Ok ok, erstmal: Mea culpa! Und Asche auf mein Haupt. Ich habe in meinem gestrigen Beitrag von zwei Ländern gesprochen, die an den Bodensee grenzen. Dabei habe ich an die Schweiz und Deutschland gedacht. Und versehentlich – ich Orientierungsschaf – das wunderschöne Land Österreich unterschlagen, was echt nicht in meiner Absicht lag. Ich mag die Schluchtenscheißer sogar sehr. Allein, ich bin in Erdkunde, wie in Mathe: Auf ganzer Linie hoffnungslos untalentiert. Zum Glück gibt es die Klugscheißer dieser Welt, die morgens früh nichts Besseres zu tun haben, als mich auf meine Fehler hinzuweisen. Danke! 😋

Heute fahre ich zu einer Mitschülerin, die letztens bei mir war. Wir wollen noch einmal gemeinsam am Webinar teilnehmen – obwohl wir wissen, dass wir die meiste Zeit eh nur ratschen und nicht aufpassen. Wobei… das Wort „obwohl“ können wir auch durch „weil“ ersetzen. Denn heute geht es um Schamanismus und Druidentum. Wäre Tolkien der Referent, wäre ich total begeistert. In therapeutischer Hinsicht hingegen… tja… nun ja, wie soll ich es sagen? Es macht mich nicht an und klingt für mich nach Scharlatanerie. Der Referent ist voll in seinem Element. Von fern meine ich sogar, die lieblichen Klänge von Major Tom zu vernehmen. Ernsthaft, er ist gerade „völlig losgelöst von der Erde“ – und das ganz ohne Raumschiff. Das musste erstmal hinkriegen. Mannomann. Ich glaube, keine Droge der Welt brächte mich dorthin, wo er gerade nüchtern schon ist.

Nun gut, wir können die Zeit durchaus gut und anders nutzen. Und so reden wir über Gott und die Welt, vom Hering zur Torte und über Jan und Pitt. Gleich zu Beginn ärgere ich ihren brasilianischen Mann – seines Zeichens IT-Fachmann. Da er mich nicht kennt, ist er kurz irritiert und futtert zunächst mal die Milka Pralinen weg, die ich mitgebracht hab. Das macht ihn mir ungemein sympathisch. Er ist furchtbar traurig, dass ich nicht länger bleiben kann, denn er hätte so gern für uns gekocht. Das macht ihn mir noch sympathischer. Ach, die Südamerikaner sind schon Sonnenscheinchen. Ich vermisse mal wieder Peru. Hach, das war schon schön.

Und dann zerreißt’s mich. Der Referent, dem ich immerhin mit einem Ohr lausche, schlägt vor, eine Krafttierrückholung durchzuführen. Ääääääh, what the f*** schallallallala?! Nach der Pause bräuchte er eine Freiwillige, die sich zur Verfügung stelle. Kathrin und ich sagen zeitgleich: „Die Elfe“, die just in diesem Moment schreibt, sie würde das gern machen. Alles klar. Manchmal ist die Welt so einfach. Ich mach ja auch fast jeden Spaß mit, aber das Problem hier: Die nehmen das ja durchaus ernst! Krasses Pferd, ich weiß. Nach der Pause haut’s uns dann erstmal raus, was vermutlich besser so ist. Mein mieses, anti-esoterisches Karma hat wohl das Internet zerstört. Tja, wer kann, der kann. Aber der brasilianische Mann kann’s retten. Er ist ja sympathietechnisch schon auf dem höchsten Level, sonst bekäme er nun noch mal satte Extrapunkte.

Und nun geht es los. Der Referent entzündet zunächst ein Wacholder-Räucherstäbchen. Es zuckt schon in mir. Ich sage zur Mitschülerin: „Geräuchert schmecke vermutlich sogar ich besser.“ Der Widder-Mitschüler schreibt sich unterdessen über den privaten Chat in Rage. Dann nimmt der Dozent eine Rassel zur Hand – derweil die Kamera der Elfe ein tiefenentspanntes Bild der Besitzerin zeigt. Und schon rasselt er drauflos. Der Widder schnaubt durch den Chat. In mir steigen Lachbläschen hoch. Nun legt der Dozent einen kleinen Stein in die Hand, ballt diese zur Faust und pustet hinein, um die Energie des Krafttiers zu übertragen. Anschließend wird er den Stein per Post zur Elfe schicken. Bei dem Pustevorgang lache ich mich schlapp und keuche: „Guck mal, jetzt bläst er der Elfe einen!!!“ Meine Mitschülerin zerreißt es jetzt auch völlig. Das kann doch kein Schwein mehr ernstnehmen! Nach der Tschingderassa Ufftata- Zeremonie berichtet er, dass er kein Verbot erhalten hätte. Da sei kein Widerstand zu spüren gewesen. Ich frage mich, was er wohl bei mir gespürt hätte? Einen imaginären Hammer? Eine Kettensäge? Meine geliebten Haie, die in meiner Phantasie so manches lösen? Oder die zwei berühmten Klinkersteine, die fast genauso effizient im Lösungsprozess sind, aber deutlich einfacher im Transport, der Handhabung und beim Kostenfaktor? Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie teuer so eine Haihaltung ist!

Puh, ich glaube, ich habe einen zu tiefen Atemzug gemacht, als der Referent vorhin geräuchert hat. Vielleicht war es das auch, was die Leitung lahmgelegt hat? Ist ja alles möglich. Ich meine, jetzt mal ernsthaft, das kann doch alles keiner mehr ernst nehmen! Da fühle ich mich verscheißert, aber so richtig. Ich kenne auch eine Person, die aus so einem Hokuspokzmusmist nicht mehr rausgefunden hat. Es mag vieles zwischen Himmel und Erde geben. Wer bin ich, das zu ermessen? Aber diese Rassel, das Räuchern und der ganze Dreck via Webinar – sorry, da setzt’s bei mir aus. Da mache ich lieber was ganz Bodenständiges: Wiener Schnitzel mit Preiselbeeren und bayerischem Kartoffelsalat. Da muss keiner räuchern, niemand pusten und auch nicht rasseln. Klingt für mich nach einem Träumchen. Ich muss dann also mal… guten Hunger oder feine Erleuchtung – je nachdem, wie man/frau es mag.

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