch, putz und koch. Na, des bräucht i donn nimma!“ Österreich setzt nach: „Des g’langt mia a. A Zahnbürschtl-Beziehung.“ Ich lach mich wieder kringelig. Was soll das denn sein? Die Aufklärung folgt: „Er konn sei Zahnbürschtl mitbringa un a do loass’n. Oaba er kimmt nua zua B’such und fahrt hernoch hoam.“ Geilo. Ich stelle mir dabei den Mann vor: Die beiden machen einen Ausflug, fahren zurück zu ihr, landen im Bett. Er – völlig entrückt nach dem Nümmerchen – grinst noch debil vor sich hin, während sie ihm die Decke wegzieht und „un jetz schleich di“ zu ihm rüberhaucht. Ein Bild für die Götter! Davon hätte ich gern einen Abzug.

Die beiden haben ja aber auch bereits 30 Jahre Ehe hinter sich und wissen, was sie daran haben/ hatten, aber auch, was sie heute nicht mehr wollen (würden). Pure Frauenpower. Aber so ausgedrückt, hört sich so eine „Zahnbürschtl-Beziehung“ doch viel besser an. Ähnlich Spaß haben die beiden, wenn ich meine plattdeutschen Begriffe raushaue. Bayern bringen vieles ähnlich knackig auf den Punkt wie Holländer – nur dass es bei Letzteren niedlicher klingt. Ein Hoch auf Dialekte und unterschiedliche Sprachen.

So langsam zieht sich der Himmel zu, und der Wind frischt auf. Die Blätter auf den Bäumen rauschen schon verheißungsvoll. Das ist die beste Musik in meinen Ohren – zusammen mit Rock und Metal. Alles eben zu seiner Zeit.

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