Gestern verfasse ich den ersten Entwurf für die E-Mail ans Institut. Die liebe Mitschülerin fragt noch, ob wir den Unruhestifter erwähnen und sagen, dass er ja auch weniger Kohle zahlen würde. Doch wir entscheiden uns auf meine Empfehlung hin anders. Und so schicke ich dann heute Morgen die Mail auf die Reise. Ich bin gespannt, was nun passiert. Warum ist es nur so schwierig, diese Fortbildung als das zu sehen, was sie ist: Eine Dienstleistung. Damit habe ich immer wieder so meine Herausforderungen. Erst, wenn ich es lange genug durchgekaut habe, kann ich das nüchtern betrachten. Dann fällt mir das Verfassen so einer Nachricht auch recht leicht. Meine Mitschülerin meinte nur trocken: „Gut, dass Du das so sachlich schreiben kannst. Ich wäre nur emotional und würde es in vorwurfsvollen Ton vorbringen.“ Habe ich auch schon oft gemacht. Es hat nur nie zum Ziel geführt. Ach, manches ist am Älterwerden doch auch schön, oder? Lerneffekte – und die Gewissheit, bestimmt wieder neue Fehler zu machen und das auch zu dürfen.

Es gibt Theorien, die besagen, dass man sich alles, was man sich wünscht, nur vor dem eigenen Auge visualisieren muss, damit diese Wünsche wahr werden. Wenn Ihr vorübergehend also mal nichts von mir hört, habe ich den Bulli bei Pro7 gewonnen, den Euro Jackpot geknackt und suche nach dem richtigen Fleckchen, wo ich dann ein Häuschen ans Meer setzen kann. Ich nehme all das in allen Farben und mit allen Gerüchen für mich wahr. Nur will es noch nicht ganz gelingen. Was mache ich also falsch? Spaß beiseite, ich denke ernsthaft, dass der Glaube Berge versetzen kann. Aber er heilt eben auch nicht alles. Und er macht nicht finanziell superreich. Müsste ich auch gar nicht sein. Ich träume nicht von etlichen Milliönchen. Es ist eher die vermeintliche Sicherheit, die ich so gerne hätte, glaube ich. Zeiten, wie diese, schaffen eben Unsicherheit. Und die ist eine dumme Nuss, weil sie auch so lähmend sein kann. Dabei geht es schon immer irgendwie weiter. Rational weiß ich das ja. Ach, ist nicht immer so einfach, erwachsen zu sein. Da würde ich schon gerne mal mehr von Pippi Langstrumpfs Grundvertrauen haben. Einfach ausprobieren und schauen, was wird.

Allgemein merke ich aber, wie die Unruhe steigt. Ihr auch? Wir Menschen sind schon zäh und gewöhnen uns an vieles. Nur immer häufiger höre ich von Parties, von Angriffen auf die Polizei, von Wut. Und das macht mich immer wieder aufs Neue fassungslos. Jeder geht wohl anders mit seiner eigenen Unsicherheit um. Warum aber andere darunter leiden müssen, entzieht sich meinem Verständnis. Was kann ein Polizist dafür, wenn er seine Arbeit verrichtet? Es trifft die Falschen – wie fast immer. Die Lösung habe ich allerdings auch noch nicht gefunden.

Apropos Lösungen: Die fehlen mir zu den unterschiedlichsten Zeiten. Richtig cool wäre eine Fernbedienung fürs Leben, oder? Stellt Euch das mal vor! (Wie war das noch mit dem Visualisieren?) Immer, wenn es richig blöde wird, ändert man kurzerhand das Programm. Statt in einem schlechten Film zu verharren, landet man auf einem anderen Sender. Die Idee hat was. Da hätte ich als Kind vermutlich schon oft umgeschaltet, wenn es hieß, ich müsse das Zimmer aufräumen. Oder wenn ich sonntags zur Messe musste. Puh, war das anstrengend! Als Messdienerin und Lektorin hatte ich dann später das Glück, was zu tun zu haben. Einfach schnöde in der Bank zu sitzen und dem immer gleichen Sermon da vorne zuzuhören, hat mich manches Mal wegnicken lassen. Allerdings nur solange, bis meine Schwester mich gekniffen hat. Gut, sie hatte den Auftrag, mich wachzuhalten. Trotzdem tat das echt fies weh. Mit einer Fernbedienung hätte ich mich dann kurzerhand in einen anderen Film beamen können. Hätte nicht so weh getan und auch keine blauen Flecken hinterlassen.

Da fällt mir ein: Ich habe mich für dieses Kneifen nie revanchiert. Es geschah zwar auch im Auftrag meiner Mutter, aber trotzdem. Mmmh, wenn ich so darüber nachdenke: Falls meine Sis das hier liest, wird sie mir wohl den Vogel zeigen. Ich habe sie nämlich schon auch gepestet. Nur prügeln konnte ich mich nie mit ihr. Sie wusste wohl instinktiv, dass sie – obwohl sie drei Jahre älter ist – keine Chance gehabt hätte. Aber ich habe andere Wege gefunden, sie hops zu nehmen – selbstverständlich nie im Auftrag meiner Mutter. So habe ich beispielsweise Kotzgeräusche gemacht und diese auf Kassette aufgenommen. Um es echter zu gestalten, habe ich dabei Wasser in die Toilette gekippt. Ach, war das noch cool, als es Kassettenrekorder mit Aufnahmetaste gab. Mei, war ich kreativ, was? Und eklig, aber ich betrachte vorzugsweise nur die positiven Aspekte. Später habe ich heimlich ihre Klamotten stibizt, was sie mir nie erlaubt hätte. Und zu Altweiber (Karnevalsdonnerstag) habe ich ihren Schwarm geküsst. Zu dem Zeitpunkt war sie allerdings nicht mehr in ihn verliebt und bereits mit meinem heutigen Schwager zusammen. Aber gefuchst hat es sie dennoch. Dabei habe ich pragmatisch gedacht: Eine von uns sollte diese 10 wenigstens mal geküsst haben. Das habe ich dann kurzerhand einfach mal übernommen. Wenn ich so darüber nachdenke, hätte meine Sis wohl auch manchmal gerne eine Fernbedienung gehabt, schätze ich.

Wenn ich so an den Heinz denke, über den ich lange nicht berichtet habe, wäre so eine Fernbedienung allerdings auch ein Segen. Andererseits hätte ich dann weit weniger, worüber ich mich aufregen könnte. Und das brauche ich wohl, wie die Luft zum Atmen. Mal kurz den Puls in die Höhe treiben, dann wieder runterpflücken, und alles ist schikko. Außerdem: Worüber sollte ich dann hier schreiben? Das Ärgern gehört für mich irgendwie zum Leben dazu, quasi wie das Salz in der Suppe. Und ich salze alles Mögliche ordentlich nach. Ist ungesund? Na und? Schmeckt mir aber…wie mein Leben. In diesem Sinne wünsche ich Euch guten Appetit aufs/im/beim Leben!

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