Obwohl Montag, stehe ich heute ganz gerne auf. Heute steht nämlich ein Workshop an, der Fensterbauer soll ab 16 Uhr vorbeikommen, und unsere ehemalige, süße Studentin kommt spontan mit der lieben Kollegin zu Besuch. Es wird also voll, aber eben auch voll toll.

Der Workshop…äääh, nun ja, er läuft etwas zäh an. Ich ziehe und zerre an den Hirnen da vor mir, aber es kommt wenig Reaktion. Gut, ok, dann schalte ich eben auf den totalen Rheinisch-Modus. Ich bringe Vergleiche von ihrem Zuhause und spreche von einem als „Ömmes“. Also quasi: „Juut, jetzt kommste heute Abend nach Haus. Und watt machste so als Erstes?“ Er schaut mich ratlos an. Die Frage war ja jetzt nicht so schwer. Also schau ich in die Runde und sage: „Na, die arme Else Zuhause. Die kann es vermutlich nicht erwarten, dass der Ömmes endlich heimkommt und dann wieder ohne Ende labern will.“ Sie lachen – auch der Ömmes. Nur einer hört erstmal nicht mehr auf. Das Problem: Er kannte den Begriff Ömmes nicht. Tja, die Bildungslücke kann ich schließen. Ich berichte ihnen auch von meinen Einparkkünsten. Auf so was stehen die Herren immer (weil es sie sich männlich-kompetent fühlen lässt) – und ich kann mich auch sehr gut zum Affen machen. Auf dem Heimweg läuft mir der Ömmes dann übern Weg und erklärt mir großzügig, dass seine Tochter beim Einparken auch bisweilen Probleme habe. Das sei nicht weiter schlimm. Ich packe tiiiiiief in die alte Witzekiste und frage: „Du weißt aber schon, warum wir Frauen so schlecht einparken können, oder?“ Er schüttelt den Kopf. Dann halte ich Daumen und Zeigefinger in fünf Zentimeter Abstand auseinander: „Na, weil Ihr Kerle uns immer weismachen wollt, dass das 20 Zentimeter wären.“ Er schmeißt sich weg vor Lachen. Ich sehe schon: Hier braucht es echt noch gaaaanz viel Entwicklungshilfe. Zum Glück bin ich ja jetzt da.

Der Workshop verläuft unterm Strich ganz gut, aber heute hab ich mir mein Geld echt hart verdient. Puh! Ganz schön anstrengend. Der Chef kommentiert: „Und jetz stell Dia vor, Du woarst a ganz a Stille! Do tät jo nix kimme! Och woas – no weniga ols nix.“ Jo, und dabei mache ich gerade hier seinen Job. Das sieht er schon ein und versichert mir seine Dankbarkeit. Mal schauen, wo ich mir die aufstellen kann.

Ich hetze wieder zur letzten Sekunde raus und habe keine Zeit. Ursprünglich wollte ich die Studentin in der Firma treffen. Da ich die Arbeitszeit sonst überschreiten würde, haben wir es dann nach außerhalb verschoben. Da mich mein Vermieter dann aber informiert hat, dass der Fensterbauer heute ab 16 Uhr käme, biete ich an, dass wir es entweder verschieben oder sie zu mir kommen könnte. Sie entscheidet sich, zu mir zu kommen. Mein schlechtes Gewissen rät mir, dann meine liebe Kollegin auch besser zu fragen, die auch noch spontan Zeit und Lust dazu hat. Noch mal zur Info: Es war die Rede von einem Kaffee. Finales Treffen gestern am frühen Abend besprochen.

Und dann sitze ich da auf meiner Couch und denke: Och, nur so’n blöder Kaffee ist ja auch nix. Wie sieht das denn aus? Nee, da kann ich ja noch was zaubern. Also bereite ich einen Möhrendip und mediterrane Butter zu. Direkt nach der Arbeit sause ich dann schnell zum Einkauf, denn Baguette backe ich nicht mehr selbst. Mein erster Schwachpunkt: Ich kann mich nicht entscheiden, welches Baguette ich nehmen soll, daher entscheide ich mich für vier unterschiedliche. Ja, richtig, die Personalanzahl liegt nach wie vor bei drei. Ich kaufe noch ein paar Zutaten, aber in der Tat fertige Käsewürfel, Schinkenröllchen mit Frischkäse- und Frischkäse-Feigenfüllung und Oliven. Zuhause angekommen, ist es 15:30 Uhr. Um 16 Uhr kommt der Fensterbauer. Die Mädels dann so ab 16:15 Uhr. Also mache ich von zwei Baconpaketen Datteln im Speckmantel, dazu noch eine Frischkäse-Dattel-Creme, bringe den Müll raus und stelle Teller auf den Tisch. Ich wusel herum und komme noch gar nicht runter, als dann die Studentin schon da ist. Kurz danach trudelt die Kollegin ein. Wer durch Abwesenheit glänzt, ist der Fensterbauer. Vermutlich wurde er vom Türklingler mit den Blumen vollgeheult, weil ich dem ja vorgestern nicht die Tür geöffnet habe. Die Wege des Herrn und so… und unergründlich… und überhaupt.

Die Mädels schaffen es zu zweit, die Datteln mit den zwei Baconpaketen allein zu futtern. Überhaupt freuen sie sich, dass der Fensterbauer vorbeikommen wollte, da sie so zu diesem „Kaffee“ kommen. Und dann schnattern wir auch schon alle durcheinander. Die Eine darüber, dass sie immer sofort alle Wasserflecken wegwischen muss, die andere, dass sie ihren Freund zu selten sieht. Ah, das! Na, sie sieht ihren oft, aber er hat so selten Lust auf Sex. Die andere seufzt auch: Bei ihr ist es manchmal auch nur einmal pro Tag, wenn sie sich sehen. Ich verweise auf mich: Halloooooooo? Single?!?! Naja, ich hätte ja vorgestern die Tür öffnen können. Äääääh…nö.

Und so geht das in einer Tour, parallel, kreuz und quer. Wobei wir dann auch alles voneinander verstehen. Da hat sich zuletzt der Schwiegervater meiner Schwester drüber ausgelassen, dass so was doch nicht funktionieren kann? Doch, kann es. Ich hab ja schließlich auch zwei Ohren, oder? Eben. Also quasseln wir, als gäbe es kein Morgen. Einzig, der Tuppes vom Fensterbau geht noch ab… und zwar den ganzen Abend. Na, alles geht wohl nicht. Aber immerhin: Das war doch schon ’ne ganze Menge.

Nach knapp sechs Stunden (wohlgemerkt, ein Kaffee sollte es werden!!!!), vollgefressen und mit einem Kaffeelikör versüßt, verabschieden sich die Hühner dann doch noch. Zwar laufen sie vor lauter Jeckigkeit bis in den Keller, statt ins Erdgeschoss, doch lassen sie wenigstens dabei noch alle im Haus fahren teilhaben, weil sie so laut gackern. Und ich? Krabbel jetzt ins Bettchen, denn mein Pulver ist für heute verschossen. In diesem Sinne: Pfiat Eich!

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