Heute Morgen geht’s gemütlich zu. Ich stehe um sieben Uhr auf, frühstücke mit ausreichend Kaffee und lasse es langsam angehen. Kurz vor halb neun werde ich abgeholt und düse los. Das wunderschöne Bamberg steht auf dem Plan. Und da nichts fest geplant ist, bin ich tiefenentspannt. Zu welcher Gruppe gehört Ihr? Zu der, die jedes Museum und jede Kirche besuchen muss, den Reiseführer vorher schon studiert hat und alles Wissenswerte abspulen kann? Oder zu der, die sagt: Ich schau‘ mir die Stadt an und mache vor Ort, wozu ich gerade Lust habe. Ich gehöre zur letzteren. Ja, manchmal schaue ich auch kurz vorher mal nach, was es so gibt. Aber ich lege mir keinen Plan zurecht. Ich lass es gerne auf mich zukommen. Aaaaaaber: Ich suche mir schon vorher eine Adresse raus und gebe diese ins Navi ein. Andere machen das anders. So auch meine eine Freundin, die heute fährt. Sie steht mitten auf der Straße und gibt dann erst in einer Seelenruhe eine Adresse ein… wobei… naja, sie gibt nur die Stadt Bamberg als solche ein. Da ich so oft Sachen in der Arbeit klären muss, lehne ich mich mal auf der Rückbank entspannt zurück und harre der Dinge, die da kommen.

Wir fahren endlich los – und natürlich anders, als es das Navi sagt. Hier sind wir ja ortskundig. Dann schiele ich mal nach vorne und bemerke: „Ääääh, i mog fei net üba vier Stund füa zwoahundatzwanzge Kilomeda brauchn.“ Ja, ist nicht korrekt. I bin ja a koa Bayer net un konns net bessa. Das Navi zeigt tatsächlich 4:21 Stunden an. Es wird eine Vollsperre vermutet, bis der Fahrerin einfällt, sie habe ja mal einprogrammiert, nie Autobahnen auszuwählen. Und wir wollten schon umdisponieren und woanders hinfahren! Mei o mei. Dies behoben, wird die Zeit deutlich nach unten korrigiert. Ich schone Augen und Schnüss, kann aber nicht pennen. Daher folge ich dem Gespräch. „Geographisch bin i a Wildschwein.“ Nicht nur darin, nicht nur darin… Doch dies bestätigt sie mit folgenden Worten: „Franken ist ja Bayern. Aber was ist denn mit Oberfranken?“ Kurz überlege ich, ob sie das ernst meint. Tut sie. Dann überlege ich ebenfalls kurz, ob ich einwerfen soll, es gehöre vermutlich zu Frankreich, wo ja auch der gute Frank drin vorkommt. Aber dann entscheide ich mich, die Schnüss besser weiterhin zu schonen. Manchmal haut sie die besten Klopper raus. Da möchte ich nicht bremsen.

Als Erstes steuern wir die Altenburg an. Ich checke die Adresse im Internet, die sie dann irgendwo am Straßenrand eintippt. Die Beifahrerin wäre dazu imstande, aber das geographische Wildschwein lässt es nicht zu. Gut, ich kenne das: Ich mach’s schnell selbst, dann ist es so gemacht, wie ich es will. Egozentrisch, ich weiß. Aber so bin ich eben auch. 🤷‍♀️ Machste nix. Wir parken irgendwo rechts und kraxeln zur Burg rauf. Irgendwie vermute ich, wir hätten auch weiterfahren können, aber ich schone die Schnüss noch immer. Oben angekommen, offenbart sich uns ein großer Parkplatz. Tja… so können wir im Vorfeld den Schweinsbraten abtrainieren – haha!

