Mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher, es handelt sich nicht ausschließlich um die Mens, was diese Krämpfe betrifft. Es geht mit deutlich besser, aber völlig fit, ist echt was anderes. Ich schätze, meine eher muffetige Art färbt gerade auf meinen Körper ab. Mal ehrlich: Kennt Ihr Leute, die sagen, durch Corona ist alles besser geworden? Ich habe heute so eine getroffen. Heute habe ich nämlich wieder Schule. Es geht um Selbstfürsorge, Selbstmitgefühl und -achtsamkeit. Ist so ein Thema, das ja viele beschäftigt. Einfache Übung hierzu: Was sagt Ihr, wenn ein Freund meint, Mist gebaut zu haben? Wenn er oder sie von einem Fehler berichtet? In der Regel haben wir Verständnis, bauen den anderen auf, versichern, der Fehler war bestimmt nicht so groß und stellen klar, dass jeder mal Fehler macht. Wie ist es, wenn uns ein Fehler unterläuft? Hallelujah! Da können wir wieder anfangen, Geißeln zu flechten, oder? Also mir geht es in jedem Fall so. Und da kommen dann Bleikügelchen an die Enden und Widerhaken… Ich bin herrlich perfekt darin, mich selbst fertig zu machen. Kommt Euch irgendwie bekannt vor? Na, dann gehört Ihr auch – wie ich – zu den 78 % der Bevölkerung, die so empfinden. In Gruppen sollen wir kurz über diese Übung diskutieren. Eine Mitschülerin ist völlig im Reinen mit sich. Sie verdanke Corona ganz klar die bessere Sicht auf sich selbst. Sie arbeitet in einem Großkonzern und dort für die Kommunikation zuständig. Während bei mir gerade Stunden gestrichen werden und wir zu Müßiggang bei geringerer Bezahlung verdonnert sind, brennt bei ihr vom ersten Tag an die Hütte. Und so merkt sie schnell, dass ihr alles über den Kopf zu wachsen droht. Der Henker weiß, wie sie das macht, aber sie zieht für sich die Reißleine. Sie macht nur noch das, was wirklich ihre Aufgabe ist und ist völlig fein damit, wenn sie „nein“ sagt. Das sei ein herrliches Gefühl – so ohne schlechtes Gewissen. Kann ich mir vorstellen. Und innerlich wertet sie sich auch nicht mehr ab. Ich frage sie, ob sie eine Formel für mich hätte? Da lacht sie nur. Die gibt es natürlich nicht. Die Dozentin erklärt später auch noch mal, dass es völlig typisch sei, auch Selbstzweifel zu haben und sein eigener größter Kritiker. Ich wette, darin könnte ich eine Medaille erzielen. Nur ist das leider nicht gefragt.

Derweil geht es meinem kleinen Neffen gerade alles andere als gut. Er hat sich den Arm gebrochen. Nun wird er engmaschig kontrolliert, ob nicht doch noch operiert werden muss. Dazu gibt der Große heute Abend eine Party zu seinem 18. Ich weiß nicht, was mich mehr ärgern würde: Die Schmerzen und wochenlange Gips-Tragerei oder vielmehr, bei der Party heute Abend nicht die Sau rauslassen zu können. Heute würde ich zu ersterem tendieren. Mit 16 wäre meine Wahl vermutlich auf letzteres gefallen. Ihr seht: Nirgendwo ist Ponyschlecken angesagt…oder zumindest bei sehr wenigen Menschen, wie mir scheint. Und wo hat sich der Unfall ereignet? Beim Sport. Zumindest ein Vorteil für mich, denn das kann mir nun wirklich nicht passieren. Aber – so lustig das gerade klingen mag – der Kleine tut mir sehr leid. So was ist echt ätzend.

Morgen stehe ich vor meiner nächsten Herausforderung. Ich habe ab morgen wieder Präsenzunterricht, allerdings ist das der Kurs, dessen Teilnehmer ich noch nicht persönlich kenne, da wir nur Online-Unterricht hatten. Und bisher ist mir noch keiner von denen ans Herz gewachsen. Sie kennen sich fast alle schon aus ihrem vorangegangenen Kurs im letzten Jahr. Weil ich ja schnell sein wollte (ein Hoch auf meine Geduld!), habe ich den zweiten Kurs bereits im März begonnen. Nun habe ich keine rechte Lust mehr, diese Leute kennenzulernen. Ich weiß, das klingt wie ein bockiges Kind kurz vor dem Wechsel zur weiterführenden Schule. Und ja, ich mag Menschen in der Regel ja auch. Das umfasst sogar Straftäter. Aber bei den Esoschnecken, setzt es eben bei mir aus. Und da tummeln sich nun mal ein paar von denen. Doch das ist gar nicht die eigentliche Herausforderung. Die Bahn fährt so, dass ich mit Punktlandung dort ankomme. Wann fährt die Bahn schon mal exakt pünktlich? Es kann also durchaus sein, dass ich fünf Minuten zu spät komme. Ich höre manch einen schon kichern. Ehrlich? Das ist Stress für mich. Ich hasse es, zu spät irgendwo zu erscheinen. Das suggeriert mir mangelnden Respekt – auch wenn das für andere lediglich schlechtes Zeitmanagement und Leben im Lala-Land bedeuten mag. Die Alternative ist hingegen, eine Stunde eher zu fahren und diese zusätzliche Stunde irgendwo abzuhängen. Nicht wirklich genial, gell? Also werde ich es wohl wagen und mich direkt zu Beginn unbeliebt machen. So ist das nun mal. Würde ich auf meinen alten Kollegen als Dozenten treffen, wäre die Türe abgesperrt. Aber zum Glück ist das so old school, dass das heute keiner mehr durchzieht. Gerade backe ich einen Kuchen, damit ich mich morgen auf was freuen kann. So funktioniert nämlich positive Verstärkung. Ach, manchmal bescheiß´ ich mich echt gern selbst. Die meisten anderen stellen es aber auch nicht so subtil bei mir an. Und diese Art von Selbstbelohnung passt doch auch zur Selbstfürsorge, oder? Da ist der Kreis doch wieder rund! Alaaaaaaf, sage ich nur.

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