Baaaaaaaah, was ist das für eine abartige Hitze. Ehrlich: Wer mag denn so was? Wenn Du nur ruhig irgendwo sitzt, merkst Du, wie sich so ein kleiner Schweißtropfen auf die Reise macht und gemächlich den Rücken hinabrieselt. Zum Glück trage ich Hose mit Gürtel, denn auf… ach, Ihr wisst schon, was ich meine.

Bereits morgens ist es schon drückend. Ich schlendere also gemütlich zur S-Bahn und warte am nächsten Bahnhof auf eine Mitschülerin. Es tut einfach gut, sich noch mal zu sehen. Nur das mit den Umarmungen ist einfach blöd – also dass man sich nicht umarmen soll. Doch es ist ja schon eine Steigerung zu sonst. Wir sind recht schnell am Café, aber meine Böckchen-Mitschülerin ist schon da. Wir zwei sind immer superfrüh irgendwo, aus Sorge, uns zu verspäten. Daher trifft man uns in der Regel zehn Minuten früher an. 😊 Ist wohl irgendwie in den Genen festgeschraubt. Leider hat es der Großteil nicht so mit der Pünktlichkeit. Wir warten noch über eine halbe Stunde, bis wir bestellen. So was nervt mich ja schon etwas, aber selbst fürs Aufregen finde ich es zu warm.

Wir klönen über Gott und die Welt. Ich finde es immer wieder spannend, wie manche Menschen unterwegs sind. Eine Mitschülerin kommt in einem süßen bunten Kleid und beugt sich kurz über den Tisch. Sie trägt keinen BH. Äääh. Und nein, sie ist keine knackige 17 Jahre alt. Sie ist auch kein Hippie-Mädchen. Eher das Gegenteil. Ich meine, Zuhause mache ich das auch. Aber draußen würde ich so niemals rumlaufen. Ich bewundere solche Menschen echt, die einfach nur tun, was ihnen gut tut. Wen es stört, der darf ja gerne wegschauen. Ich glaube, da darf ich noch eine ganze Menge lernen. Und nein, es wird nicht mein Ziel sein, ohne BH rauszugehen. Das steht eher sinnbildlich für die eigene Freiheit, wirklich nur das zu tun, worauf ich Bock habe. Und auf „die Gondeln tragen Trauer“ oder „die Wolken hängen tief“, habe ich keine Lust.

Wir haben ja auch zwei Männer im Kurs, die auch beide heute da sind – der Widder 20 Minuten zu spät, der andere 35 Minuten. Es wird gefrötzelt, dass es kracht. Als die Bedienung nachher zum Kassieren kommt, habe ich den Modus noch nicht verlassen. Der Widder fragt mitfühlend: „Das ist bestimmt abartig heiß an so einem Tag und dann noch mit Maske?!“ Die Bedienung antwortet schwitzig: „Auf meiner Stirn könnte man ein Spiegelei braten.“ Und schon rufe ich laut: „Wir brauchen ein Ei!!!!!“ Alle gucken mich mit großen Augen an. Nur die Bedienung lacht und kontert: „Ich geh nur kurz am Nebentisch kassieren. Danach, ok?“ Ich hätte es echt gerne gesehen, wie sie sich ein Ei auf die Stirn kloppt.

Und dann kommt auch schon die Überleitung vom anderen Böckchen: „Apropos Spiegelei: Kennt Ihr das Spiegeleier-Symptom bei Männern?“ Ääääh, wir schauen uns verständnislos an. Eine psychische Erkrankung sollte es hoffentlich nicht sein, denn die müssten wir ja schon mal im Kurs gehört haben. Die Erklärung folgt: „Na, wenn der Mann so dick ist, dass er seine Eier nur im Spiegel sehen kann.“ Oh weia. So, wie wir gackern und das bei der Hitze, müssen wir aufpassen, keine Eier zu legen. Völlig blöde, aber eben auch lustig. Aber dann wird es auch langsam Zeit, endlich aufzubrechen. Wir wollen die Nerven unserer Mitmenschen ja nicht überstrapazieren.

Zu dritt fahren wir mit der Bahn. Alle tragen Maske. Aber 1,50 m Abstand kann man hier drin logischerweise nicht einhalten. Wie auch? Es ist Freitagmittag. Da ist es ohnehin immer voll. Ein Herr steigt ein, lässt einen Platz in der Reihe frei und lässt sich daneben nieder. Und schon keift eine Frau los, er solle gefälligst 1,50 m Abstand halten. Ihn hört man nur ruhig etwas erklären, aber sie keift weiter. Ich überlege kurz, ihr vorzuschlagen, sich doch aufs Dach zu legen, da sie dort sicher sein dürfte, lasse es aber lieber. Wenn sie so panische Angst hat, sollte sie die Öffis am besten ganz meiden. Aber sie piekst den Mann immer wieder verbal an. Ich bewundere seine Ruhe. Manche Menschen sind echte Pestbeulen.

Aber es gibt auch die, die einem ständig zu nahe kommen. Ich frage (wie schon mal beschrieben) dann ja gerne, ob sie für mich mitzahlen wollen oder meine Geheimnummer besser kennen. Aber eine andere Mitschülerin berichtet von einer Freundin. Die sagt immer gern: „Sie stehen voll in meiner Aura, was ich als unangenehm empfinde. Macht es Ihnen etwas aus, auf Abstand zu gehen?“ Sie ist keine Eso-Schnecke, hat aber die Erfahrung gemacht, dass die Leute bei der Erwähnung von „Aura“ automatisch zurückzucken. Ich glaube, das werde ich mal ausprobieren müssen.

Da niemand für mich die Sonne abknallt, vollständig verhüllt oder mit einer Klimaanlage vorbeischaut, werde ich mich ab jetzt nur noch drinnen aufhalten. Vorhin habe ich Pflaumen in Amaretto eingelegt und mache daraus gleich eine schöne Marmelade für den Winter. Zu mehr bin ich heute nicht imstande. Morgen soll’s noch schlimmer werden. Dann bin ich eben noch einen weiteren Tag komatös. Auch das geht vorbei…. also hoffe ich doch!

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