Das Wetter ist perfekt. Hier wollten wir ursprünglich letzten Freitag hingefahren sein. Als es dann aber hieß, es solle knackig heiß werden, haben wir es verschoben. So ist es perfekt. Noch sind auch nicht so viele Leute vor Ort, da der Biergarten erst in einer Stunde öffnet. Das passt also. Ich fotografiere ein älteres Pärchen, das dann doch endlich mal lacht, als ich zum Mann sage: „Och, zumindest fürs Foto können Sie doch kurz mal so schauen, als hätten Sie ein bisschen Spaß gehabt.“ Erinnert mich an Peru. Da waren Fotos im Dschungel ja ganz ungewöhnlich, weshalb die Kinder meinten, sie müssten besonders ernst gucken. Vielleicht ist der Ömmes hier vor mir eine Inka-Reinkarnation. Möglich ist alles… wer weiß, wer weiß.

Dann jückeln wir runter ins Städtchen, das echt bezaubernd ist. Nicht umsonst nennt man es wohl „Klein Venedig“. Meine Cousine hat hier Denkmalpflege studiert, was ich gut verstehen kann. Die Stadt ist irgendwie lieblich. Ich war im Winter vor zehn Jahren mal beruflich hier, als alles unter einer Schneedecke lag. Da sah es wie verzaubert aus. In so einer Stimmung… hach, da kann Frau schwach werden. Damals hab ich wild rumgeknutscht. Das ist irgendwie für mich mit Bamberg verknüpft.

Heute wurde diese Erinnerung zerstört. Als wir über eine Brücke flanieren, kräht meine Freundin laut los: „Guck mal, die Kanacken!“ Ich zucke zusammen und schaue mich hektisch um. Dann schaue ich runter, wohin sie deutet. „Ääääääh… meinst Du die Kanuten?!“ „Aaaaah, so heißen’s. Is ja scheißwurscht.“ Ehrlich? So was kann sich kein Mensch ausdenken. Ich breche einfach innerlich zusammen. Mittlerweile sind immer mehr Menschen unterwegs. Zufuß, aber auch zu Fahrrad. Ich ziehe sie beiseite, als ein  Fahrradfahrer klingelt. Und schon schimpft sie, wie ein Rohrspatz: „Darf der des übahaupts? I mein hier Foahrn?“ Ääääh, es stehen sogar Autos am Rand geparkt. Nur weil wir hier sind, haben die nicht mal eben die komplette Innenstadt für uns gesperrt. Obwohl das schon cool wäre. Aber diese Karte würde ich eher in De Efteling zücken. Da wollte ich immer schon mal nur mit meinen Freunden meinen Geburtstag feiern. Nur wir, niemand sonst. Ich sag ja: Egozentrisch. Aber die Vorstellung hat was. 

Später kommen wir an einem Wochenmarkt vorbei, wo es herrlich duftet. Sie ist aber noch unsicher, ob die Ware so gut ist, wie sie ausschaut. Immerhin stünde da nirgends ein Schild. „I will nix von Weißrussland, so verstrahlt, weißt?“ Göttlich und unbezahlbar. In Bayern sind sie alle total tolerant und so… ja, nee, is klar.

Auf dem Heimweg verfransen wir uns dann total. Als wir die Allianz-Arena erblicken, wird mir kurz schlecht. Hallo?! Die Deppen haben das Triple geholt. Das geht ja mal gar nicht!!!! Völlig müde komme ich Zuhause an, wo ich noch schnell Eierlikör herstelle, da ich morgen meine jüngste Tante und Onkel am Chiemsee besuche, wo sie Urlaub machen. Eierlikör im Sommer? Ja, fragt mich nicht. Meine Tante mischt sich den mit gelber Limo. Klingt eklig, schaut auch etwas flockig aus, schmeckt aber überraschend gut. Ein langer Freizeittag geht vorüber, der nächste steht bereits in den Startlöchern. Entsprechend falle ich nun müde ins Bettchen. Gehabt Euch wohl – mit allen Versprechern, Dialekten, Zeig und Glump und ummadump…

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