Das Wetter heute Morgen ist superschön. Ich kann endlich morgens wieder eine Jacke tragen! Und das Gesicht wird gekühlt. Ich liebe es. Mag auch an den Kuchennachwehen liegen. Puuh! Die Früchte waren ja eine Woche in Weißwein und Rum eingelegt. Hossa. Da bin ich gespannt, wie das nachmittags wirkt, wenn ich in der Schulung sitze und es schnabuliere. Und was heute Morgen auch richtig genial ist (die Autokorrektur hat gerade doch tatsächlich „genital“ vorgeschlagen. Holt mich ab!!!), ich konnte endlich wieder Kaffee trinken! Das habe ich mich die letzten beiden Tage nicht getraut. Ob sich die Alk-Früchte mit dem Kaffee wohl vertragen? Ach was, ich konsumiere sie einfach ein paar Stunden voneinander versetzt. Sollte klappen.

Ich gebe zu: Ich habe keine Lust. Mein Plan ist Zurückhaltung und unterm Radar fliegen. Klingt einfach… Und so unmachbar für mich. Aber wir werden sehen. Am Bahnhof sehe ich dann ein Plakat, das mich anspricht. Irgendeine Auflistung: Mann, Frau, Transgender,….Quer. Quer???? Die kennen mich also schon hier oder was? Erschreckend, ich komme mir vor wie ein bunter Hund.
Die Dozentin ist….mmmmh, was ist das passende Wort? Sie ist quirlig, hat den Humor eines Rheinländers, obwohl sie es nicht ist. Sie ist klein… knapp über 1,60m. Dazu trägt sie…ääääh… nun ja, es ist nicht bauchfrei und irgendwie doch. Ständig rutscht das Shirt hoch und präsentiert ihren nicht gerade flachen Bauch. Im Grunde ist sie fast so breit wie hoch. Und das Beste: Sie ist völlig mit sich im Reinen. Das ist so schön zu sehen, dass so was geht. Ich bin da Null mit mir im Reinen, daher bewundere ich dies total. Und so flippert sie da vorne umeinander, dass es eine wahre Wonne ist. So macht das Spaß. Sie vergleicht an schlechten Tagen unseren Job mit dem einer Prostituierten, was mich absolut amüsiert. Herrlich! Dann erklärt sie ihrem Mann, dass es ihr ähnlich vorkomme, weil sie für eine Art Beziehung und einfaches für-jemanden-da-Sein Geld nehme. Oder nach dem Motto „rent a friend“ agiert. Das trifft ja meinen Humor. Entsprechend ist mein Plan zu schweigen, schon sehr früh vergessen. Mit ihr macht es nämlich Spaß zu arbeiten. Sie hat natürlich schnell spitz, wie ich ticke. Als sich dann niemand freiwillig für eine erste Übung meldet, fordert sie mich auf. Süß ist dann auch, wie sie mir noch rät, mein Naturell nicht zu unterdrücken. Als könnte ich das!!! Nix fällt mir schwerer, als nicht ich sein zu können.
Aber dieses: „Ach, kommen Sie doch mal und machen das mal“, zieht sich ja wie ein roter Faden durch mein Leben, gell? Ich kapiere auch nicht, warum sich Menschen in solchen Situationen immer so zieren. Wir sind ja hier, um was zu lernen. Und komischerweise sind es immer die, die es nötiger hätten (ja, klingt arrogant, ich weiß), die dann sofort auf Abwehr gehen. Puh. Wenn wir schon alles könnten und wüssten, bräuchten wir ja keine Ausbildung zu machen. Und obwohl wir die Übung dann locker durchführen, traut sich beim nächsten Mal immer noch keiner, auch mal mitzumachen. Ich weiß, ich bin einfach anders.
Auch die Grundlagenschulung ist so ein Beispiel: Ein Teil der Teilnehmer hier hat diese Schulung bereits gemacht (ich bin ja auch fast fertig damit). Einige starten hingegen mit dem zweiten Step, weil sie meinen, den ersten nicht zu brauchen. Ääääääh, und die haben keine Erfahrung im Umgang mit Menschen, sind Controller oder dergleichen, kennen keine Therapieformen. Da frage ich mich dann schon, wie dieses DSDS-Verhalten möglich ist? Da gehen ja auch gerne Menschen hin, die so gut singen können, wie ein Schwein klettert, aber davon ausgehen, sie seien Beyonce oder Elton John. Wahnsinn. Und dann auch wieder bewundernswert. Während ich noch nachdenke, ob ich schon genug weiß, denken die: „Brauche ich das überhaupt? Ich bin ja schon erleuchtet!“ Besonders angetan bin ich von einer, die sich stündlich die Hände mit einem Gel desinfiziert, nur um dann zehn Minuten später die Hände einzucremen. Ja, ich bin ein Schandmaul. Macht aber nix.
Die Dozentin schafft es, viele Dinge, die andere uns vorher schon hätten beibringen sollen, heute auf den Punkt zu bringen. Mit ihr hätte ich gerne die komplette Ausbildung, was leider nicht geht. Insofern ist der heutige Tag ein absolutes Highlight, ich aber hingegen völlig erschossen und platt. Da muss ich heute Nacht einiges verarbeiten. Und vor allem: Ich kann mich auf morgen freuen. So einfach kann sich manchmal ein Bild umkehren. Durch sie habe ich wieder mehr Bock, wirklich auch therapeutisch tätig zu werden.

Und dann komme ich heim und lausche meiner Sis, wie die Fete meines Neffen war. Es freut mich, wie toll es gewesen sein muss. Und gleichzeitig macht es mich etwas traurig, nicht da gewesen zu sein. Die Planung war eine andere, aber durch Corona wurde ein anderes großes Fest abgesagt, weshalb diese Feier überhaupt erst zustandekam. Ich wäre gerne da gewesen, hätte mit angepackt, hätte mitgefeiert, wäre peinlich gewesen. Nur kann man nicht überall sein. Und die Hauptsache ist wohl auch, dass seine Feier ein voller Erfolg war. Vermisst haben wird er mich nicht – das ist mir schon auch klar. Umgekehrt: Wäre damals eine Tante von mir beim 18. aufgelaufen, hätte ich im breiten Strahl gekotzt. Aber so eine Tante, wie ich eine bin, hatte ich auch keine. Ach, keine Ahnung. Ich glaube, ich bin gerade etwas übervoll. Was hilft da wohl besser: Eine weitere Folge „4 Blocks“ zu schauen oder zu lesen? Man, man, man, immer diese Dilemma!

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