Kennt Ihr diese Tage, wenn Ihr eigentlich Zeit hättet? Und Ihr müsstet auch ganz viele Sachen unbedingt machen? So einer ist heute. Ganz viele Sachen…naja, manche schon. Aber eine muss ich tatsächlich mal zuwege bringen: Meine Steuererklärung. Baaaaah, das mag ich so was überhaupt nicht. Ich finde ganz viele kleine, unnötige Sachen abseits des Weges, die meine Aufmerksamkeit sofort fesseln können. Oh, die Zehennägel könnte ich mal wieder neu lackieren. Ein Peeling habe ich länger nicht gemacht. Huch, das Bad sieht aber auch so aus, als würde es sagen: „Guckst Du mich eigentlich gar nicht mehr an?“ Und der Kühlschrank gehört auch noch mal durchsortiert. Und so geht das in einem fort. Klar, zwischendurch gibt es den einen oder anderen Anruf, der mich ja ohnehin immer freut. Und dann denke ich wieder: Ich habe ja lange nicht mehr nach Musik gestöbert. Oh man, im Ablenken sollte ich eine Medaille bekommen. Die hätte ich so was von verdient. Da gibbet nix, da bin ich Meisterin. Da bin ich sogar noch besser drin als der WD 40-Handwerker gestern top war, was die Balkontüren betrifft. Jawoll! Da nehme ich es mit nahezu jedem anderen in diesem Uhuversum auf. Ja, Uhuversum. Ist ja meins. Da kann ich das ja auch nennen, wie ich lustig bin. Ha, lern´ meine innere Pippi kennen!

Aber es hilft alles nichts. Auch kein Kochen, keine unsinnigen Fernsehfilme oder Reportagen. Bis Ende des Monats muss ich diesen elenden Mist hinter mich gebracht haben. Und ab Dienstag habe ich für so einen Firlefanz keine Zeit mehr. Da kommt nämlich meine liebe Freundin zu mir. Sie geht zur Fortbildung, ich zur Arbeit. Abends ist ja auch noch Zeit? Hallo?! Abends müssen wir all unsere nicht aufgebrauchten Wörter von über Tag (geiles Deutsch, oder?) noch austauschen. Erfahrungsgemäß sind das bei uns beiden viele! Und wir sind auch stolz darauf. Ich freue mich wie Bolle auf diese Zeit. Nur…um die dann auch echt genießen zu können, muss ich jetzt mal ran. Da hilft auch das Schreiben hier nicht weiter. Eine nette Ablenkung…aber jetzt mal: Hopp, hopp. Aaaaaaber…nee, nix aber. Machen ist wie wollen – nur krasser…ich weiß.

Was soll ich sagen? Hat ja gar nicht weh getan. Das habe ich damals auch gesagt, als ich auf dem Sofa rumgesprungen bin und eine Tante mich gewarnt hat, ich würde mir noch weh tun. Ich wollte aber weiterspringen. Dann bin ich gefallen. Mit ziemlich versteinerter Miene bin ich wieder aufgestanden. Der Couchtisch ist nicht kaputt gegangen? Dann heul´ ich auch nicht rum und zische nur ein: „Hat ja gar nicht weh getan! Hat ja gar nicht weh getan!“ Ja, ich war schon früh „en fri-e Bieast“ – also frei übersetzt sowas wie eine harte Sau. So auch, als ich damals im ersten Schuljahr aus dem Bus raus bin und im Gedrängel mit den anderen, älteren Schülern hingefallen bin. Leider war es eine Bordsteinkante, die noch nicht abgerundet war. Meine Schwester wollte niemals auffallen, also hat sie mir nur zugezischt, ich solle bloß nicht jammern. Habe ich mich auch brav dran gehalten. Bis während der ersten Stunde Sandra – meine damals beste Freundin – irgendwas unterm Tisch kramen musste und mit einem: „Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiih, die Claudia blutet total!“ wieder hervorgekrochen kam. Geheult und gejammert habe ich trotzdem nicht. Man, man, man, ich gehe ins Guinness Buch ein, wenn ich so weitermache. Obwohl die Gnadenlosigkeit gegen mich selbst manchmal schon krankhaft anmutet. Aber dafür gibt es ja genügend Mimis. Das ist so was, womit ich so gar nichts anfangen kann. Ich sage ja: Gib mir ´nen echten Handwerker! (Wobei ich vorhin gelernt habe, dass WD 40 doch nicht das richtige Mittel ist. Oh man, was war ich euphorisch! Danke fürs Desillusionieren!)

Was ich aber eigentlich meinte: Es hat gar nicht so weh getan, die Steuererklärung zu machen. Ich finde es immer schrecklich nervig – zumal ich in Steuerklasse 1 bin und ohnehin nie viel zurückbekomme. Da kann ich noch so viele Fortbildungen machen, wie ich will – es bringt mir finanziell nichts. Dafür aber hoffentlich im Oberstübchen was. Wenn ich daran denke, dass ich niiiiiiiiie mehr lernen wollte, als die Uni vorbei war. Und wie sieht das heute aus? Ich habe mir schon wieder was Neues auserkoren, was ich nach dieser Ausbildung im nächsten Jahr machen kann. Stillstand ist für mich echt Rückschritt. Wie war das noch gleich? Ich habe doch den Sucht-Webinar-Nachholtermin. Vielleicht sollte ich da mal fragen, ob so was auch in eine Sucht ausarten kann? Ich sehe schon die ersten von Euch nicken. Macht nix: Ihr seid nicht allein. Und macht mir auch nix: Ich tu´s trotzdem. Für irgendwas müssen meine Hörner ja gut sein. Ich brauche eben viele Wände, die ich einrennen kann.

Ach, jetzt geht es mir in jedem Fall besser – auch wenn ich wieder mal aufgeregt bin und Sorge habe, irgendwas falsch gemacht zu haben. Sollte es Nachfragen vom Finanzamt geben, rufe ich einfach den Handwerker. Vielleicht kann er auf meiner Steuerklärung auch etwas WD 40 versprühen? Damit sie besser durchflutscht, meine ich. Wir werden sehen. Die Handynummer von dem gebe ich so schnell jedenfalls nicht mehr her. Hm, ob meine fertige Steuererklärung nicht auch wieder ein Kaffeelikörchen wert ist? Ich steh´ ja voll auf das Belohnungssystem und weniger auf diese Bestrafungsaktionen. Also…ich denke fast schon, dass das ein Likörchen wert ist. Ach, was soll das „fast“? Eben…Prösterchen!

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