So langsam nimmt die Schlafqualität echt ab. Wie soll ich da nicht völlig kirre werden? Ich meine, noch mehr als sonst. Zum Wachwerden nach dem mehrmaligen Wachliegen in der Nacht, höre ich Radio. Gestern waren wohl manche Bewohner einer Ortschaft in heller Aufregung. Es habe sich wie Schüsse angehört. Da wäre ich wohl auch durch den Wind. Heute kam dann die Auflösung: Es handelt sich nämlich um ein Krähenvermeidungsgerät. Scha-watt bitte schön? Richtig, ein Krähenvermeidungsgerät. Ich glaube, das wird mein neues Lieblingswort – neben o-schoan-scheich, natürlich! Ich glaube echt, ich drehe langsam durch.

Ich möchte auch ein Vermeidungsgerät!!! Aber nicht für bzw. gegen Krähen, sondern gegen Heinz. Und meinen Chef. Und manche Deppen beim Autofahren. Ok, und gegen den General – sollte er noch mal klingeln. (Ich glaube aber, der hat endlich aufgegeben.) Wer bitte kommt auf die Idee, so ein Gerät zu bauen und dem einen derartigen Namen zu verpassen? Ich glaube, so was gibt’s auch nur in Deutschland. Ich stelle mir vor, wie derjenige zum Patentamt gelaufen ist, um das anzumelden. Bin gespannt, wie die schauen, wenn ich mein Heinzvermeidungsgerät anmelde. Es wird reißenden Absatz finden – so viel steht fest.

Mit Rückblick auf gestern tu ich mich schwer, heute wirklich ernsthaft zu arbeiten. Ich finde alles zu lächerlich, das Wetter zu heiß und mich bzw. meinen Beitrag zum großen Ganzen so unglaublich unwichtig, dass ich mich total ablenke. Letzte Woche hab ich beispielsweise Pflaumen gekauft. Neben mir stand eine nette, ältere Dame im Geschäft und fragte: „Mochn’s Zewtschgendatschi?“ Ich überlege, nicke und ergänze: „Jo, oder Pflaumenlikör.“ Sie strahlt: „Is a guat!“ Die Pflaumen liegen noch im Kühlschrank. Also könnte ich doch jetzt Likör machen? Also nebenher, versteht sich. Ich fange also an und bemerke, dass ich laut Rezept zwei Kilo Pflaumen brauche. Die Waage zeigt nur eins an. Ach, wäre das mit der Körperwaage nur auch mal so! Kurzentschlossen fahre ich zum Supermarkt und besorge mir noch weitere Pflaumen. Bei diesem Wetter? Ach, die klügste Idee schlechthin. Gerade zurück, ruft ein Kollege an… genauer gesagt eine Führungskraft, die ich coache. Die einleitende Begrüßung: „Sag mal: Hat Dein Chef jetzt auch noch das letzte bisschen Hirn geopfert?“ Sicher, aber ich frage mich (und ihn), woher er diese Weisheit nimmt? Er habe ihn gestern gesehen. Auf dem Werksgelände. Und? Mit Headset am Ohr. Ok, und? Und er habe wohl arg mit der Maske zu kämpfen gehabt. Sie ist eben verdammt schwer zu befestigen, wenn man ein Headset und eine Brille trägt. Daraufhin der Kollege: „Äääh, Du hast das Headset noch auf.“ „Woas i scho.“ „WARUM?“ Und dann erklärt er, wie schwer es sei, das Gerät mit dem Laptop zu koppeln. „Der Scheißdreck mit Connected und neet, des regt mi oa!“ Ääääh. Der Kollege erklärt ihm noch, er könne sein Headset trotzdem zwischendurch mal ablegen, ohne die Verbindung zu unterbrechen (wobei das Koppeln echt leicht geht). Es würde nicht automatisch ausspringen, wenn es keinen Körperkontakt mehr hätte. Unbezahlbar! Er hat es trotzdem noch weiter verteidigt. Puh. Ich sag ja: Meine Achtung kann nicht mehr tiefer sinken, seit ich das von gestern weiß.

Entsprechend bin ich gut abgelenkt mit der Likörzubereitung. Von den beschwipsten (allerdings nur durch Rotwein verursacht) und zerköchelten Pflaumen mache ich noch Marmelade. Tja, das nennt man neudeutsch „Upcycling“. Man, was lieg ich doch voll im Trend! Damit beschwipst aber auch den Namen verdient, kippe ich noch was Rum nach. Mmmmh… Man weiß ja nie, wofür man das noch brauchen wird. Ich sage Euch: Das ist schon was Leckeres. Da werde ich zum Vernichtungsgerät, ganz ohne Krähen, ganz ohne Vermeidung. So kann man Herausforderungen eben auch meistern. Und da schlage ich mal wieder die Brücke zum Herbst/Winter. Da kann ich den Likör nämlich schön heiß machen, mit Sahnehäubchen garnieren und mit Freundinnen schlürfen. Das wird mir jeden Weihnachtsmarkt ersetzen… hoffe ich zumindest.

Derweil behandele ich meine Mitbewohner pfleglich. Ja, die Drosophilae (oder ordinär: Fruchtfliegen) fliegen umher, während die Wespen ihre Liebe zu meinem Sonnenschirm entdeckt haben. An der Spitze halten sie wohl ihr Meeting der anonymen Stecher ab. Dabei gibt es da nix, was die irgendwie interessieren könnte – außer vielleicht Schatten? So genau weiß das keiner. Aber vermutlich macht genau das es aus: Eine reizarme Umgebung. Mir würde sie auch helfen – vor allem an Home Office Tagen.

Ich geh jetzt Cocktails trinken. Vermutlich schaffe ich bei dem Wetter nur einen. Auch nicht schlimm, aber einfach mal eine nette Alternative. Ich werde berichten… vor allem, wenn ich mein Vermeidungsgerät freigestellt hab. 😂

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