Es läuft… echt jetzt! Es läuft. Und wie das läuft!!! Ich darf doch die Kaffeemaschine dazu heranziehen, oder? Echt wahr: Heute Morgen befülle ich meine Kaffeemaschine und schalte sie ein. Als ich wieder in die Küche gehe, empfängt mich der See Genezareth – allerdings in braun. Ich habe keine Ahnung, was da jetzt schief gelaufen ist, doch ich kann immerhin mehr als die Hälfte retten. Ich denke mal in kleinen Erfolgen. Dann rege ich mich weniger auf. Das Positive: Es duftet nach Kaffee. Wäre ich ein Kaffeegegner, wie meine Schwester, hätte ich nun ein Problem. So aber kann ich mich glücklich diesem Duft hingeben, während die Zeit mit Wischen verstreicht. Wenn mein Lauf so weitergeht, bin ich gespannt, was als Nächstes passiert? Die Balkontüren waren die ersten, die dran glauben mussten. Vielleicht umgibt mich ja ein Spannungsfeld? Mich würde es nicht wundern.

Der Workshop am Vormittag führt zu wirklich guten Ergebnissen. Allein: Das Team ist Null motiviert. Das wiederum zieht mich runter, weil ich ja möchte, dass alle was hiervon haben. Immerhin einigen wir uns darauf, dass wir uns mal alle im Biergarten treffen wollen, wo es zwangloser als hier ablaufen kann. Aber zielführend für diese Aufgabe ist es nicht. Und dass mich die Jungs über Bernie und Ert aufklären, während sie Entwicklungshilfe bei mir leisten, weil ich den Begriff „Fleischpeitsche“ nicht kannte, hilft mir hier gerade auch nicht weiter. Vielleicht mal bei einem Date, wenn ein Kerl mir blöde zuraunt: „Kannst Du mir die Fleischpeitsche polieren“, aber ob das je dazu kommt, ist wohl mehr als fraglich. Wobei… es gibt ja auch Männer, die ihre „Fleischpeitsche“ Hansi nennen. Ich kann mich nicht entscheiden, was ich da schlimmer finden soll…?

Aber ernsthaft: Wie motiviere ich Menschen, die so gar nicht wollen? Und das Schlimme: Ich verstehe sie voll und ganz und muss das trotzdem mit ihnen durchziehen. Also erweitere ich die Frage: Wie motiviere ich mich und die Menschen um mich herum, diesen Prozess jetzt sinnvoll zu leben? Als hätten wir gerade keine anderen Sorgen… puh!

Mittags mache ich dann endlich noch mal Pause und treffe einen ehemaligen Workshop-Teilnehmer, dem ich damals einen meiner Lieblingssprüche drücken musste: „Ein Nörgler ist ein Mensch, der – wenn er kein Haar in seiner Suppe findet – so lange mit dem Kopf schüttelt, bis ihm eins hineinfällt.“ Fand er letztes Jahr ganz witzig. Ich ihn auch. Er ist ein kreativer Chaot, der in der Tat  studierter Jurist ist. Passend und dann doch auch so gar nicht, denn die Mischung bietet Zündstoff ohne Ende. Er ist Abteilungsleiter und kommentiert das trocken: „Weißt Du, warum ich Führungskraft bin? Weil ich nix anderes kann.“ Kann er doch, aber das macht ihn mir gerade noch sympathischer.

Von ihm – nicht von meinem Chef – erfahre ich, dass alle Führungskräfte eine Liste der eigenen Mitarbeiter vorliegen haben, die sie befüllen müssen. Da geht es um Betriebszugehörigkeit, Steuerklasse, aber auch um Bewertungen, ob die Person Stunden reduzieren könnte, wie die Performance die letzten Jahre über so war usw. Mein Chef wiegelt ja nur permanent ab, dass sich keiner Sorgen zu machen bräuchte. Gestern Abend und auch heute kann ich aber schauen, wie ich meine liebe Kollegin wieder aufbaue, da sie sich extreme Sorgen macht. Er verharmlost alles, wobei wir von anderen mitbekommen, was wirklich alles abgeht. Transparenz, Transparenz… dann verliert man auch nicht das Vertrauen. Und ein Gespür für die eigenen Mitarbeiter, wäre schon auch eine Grundvoraussetzung. Aber… „bast scho“. Wir sind ja Kummer gewöhnt.

Dann folgt der nächste Workshop, den ich spontan übernehmen darf. Und hier mache ich wieder meine übliche Erfahrung. Ich frage nach Störungen, Herausforderungen, Stolpersteinen und schaue in leere Gesichter. Keiner sagt was. Das Schweigen dehnt sich aus. Dann berichte ich eben von einem meiner Beispiele. Mir macht es so rein gar nichts, offen über Zweifel und Unsicherheiten zu reden. Und siehe da, es kommen Rückmeldungen, wie: „Puh, ich dachte, damit sei ich ganz allein. Du hast ja ähnliche Probleme wie ich.“ Ach. Was für eine Überraschung! Darum machen wir das hier ja. Entscheidend ist nur, dass einer den Anfang macht. Warum tun sich so viele Menschen so schwer damit? Ich verstehe es nicht. Ist es die Angst vor Entdeckung? Scham? Vermeintliche Schwäche? Ich werde nicht schlau daraus.

Und dann komme ich doch an den Punkt, dass ich mir wieder denke: Ich muss es auch gar nicht verstehen. Jeder Jeck ist anders. Manchmal vergesse ich das kurzzeitig. Aber wenn es mir wieder einfällt, wird die Welt wieder leichter. Und leicht, gefällt sie mir am besten. Dazu muss nicht der ganze Tag ein Fest gewesen sein. Es bedarf nur ein paar toller Momente, netter Menschen oder wertschätzender Worte. Wenn es nur immer so einfach wäre…

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