Kleine Kinder, kleine Sorgen. Große Kinder, große Sorgen. Da scheint wohl was dran zu sein. Was macht man mit Kindern, die nicht aus den Pötten kommen wollen? Die einfach nur chillen wollen? So geht es einem guten Bekannten von mir, der langsam verzweifelt. Wenn ich frage, was sein Sohn denn gerne mache, kommt: „Chillen und Autowaschen“. Wobei ein Job in der Autowaschanlage nicht wirklich infragekommt. Ist ja quasi ohnehin alles automatisiert. Tja, was tun, wenn es so hakt? Was tun, wenn die Frustrationstoleranz bei dem eigenen Kind so gering ausfällt, dass das Kind immer in eine Art Starre verfällt, wenn es nicht wie gewünscht läuft? Jetzt kann man sich natürlich die Frage stellen, ob diese Person als kleineres Kind immer gewonnen hat, wenn es um Gesellschaftsspiele ging? Aber das wird wohl nicht die Wurzel des Übels sein. Alles nicht so einfach.

Und ein bisschen erinnert mich das auch an mich, als ich jünger war. Ich habe es gehasst, immer und ständig mit meiner Schwester verglichen worden zu sein. Sie würde bestimmte Dinge niiiiiie tun. Sie wäre immer artig. Klar, sie hatte ja auch Angst. Und Angst ist ein beschissener Berater – gerade als Kind. Wir Jüngeren kommen dann schnell auf den Trichter, gar nicht in Konkurrenz treten zu wollen. Wir meiden Situationen, in denen es zu Vergleichen kommen könnte. Meine Sis hat Klavierspielen gelernt. Ich sollte es dann auch, habe mich aber sehr standhaft gewehrt. Wie wollte ich einen Vorsprung von drei Jahren wettmachen? Eben. Um nicht noch eine weitere Komponente in die Hände der Großen zu spielen, um mich mit ihr zu vergleichen, habe ich diesen Weg einfach gemieden. Das sehe ich auch bei meinem „kleinen“ Neffen so. Er ist so völlig anders als der Große. Dabei sind beide auf ihre Art wunderbar. Nur ist es schwer, immer im Schatten eines Größeren bestehen zu müssen. Das Vergleichen kommt automatisch daher – ob man es denn will oder nicht.

Dabei gehen wir Jüngeren auch unseren Weg – nur eben einen anderen als den, der schon so schön ausgetrampelt ist.  Trotzdem würde ich gerne die richtigen Worte für meinen Bekannten finden, bei dem der Große schon gut zurechtkommt, nur der Kleine einfach so gar nichts findet, was ihn vollends begeistert. Dabei ist er schon knapp 23. Da wäre es schon toll, einfach irgendwas zu tun. Es muss nicht der große Wurf sein…einfach nur mal mit irgendwas anzufangen, würde schon reichen. Die Zeiten, wo wir in ein und derselben Firma bleiben, sind vorbei. Ich habe mich mehrfach komplett in eine andere Branche reingefuchst. Gerade das macht es doch so spannend. Der Lebensweg ist nicht schon – wie früher so oft – völlig vorgezeichnet.

Komisch, das war früher auch anders: Früher, so weiß ich das noch, konnte ich nicht schnell genug von Zuhause ausziehen. Habe ich schon mal berichtet…es war sehr zum Leidwesen meiner Mom schon mit 20, ohne dass ich verheiratet war. Die, die mich nicht kennen, fragen sich bestimmt jetzt, ob ich bereits 80 Jahre alt bin. Aber so war es wirklich bei uns vor 23 Jahren: Ein Drama, dass das „Kind“ unverheiratet mit ihrem Freund zusammengezogen ist. Dadurch wurde ich endgültig zur Ausgeburt der Hölle für meine böse Oma. Nicht schön, aber mei, auch das habe ich überlebt. Gehässig wurde sie nur noch mal, als ich mich getrennt habe. Danach habe ich ihr einfach meinen Anblick erspart. – Aber, anders als früher, wollen junge Menschen heute gar nicht so früh von Zuhause ausziehen. Das erstaunt mich dann doch immer wieder. Ich finde ein gutes Verhältnis zu den Eltern schön (auch wenn es mir abgeht), aber deswegen in ihrem Haus zu bleiben, wäre mir nicht in den Sinn gekommen. Die Vorstellungen zweier Generationen sind doch so vollkommen unterschiedlich, dass man sich daraus befreien möchte, oder? Aber irgendwie zählt das nicht für die derzeitige Jugend. Oder es ist nur gefühlte Temperatur, weil ich einige Fälle davon kenne. Dieses berühmte „Hotel Mama“ hätte ich nie zu schätzen gewusst. Und da ich eher für „Stärken stärken“ bin und daher wenig auf Bestrafung gebe, lautet die Frage wohl am ehesten: Wie kann ich jemanden motivieren, einen Freiheits- und Tatendrang zu entwickeln und sein eigenes Leben anpacken zu wollen?

Da kommen wir wohl zum nächsten Dilemma: Motivation von außen. Ist das überhaupt möglich? Da scheiden sich die Geister. Motivation sollte schon von innen heraus kommen. Sonst wird das ein kurzes Gastspiel. Aber vielleicht können Impulse helfen? Kleine Impulse, die zum Denken anregen. Doch auch hier wieder: Wie? Ich würde mich ja zu gerne mal mit dem Kerl unterhalten. Einfach mal hören, was eigentlich in seinem Kopf vor sich geht, was ihn fasziniert. Bei Eltern machen die meisten dann doch dicht – zumal, wenn man deren Leben so gar nicht spannend findet. Mein Kollege hat noch nie anderswo als in diesem Haus gelebt. Es ist sein Elternhaus. Seine Lehre hat er bei meinem jetzigen Arbeitgeber gemacht. Das hätte auf mich auch einen abschreckenden Charakter. Aber ob der kleine Schnulli mit mir überhaupt reden würde? Vermutlich bin ich auch einfach nur eine weitere alte Frau. Und mein Kollege würde es auch nicht zulassen. Schade eigentlich.

Und dann denke ich wieder: Zum Glück nicht mein Zirkus. Also muss ich mich auch nicht um diese Affen kümmern. Ich habe meine eigenen Affen, mit denen ich mich herumschlagen darf. Aber ab morgen Mittag darf ich wieder nach Straubing zu meinen Knastbrüdern. Dienstag und Mittwoch sehe ich dann mir komplett bisher unbekannte Männer. Donnerstag habe ich voraussichtlich die Gruppe mit dem Russenanführer in Teil 2. Es dürfte also wieder spannend werden – und manches gerade rücken in meiner Welt. Ich lasse es mal geschehen, was da kommt und halte Euch auf dem Laufenden – falls Ihr wollt. Also: Schönen Wochenstart!

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