Gestern Abend rege ich mich noch mal so richtig auf. Ich weiß, scheint mein zweites Hobby zu sein. Ich schaue mir den Film „Verfehlung“ auf One an. Ob der Film so schlecht ist, dass ich mich so aufrege? Nein, leider ganz und gar nicht. Er ist wohl leider realistisch. Es geht um Missbrauch in der Kirche und wie damit umgegangen wird. Ein Thema, das mich wirklich in Wallung bringt. Und ja, ich arbeite auch mit ihresgleichen im Knast, dazu mit Mördern und Vergewaltigern. Sie zerstören auch viele Seelen. Aber Kinder? Wesen, die so gar nichts falsch gemacht und noch gar nicht richtig gelebt haben? Da ziehe ich meine Grenze. Ich bin von zweiten Chancen überzeugt. Aber bei dieser Kategorie schließe ich diese für mich aus. Wer eine derartige Neigung hat, kann aus meiner Sicht nicht dagegen an. Daher dürfen sie – wieder nur meine persönliche Sicht – nicht ins „normale Leben“ zurückkehren. Vieles ist therapierbar – diese Neigung hingegen? Nein. Die nicht. Ich rede nicht davon, sie zu quälen, aber davon, einen Ort zu finden, an dem sie ohne Kontakt zu Kindern und Jugendlichen leben.

Aber das ist es nicht einmal so sehr, was mich triggert. Wie speziell die Kirche mit diesem Thema umgeht, das regt mich auf. Sie spielt sich als über den Dingen stehend und dem Fleischlichen entsagend auf, achtet aber das Leben der Opfer nicht und rühmt sich alle ihrer guten Taten. Bei Kindern würde man klar sagen, sie sollten nicht vom Thema abweichen, da das Eine mit dem Anderen nichts zu tun hat. Ich bin der festen Überzeugung, dass es durchaus gute Seelsorger gibt. Die Institution selbst mit eigenen Anwälten nur für solche „Verfehlungen“ (ein viel zu schwaches Wort aus meiner Sicht), weiß aber um ihre schwarzen Schafe und deckt diese – hübsch verpackt unter dem Mantel der sogenannten Barmherzigkeit. Nur kauft ihr diese so langsam keiner mehr ab. Die Generation, die noch demütig den Kopf gesenkt und ohne zu fragen alles hingenommen hat, stirbt langsam aus. Die Kirche stirbt langsam aus. Und das, genau das wird echt mal Zeit. So. Und mit dieser Wut im Bauch, gehe ich ins Bett. Besser, ich lese noch was, bevor mir noch der Dampf aus den Ohren steigt und ich dadurch keinen Schlaf mehr finde.

Es funktioniert einigermaßen mit dem Schlaf. Ich werde allerdings ein Mal in der Nacht wach. Ist doch verhältnismäßig wenig nach dem Aufreger. Und nein, ich muss (noch?) nicht nachts auf die 17. Etwas zerknautscht, stehe ich dann morgens auf. Ich habe wieder einmal so gar keine Lust. Zudem muss ich mein Büro verlassen, da meine Kollegin sich als Erste für den Office Tag gemeldet hat. Und wie läuft es dann? Richtig, es müssen 5.000 Updates auf dem Praktikantenrechner geladen werden. Ein Hoch auf die IT und ihre unsäglichen Updates. Seit Coronaausbruch hat hier keiner mehr gesessen. Entsprechend warte ich dann auch nur 50 Minuten, bis ich tatsächlich das Arbeiten anfangen kann. Hey, das macht doch so gar nichts. So sieht quasi jeder Arbeitstag bei Heinz aus. Meine Kollegin hingegen ist mal wieder so in ihrer Schnappatmung, dass sie es nicht schafft, mal eben ein „Moin“ rauszuhauen. Ich kann nicht in Worte fassen, wie lächerlich ich das mittlerweile finde. Als sie es dann kurz vor Mittag nachholen will: „Ach, ich komme vor lauter Stress und Hektik nicht mal zum Begrüßen. Hallo“, winke ich nur ab – ohne den Kopf auch nur zu heben – und nuschel´ kurz: „Hi.“ Ehrlich? Ich fasse mir bei so einem Schwachsinn nur noch an den Kopf. Ihr Stress ist ein neuer Werksstudent, der heute anfängt. Deswegen hat sie Stress. Kein Scherz. Sie hat keinen Termin, zu dem sie hetzen muss (wie ich), jammert aber, dass sie jedem Kleinkind auf radikalem Zucker- und Schlafentzug den Rang ablaufen würde. Meine Fresse. Da würde ich schon fast wieder geneigt sein, die Prügelstrafe erneut einzuführen.

