Der Tag fängt ganz gut an. Ich kann etwas später aufstehen, was ja auch mal schön ist. Heute muss ich nicht rein zur Arbeit, sondern arbeite von Zuhause aus. Das ist zwar immer noch nicht meine Lieblingsart zu arbeiten, doch ich bin ja diese Woche 75 Prozent meiner Arbeitszeit vor Ort. Da darf ich wohl mal nicht meckern.

Und das fällt mir gerade schwer. Mein Chef wollte mir eine ganze Methode (die sehr umfangreich ist) in gerade mal einer Stunde erklären. Diese Stunde gibt es nicht etwa physischer Art, sondern lediglich per Skype – ohne Video. Ich muss nicht erwähnen, dass die Mitarbeiter-Gespräche immer noch nicht eingeladen sind, oder? Das habt Ihr auch, ohne ihn zu kennen, selbst schon erkannt, oder? Um fünf vor acht ruft der Gute dann an, ob ich im Hause sei? Wir müssen ja nur jede Woche eine Liste befüllen, wann wir in der nächsten Woche vor Ort sein werden. Keine Ahnung, warum ich viele solcher kleinen Listen mit den unterschiedlichsten Dingen befüllen muss, wenn sich diese dann keine Sau anschaut? Und wir schulen zum Thema Verschwendung. Ich liebe Ironie ja wie verrückt, aber in der Regel nur dann, wenn sie jemand bewusst anführt. Das setzt nämlich ein gewisses Maß an Intelligenz voraus. Ist hier aber leider nicht zu finden. Echt nicht. Auch mit zwei zugedrückten Augen und unendlich viel Wohlwollen nicht.

Nu juut, jetzt hab ich ihn also am Telefon und erinnere ihn an unser Gespräch, dass er eine Skype-Besprechung wollte. „Jo, jetz bin i oba spontaan in d’r Oarbeit.“ „Jo, oba i net, gä?“ Er lacht ob meines Bayrisch. „Jo, dann ruf i di glei o.“ „Nee, Du wählst Dich einfach ein.“ „Ääääh, moan i jo.“ Dann soag’s halt a. Sag ich natürlich nicht. Für das Einwählen braucht er wohl zehn Minuten, denn erst um fünf nach acht wählt er sich ein. Und dann berichtet er mir zunächst, dass mein Chef-Chef jetzt Bescheid wisse, dass ich diesen Part in der Ausbildung übernehme, was der gut fänd. Und nicht nur das! Er sehe kein Problem darin, dass ich mich da ratzifatzi einarbeite, ohne das Thema vorher zu kennen. Hätte ich ja schon mehrfach bewiesen, dass ich so was hinkriege. Klar, sie brauchen ’nen Depp, sie haben mich wieder mal gefunden. Ich muss doch mal mit Sport anfangen. Dann laufe ich auch mal schneller weg.

Nicht falsch verstehen. Es gibt prestigeträchtige Projekte. Die bekomme ich nicht. Letztes Jahr wurde mir die Lernwerkstatt versprochen, die dann eine andere bekommen hat. Hatten wir ja so nie besprochen. Komisch, dass das ja viele andere auch mitbekommen hatten. Die scheele Minka, die es bekommen hat, hat es nicht umsetzen können. Das Projekt ist gestorben. Meiner lieben Kollegin ist versprochen worden, dass sie eine Ausbildung zu einer Methode erhält, für die sie sich interessiert. Verkündet wurde im Dezember, es bekäme ausschließlich die scheele Minka. Da die jetzt aber so häufig krank war (extrem, extrem häufig und wochenlang), wurde das immer und immer wieder geschoben. Aber sie bekommt es trotzdem noch… als einzige, wohlgemerkt.

Jetzt ist es auf einmal also wieder richtig toll für meinen Chef und Chef-Chef, dass ich Feuerwehr spielen kann. Denn meine Stärke sei ja, dass ich nie nein sagen könne. Immer noch seine Aussage, nicht meine. Auf meiner Liste läuft sie unter fettem Bug. Da springt also eigenartigerweise jetzt kein Stolz in mir an – auch die Ehre rührt sich nicht und pennt einfach weiter.

Nach 60 Minuten bin ich dann aufgegleist (nicht wirklich). Jetzt darf ich mir Schulungsunterlagen anschauen (höchst rudimentär) und mir morgen ein Buch in der Firma zu dem Thema abholen. Ich gedenke so was von gar nicht, das in meiner Freizeit zu lesen. Aber: „Des schaffst locka.“ Wie gut, dass „loca“ gleich klingt und auf Spanisch diese völlig andere Bedeutung hat, die hier einwandfrei passt. Es wird also verrückt.

Dafür ruft dann jemand aus einem anderen Center an, in dessen Austauschrunde ich wöchentlich sitze. Es sei ja sooooo toll gewesen, dass ich nicht locker gelassen hätte, als es um die Qualifizierung der Coaches gegangen sei, die ja alle noch nicht einmal in ihrem Leben ein Gesprächstraining mitgemacht hätten. Und das sei ja soooo was von mein Thema! Nebenbei bemerkt, ist der Punkt meiner Hartnäckigkeit der, der ihn für gewöhnlich am meisten triggert und den er immer abzubügeln versucht. Und dann kommen wir auch zum eigentlichen Kern. Er müsse am Donnerstag zu einer Führungsrunde. Da könnte ich doch den Termin leiten, da ich das doch am besten könne.

Warum muss immer dieser Schmu vorher sein? Warum kann ich nicht die Karten auf den Tisch legen? Einfache Fragen: „Wir haben niemanden für die Ausbildung. Kannst Du das übernehmen? Ist nicht trivial, aber Du bekommst eine Schulung.“ So was. Oder: „Ich brauche Deine Hilfe. Da ich Donnerstag zu einer Führungsrunde muss, müsste ich den Austausch absagen, was mein Chef nicht will. Kannst Du übernehmen, denn sonst will es keiner machen?“ Das wäre die Wahrheit, mit der ich einfach besser kann. Ich halte das mit den Studis auch so. Ich sage ihnen, wo ich ihre Kreativität brauche. Und genauso, wenn es sich um scheißlangweilige Arbeit, wie die Erstellung eines Fotoprotokolls, handelt. Andere wollen denen das als herausfordernde Arbeit verkaufen, die sie wirklich fordern wird. Was glaubt Ihr, wie geil die das finden – denn dumm sind die in der Regel nicht. Wenn ich es ihnen erkläre, dass es zwar dazugehöre, trotzdem stumpfsinnig sei, sagen sie normalerweise: „Ist doch klar. So was gehört eben auch dazu.“ Richtig. Ist ja kein Ponyschlecken.

Meine Welt wäre noch schöner, wenn die Leute etwas ehrlicher wären und den Schmu irgendwem anders überlassen würden. Aber… es scheint immer noch in Mode zu sein, was auch die Firmenpolitik im Ganzen widerspiegelt. Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Bei wem klingelt es, wenn er den Satz hört: „Niemand hat vor, eine Mauer zu bauen.“? Genauso empfinden es die meisten in meiner Arbeit auch…

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