Ich bin alt. Aber so richtig, nicht nur ´n bisschen. Mein „kleiner“ Neffe hat nun auch eine Freundin. Wenn so was passiert, spürt man zwangsläufig den Altershammer, der einen mit voller Wucht trifft. Quasi über Nacht hat er so was von zugeschlagen. Aber ja, klar, ich freue mich natürlich auch für ihn.

Mit 15 Jahren hatte ich auch meinen ersten Freund. Meine Mutter fand das zunächst amüsant und hat gelacht. Dass er 19 war, hat sie in Nullkommanichts nüchtern werden lassen. Das Gesicht war auf einen Schlag wie eingefroren. Habe ich damals nicht verstanden. Heute natürlich schon. Oh wei, Uli heißt der Gute. Er ist ein richtiger Pantoffelheld geworden, was ich so gehört habe. Ist auch wurscht. Mehr als wildes Knutschen und minimales Fummeln war damals eh nicht. Und auch, wenn er vier Jahre älter war als ich, war er mir heillos unterlegen. Auf so was stehe ich leider so gar nicht. Ich wünsche meinem Neffen natürlich, dass es bei ihm ganz anders läuft: Auf Augenhöhe, prickelnd, rosarot und mit dem Kopf in den Wolken. Ach, war schon schön, oder?

Die Freundin meines großen Neffen hat hingegen gestern ihren 18. gefeiert. Muss wohl ein tolles Fest gewesen sein, was mich natürlich sehr freut. Meine 18. habe ich damals im Jugendheim meines Ortes gefeiert. Dort war es alles andere als chic, aber dafür voll cool. Heute sind sie bei so was anders organisiert. Alles ist größer, die Eltern sind vermutlich auch immer dabei. Das wäre bei mir undenkbar gewesen. Wenn ich so daran denke… In der Mittelstufe waren wir eine Vierer-Clique. Zwei Jungs, zwei Mädels. Wir hatten nie was miteinander, aber ich stand natürlich auf Tim. Meine beste Freundin stand auf den anderen Typen, dann wieder nicht. In der Zeit fand er dann sie toll. Dann wieder nicht. Oh je, war das alles ein Drama, wie es eben in dem Alter üblich ist. Zuerst ist Tim dann weggezogen, dann meine beste Freundin. Mit dem Vierten aus der Runde hat es sich in der Oberstufe dann auch verlaufen. Aber pünktlich zu meinem 18. standen beide Jungs vor der Tür. Mein damaliger Freund war wenig amüsiert – zumal ich geweint habe, als Tim sich damals verabschiedet hat. Ich dachte, ich würde ihn niemals wiedersehen. In der Tat habe ich ihn auch nur noch einmal vor vier Jahren getroffen. Aber jedes Jahr schreiben wir uns oder rufen zu den Geburtstagen an. Schon komisch, aber es ist für mich nie ein vollwertiger Geburtstag, wenn er sich noch nicht gemeldet hat. Mein damaliger Freund war nicht nur darüber nicht amsüiert, dass ich weinen musste, sondern auch darüber, dass er nicht bei uns übernachten durfte – Tim hingegen hätte gedurft. (Meine Mutter war ein Fuchs, hm? Sie war sich sicher, dass da nie was laufen würde.) Ich habe es absolut nicht verstanden, warum mein Freund so angepisst war. Es lief nie auch nur das leiseste bisschen zwischen Tim und mir (was lange an mir genagt hat). Mein Ex hingegen hat quasi keine einzige Gelegenheit ausgelassen, fremdzugehen. Ach ja, mit Narzissten hat man es selten leicht, hm?

Ich weiß, wir hatten das Thema schon, noch mal jung sein zu wollen oder eben doch nicht. Vermutlich käme ich in der heutigen Zeit ohnehin nicht mehr klar. Allein die Musik würde mich schon fertigmachen. (Mal ehrlich: Ist das überhaupt Musik?!) Und noch mal den ersten Herzschmerz zu durchleben, fänd ich jetzt auch nicht so toll. Allerdings dieses Gefühl, die Welt gehöre einem, das hätte ich schon manches Mal noch gerne. Die Leichtigkeit ist irgendwie futsch – auch wenn ich mir fest vorgenommen hatte, daran zu arbeiten. Aber so leicht ist das ja nicht. Könnte ich da einen Schalter umlegen, würde ich das natürlich sofort tun. Andererseits: So wirklich ernst, nehme ich mich ja auch nicht. Und ich gönne mir meine spinnerten Ideen, meine Auszeiten, wenn ich sie brauche, meine Ausrutscher, wenn mir danach ist. Allzu starr ist das Korsett gar nicht mehr. Durch die reduzierte Arbeitszeit merke ich, dass Arbeit in der Tat nicht alles ist. Und das fühlt sich immer noch erstaunlich gut an. Gerne würde ich manches durchaus noch lockerer sehen, was mit meinen Kollegen zu tun hat, aber Baustellen muss es ja immer geben. Die machen die Würze doch erst aus. Also ja, ich bin „alt“, aber mit allen Vorzügen, die das Älterwerden so mit sich bringt: Ich muss nicht mehr allen gefallen, muss nicht jeden Kampf ausfechten, kann auch mal „nein“ sagen und immer dann einen Eierlikör trinken, wenn ich dazu Bock habe. Ich glaube, gerade habe ich Bock darauf. In diesem Sinne: Stößchen mit Eieiei (Eierlikör, wenn man schon ein paar intus hat) aufs Leben!

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