In diesem Sinne bin ich froh, dass ich kurzerhand aus dem Büro fliehen und zu meinen Terminen flitzen kann. Zunächst einmal ist da der Druckerei-Mensch, den ich frage, ob ihn das Heiratswort gestern hätte umkippen lassen? Typisch Westfale, kommt nur ein trockenes: „Och, wenn das der einzige Hinderungsgrund ist, dann gewöhne ich mich für Sie auch an kühlere Temperaturen.“ Ach, ist der nicht putzig? Finde ich auch. Ganz Frau frage ich (echt nicht beabsichtigt): „Können wir die Charts nicht zusammen mit den anderen aufrollen, damit ich nur eine Rolle tragen muss?“ Immerhin regnet es mittlerweile draußen. Er grinst breit: „Sooo clever. Klar, können wir, also mach´ ich das mal.“ Irgendwie hat er recht. Und er kennt sich ja auch besser mit so was aus. Also warte ich hübsch, dass er das für mich anpasst. Manchmal hat es auch Vorteile, eine Frau zu sein.

Die Ausdruckübergabe findet an einer anderen Ecke vom Werksgelände statt. Ob ich mal die Taktik der sozial ausbaufähigen Kollegin verwenden und einfach nicht grüßen soll? Ach nee. Das ist ja ein lieber Kollege aus Straubing, der eh immer supernett zu mir ist. Von dort aus düse ich zum nächsten Termin – eine Vertiefung zum kurzen Feedback nach einem Coaching gestern. Süß, wie er da so sitzt. Die Arme sind verschränkt, denn ich habe ihm gestern die Frage gestellt, was eine Moderation sei? Ääääh. Ja genau! Keine Antworten vorgeben, sondern Schweigefuchs, Schweigeeinhorn oder Maulmuschel spielen. „Joooooo, oba die san oi zsamm bleed.“ Darauf habe ich ihm heute noch mal in Ruhe gesteckt, dass gemäß „self fulfilling prophecy“ seine Leute ihn auch nie enttäuschen würden. „Ah, sixt, jetz host des Du a kapiert.“ „Nee, nur Du noch nicht. Wenn Du die Leute wie Deppen behandelst, werden sie sich auch immer wie Deppen aufführen.“ Meiomei. So lange hätte er seine Strategie ja auch noch nicht umgestellt. Erst seit 15 Jahren. Sein Stellvertreter – ca. 30 Jahre alt – fängt an zu lachen. Das kann doch auch keiner mehr ernst nehmen. „I werd´ jetz sechzge. Mi ändast nimma.“ „Dann lassen wir den Kaas doch einfach. Du führst weiter mit Angst und basta.“ Nein, das wolle er auch nicht. Ich sehne mich nach dem Knast. Dieses eingefahrene bocksture Verhalten geht mir bisweilen auf den Zeiger – auch wenn er zum Schluss sagt, er hätte heute wieder was gelernt, wofür er sich herzlich bedanken wolle. Wenn er es nur wirklich einmal annehmen würde. Seine Leute haben ehrlich Angst vor ihm. Soll das ein Führungsstil sein? Aber irgendwie ist es bisher ja auch immer so gegangen. „Never change a running system“, doch genau das muss mal langsam sein. Nur bin ich diejenige, die dieses zähe Zähneziehen durchführen darf. Manchmal wäre ich gerne Heinz: Mir ginge es am Pöppes vorbei, ich würde alles als Erfolg verbuchen und mir einfach selbst 100 Mal täglich die Schulter tätscheln. Nee, vergesst es, den Satz nehme ich zurück. Ich wäre nicht gerne wie Heinz. Herr im Himmel, so weit ist es noch lange nicht. Ich will nicht als stumpfer, egozentrischer, narzisstischer Dummbatz rumrennen. Hey, Fee, ich ziehe meinen Wunsch zurück!!!!!!!!! Ich meld´ mich dann noch mal mit einem neuen. Pfia God dawaii.

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