Heute fühle ich mich völlig zerschlagen. Kann am Wetter liegen, kann aber auch an dem Wissen liegen, dass wir nachher Besprechung haben, die so unsäglich ist. Wer weiß das schon so genau? Akute Lustlosigkeit sollte ein Grund für einen Krankenschein sein. Da hätte ich mal so gar nichts dagegen. Leider funktioniert unsere Software für später wieder. Ein kleines, gallisches Dörfchen in mir hat ja gehofft, aber mei, es geht wohl echt nicht alles.

Gestern habe ich noch erfahren, wie sehr der Punk am Institut abgeht. Ich habe ja wirklich noch mit mir gerungen, eine Mail zu schreiben und versucht, diese sachlich zu formulieren. Und trotzdem komme ich mir dabei schäbig und zickig vor. Dabei höre ich jetzt, dass es durchaus andere gibt, die bereits Anwälte eingeschaltet und das Institut verklagt haben. Was bin ich doch für ein zahnloser Tiger. Aber ganz ernsthaft? Ich bin zwar unzufrieden, aber meilenweit davon entfernt, einen Anwalt zu kontaktieren. Davon abgesehen: Ich wüsste nicht mal, wie ich so was mache? In der Versicherungswelt wird ja immer propagiert, man müsse sich mit einer Rechtsschutz-Versicherung versorgen. Der Klassiker: „Aber ich bin gar nicht streitsüchtig und war noch nie beim Anwalt.“ Dann kommt das Beispiel mit zwei Autos an einer Kreuzung, die einen Unfall hatten. „Im roten Auto sitzt einer mit einer Rechtsschutz-Versicherung, im blauen einer ohne. In welchem Auto wollen Sie sitzen?“ Ich habe immer gerne gesagt: „In dem Café um die Ecke.“ Aber Tatsache ist ja leider wirklich, dass es genügend Deppen gibt, die wegen jedes Scheißdrecks klagen. Daher habe ich die Versicherung mittlerweile auch. Nur benutzt habe ich sie noch nie. Und wegen des Instituts werde ich sie auch nicht zücken. Steht für mich in keiner Relation. Ich mag mich zwar manchmal echt gerne aufregen, aber streiten mag ich mich nicht.

Unser Meeting ist wieder ein Balanceakt zwischen hysterischem Lachen und vor Wut den Kopf auf die Tischplatte knallen lassen. Ok… und schon auch, mir weitere Foltermethoden auszudenken. Ist nicht gut, ja ja. Das weiß ich. Ändert aber nichts. Heinz hat wieder so viel zu tun, dass ich gern eine Mitleids-Taschentuch-Spendenaktion starten möchte. Und – ich bekenne mich schuldig – ich bin natürlich ein Aas und beginne auch Sätze an meinen Chef gerichtet mit: „Wie ich Dir ja gemailt habe, was Du immer noch nicht beantwortet hast,…“ Es prallt aber ab. Gedanklich packt er vermutlich gerade seinen Rucksack für die Hüttentour ab morgen. So was kann einen schon auch stressen. Im anschließenden Jour Fixe überlebe ich auch nur, weil ich privat mit meiner lieben Kollegin chatte. Wer nicht bekloppt wird, ist selbst schuld. Es sind alle Parameter vorhanden. Nur zugreifen muss noch jeder selbst.

Später erfahre ich dann den Klopper schlechthin, für den man mich fast einweisen lassen könnte. Heinz hat ja schon seit Jahren (!!!) mittwochs Home Office. War mir ja egal, bis Corona kam und wir das alle mussten. Als wir dann gestartet sind, hatte der Gute ja nicht mal Skype auf seinem Laptop, was mich schon geärgert hat. Denn wie kann es sein, dass er mobil arbeitet und kein Skype hat? Nun wird es aber noch doller: Heute höre ich dann, dass er nicht nur kein Skype hatte, sondern schlicht und ergreifend gar kein mobiles Endgerät!!!! Noch nie! Das ist so, als würde ein Chirurg sagen, er mache Home Office – nur eben ohne Patienten. Oder ein Bäcker, der mobil backt – nur eben ohne Backofen. Und ohne Teig, klar. Mein Chef-Chef muss wohl ausgerastet sein. Was ich nicht verstehe: Wieso kriegt Heinzilein nicht wirklich mal so richtig eine verbraten? Das ist glatter Betrug. Und wieso kriegt mein Chef keinen auf die Mütze? Im Grunde vertuschen die gerade einen Betrug eines Mitarbeiters, nur um nicht selbst einen auf die Mütze zu bekommen. Schon crazy, oder? Wie will ich mir da noch den letzten Rest Respekt zusammenkratzen?

Irgendwann rege ich mich dann auch wieder ab. Es ist ja auch das falsche Wetter für so was. Von Gewittern ist auch weit und breit nichts zu sehen. Da muss ich dann schon steuernd eingreifen, was meinen Blutdruck betrifft. Gar nicht so einfach. Denn ich bekomme nun auch noch einen weiteren Anruf von einer Mitschülerin. Einer unserer Mitschüler hat mal fallen lassen, dass er einen Nachlass erwirkt hätte – quasi aufgrund der Qualitätsminderung. Ich wusste nicht, ob ich ihm glauben sollte, weil er gerne Feuerchen legt. Im Gegenzug musste er versprechen, niemandem die Höhe des Nachlasses zu verraten. Auf so was würde ich mich niemals einlassen, aber gut. Nun hat die Teilnehmerin einer Mitarbeiterin des Institutes gesteckt, dass diese Info bei uns angekommen und auf wenig Begeisterung gestoßen sei. Und siehe da! Volltreffer! Sie hat es zugegeben. Ich bin platt. Wie dumm muss man sein??? Und mit so was schlage ich mich abends noch herum! Ich bin immer wieder erstaunt, wie dreist manche Menschen sind und völlig darüber hinweggehen, ob andere dabei im Regen stehengelassen werden. Gut, die Metapher mit „im Regen stehen“ ist vielleicht bei der Hitze schon fast blasphemisch, aber Ihr wisst, was ich meine.

Doch dann flattert auch noch eine gute Nachricht ins Haus: Das Flüchtlingsheim freut sich sehr über mein Angebot. Noch ist Ferienzeit, aber im September treffen wir uns. Oooooooh, freut mich das! Wenn ich das dann mache, kann ich darüber meinen Idealismus füttern. Dann verlieren die Nebenkriegsschauplätze auch ihre Bedeutung, und alles wird gut. Keine Ahnung, warum es immer wieder kleine Feuerchen gibt? Und keine Ahnung, warum ich ihnen Sauerstoff zukommen lasse? Hätte ich was Sinnvolles als Alternative, bin ich aber sicher, dass es sich wieder runder anfühlt – so, wie letzte Woche in Straubing. Ich freue mich schon ungemein auf die nächste Runde dort in der kommenden Woche. Sinnstiftendes zu machen, ist einfach unbezahlbar. Und wenn es endlich nicht mehr so heiß ist, natürlich. In diesem Sinne: Kann mich mal einer gießen kommen???

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