Es geht. Es ist zwar Home Office, aber es geht. Natürlich wird es nie meine Wohlfühlzone werden, aber ich komme wohl damit zurecht. Morgen darf ich ja wieder ins Büro. Und die Müsli-Trulla wird nicht da sein. Juchuuu! Also sollte ich mich nicht beschweren. Zwischendurch geht natürlich regelmäßig mein Handy. Meine liebe Kollegin hat gerade wieder mal eine ihrer Phasen. Gestern Abend ruft sie noch an, weil sie zum x-ten Mal ihre Ausbildung, die sie nebenher macht, abbrechen will. Dann will sie diese doch wieder durchziehen – schließlich hat sie auch schon ordentlich dafür hingeblättert. Dann will sie wieder abbrechen. Und so wechselt sich das immer wieder ab. Mal hoch, mal runter, aber immer munter weiter.

Was am meisten nervt, ist dieses Ungewisse. Wir können uns eine Weile ablenken und nicht über die Zukunft nachdenken. Und dann kommt doch wieder die Ungewissheit um die Ecke. Es geht uns verhältnismäßig gut, aber nichts ist planbar. Wir wissen offiziell immer noch nicht, ob wir weiterhin Kurzarbeit haben werden, obwohl überall schon darüber gesprochen wird – auch vom Management. Dabei schieben sich die Verantwortlichen den schwarzen Peter gegenseitig zu. Es heißt, der Betriebsrat käme nicht aus den Puschen. Diese behaupten es genau umgekehrt vom Vorstand. Und so ist eine Situation da, die einfach Unsicherheit schürt. Wie es den Mitarbeitern dabei geht, sehen die Verantwortlichen nicht. Puh! In der Regel komme ich damit gut klar und mache mein Ding. Aber es belastet mich schon auch, wenn ich immer wieder unsichere Kollegen aufbauen darf, weil die Führungsmannschaft so kläglich versagt. Dabei wäre genau das deren Job. Geht es Euch da anders? Oder macht Ihr ähnlich Erfahrungen?

Was macht das mit mir? Bei uns sagt man in solchen Fällen: „Ich han kromme Sinn.“ Oft habe ich abends nicht mehr meine gute Laune, sondern denke: Hoffentlich nervt mich keiner mehr heute. Da gibt es ein ganz klares Ranking: Bei manchen lass´ ich es dann auch mal durchklingeln. Ist eher selten. Aber die Verschwörungstheoretikerin unter meinen Freunden habe ich einfach vorgestern ignoriert. Für so was fehlt mir dann die Muße. Und trotzdem komme ich mir dabei schlecht vor. Nicht mal der General kann mir noch ein müdes Lächeln entlocken, wenn er zum dritten Mal innerhalb einer Woche die gleiche SMS ans Festnetz sendet. Ach, es wäre echt mal Zeit für eine tolle Überraschung. Wie die aussehen soll? Weiß ich doch nicht, sonst wäre es ja auch keine Überraschung! Aber damit eins klar ist: Ich spreche von einer positiven Überraschung! Irgendwas Schönes. Um mal eine Anregung zu geben: Meine liebe, gerade etwas deprimierte Kollegin kommt morgen noch mal ins Büro. Daher habe ich einen Birnen-Schoko-Kuchen gebacken. Heilt nichts, aber macht glücklich, hoffe ich zumindest.

Dazu habe ich dann mein restliches Obst verwurschteln wollen. Birnen-Pflaumen-Marmelade. Ich habe sie nach Vorschrift gemacht – sie ist flüssig. Dann habe ich Zitronensaft zugefügt und sie nochmals aufgekocht – nix. Dann habe ich weiter Gelierzucker beigefügt und wieder zum Kochen gebracht. Mittlerweile habe ich eine 1:1-Mischung, was einfach nicht sein kann. Und trotzdem ist das Zeug flüssig. Da kriege ich ja einen Vogel!!! Was mache ich nun mit dem Driss? Es wird wohl für Dressings und Soßen herhalten müssen. Aber das nervt schon sehr, oder? Da mach´ ich mir schon die ganze Mühe, und heraus kommt was? Soße. Ziemlich süße Soße. Pffffff… Ich glaube, die Marmelade hat auch Corona-Blues. Vielleicht hätte ich einen Eierlikör reinkippen sollen – also nur für die Stimmung. Eierlikör macht alles besser. Vielleicht hätte ich ihn aber auch nicht in die Mischung, sondern einfach in mich reinkippen sollen. Man weiß es nicht.

Und dann denke ich wieder: Worüber mache ich mir eigentlich einen Kopf? Gestern habe ich eine der Putzfeen bei uns im Unternehmen gesehen. Sie sind alle über externe Firmen eingestellt, was den Preis noch mal weiter runterdrückt. Als ich gesehen habe, wie mühsam sie die Treppe hinaufging, tat sie mir schon sehr leid. Sie ist schon älter und beim Anblick ihrer krummen Beine konnte ich sogar von hinten erkennen, wie schmerzhaft jede Bewegung für sie sein muss. Aber in der jetzigen Zeit haben die Leute noch mehr Sorge, sich krankschreiben zu lassen. Viele haben Angst um ihren Arbeitsplatz, also gehen sie gar nicht erst zum Arzt. Doch wir leben nun einmal in einer Marktwirtschaft. Da schaut das Unternehmen nicht auf die Mitarbeiter, sondern auf den Profit. Sonst würde sich das Ganze hier ja auch Kommunismus schimpfen. Erschreckend, aber wahr. Dabei nennen sich die meisten sozial. Ironie, oder? Und das zeigt sich gerade durch die Krise wieder deutlicher, wie sehr jeder an sich selbst denkt.

Alles Jammern hilft wohl nix, da müssen wir durch – alle gemeinsam. Aber wer mir sagen will, dass im Moment alles entspannt und lustig ist, hat zu viel vom Eierlikör genascht. Ich bin gereizter, das stelle ich fest. Meine Toleranz sinkt. Und das empfinde ich als nicht gut. Mal schauen, was ich dagegen unternehmen kann. Wenn Ihr Tipps habt: Immer raus damit. Und nein, noch mehr Eierlikör ist nicht die Lösung. 😉

3 Kommentare

  1. Geht mir genauso. Was ich anfangs geradezu genossen habe und mich über die Entschleunigung für die Welt und mich gefreut habe, schlägt gerade in Gereiztheit um.
    Einerseits genervt von den Unvernünftigen, andererseits genervt wegen des eigenen mulmigen Gefühls und der sozialen Selbsteinschränkung (die andere wiederum gar nicht beachten). Genervt eben.
    Leider habe ich keinen echten Tipp. Ich treibe viel Sport. Das bringt mich runter…

    LG Nicole

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    1. Oh, die Einschränkung habe ich vergessen: Sport. 😂 Hab schon oft gehört, dass Sport helfen soll… bei ganz vielen Sachen. Ich mag nur so ungern bei Null anfangen. Und bei Sport würde ich bei Null anfangen. 🤮 Also kommt das auch nicht infrage.
      Aber schon krass, wie gereizt wir mit der Zeit werden, oder? Na, irgenwann wird es auch wieder besser, hoffe ich doch mal.
      Mach dir einen schönen Abend!

      Gefällt 1 Person

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