Oh man, warum fühlt sich die Nacht nur so kurz an? In der Nacht werde ich zudem mehrfach wach. Der Henker weiß, warum das so ist. Gemütlich mache ich mir erstmal nach den Aufstehen einen Pott Kaffee zurecht, da ich ja schon weiß, welcher Dozent mich heute erwartet. Da ich vom Kackophanten – wie ich ihn mittlerweile aufgrund seiner ewig und drei Tage zitierten „analen Phase“ nach Freud – einfach nichts halte, lehne ich mich innerlich etwas zurück. Aber es hilft nicht wirklich viel, denn die Technik steht leider so gar nicht. Es ist so lächerlich, dass sie das immer noch nicht richtig hinbekommen, obwohl wir schon seit einem halben Jahr so unterwegs sind. Aber mei…manche lernen eben spät…und manche nie. So ist das wohl. Um die Verwirrung dann komplett zu machen, tauscht der Dozent kurzerhand die Inhalte von nächster und dieser Woche. Warum, erschließt sich leider nur seiner Logik, die erfahrungsgemäß sehr krude ist. Ach ja, dann passt das Skript leider auch nicht. Macht ja nichts. Das gibt es dann – wenn er es denn hinbekommt – in der Pause, die er leider nicht fürs Pinkeln nutzt, was er deswegen später während der Veranstaltung nachholen muss. Und das Skript, für das ich hier natürlich ordentlich bezahle, umfasst immerhin ganze drei Seiten – perfekt recherchiert und aussagekräftig. Ääääh…oder eher nicht. Er haut Falschaussage um Falschaussage heraus. Derweil geht es in unserem Chat ziemlich ab, weil es doch immer mehr Kollegen gibt, die so langsam die Nerven über diesen Mist hier verlieren. Dies wiederum bringt andere auf, die es immer friedlich haben wollen. Tja, so ist nun mal das Leben aber nicht. Und es gilt immerhin noch Meinungsfreiheit. Dazu gehört auch, dass man kritische Dinge auch ansprechen darf.
Als die rechtliche Grundlage dann auch noch falsch vermittelt wird, klinke ich mich doch noch ein. Das verwirrt den Kackophanten leider, aber muss sein. Über Skype darf man nämlich datenschutzrechtlich gesehen nicht therapieren. Aber es gäbe doch die ganzen jungen Menschen, die diese Online-Medien so gerne nutzen würden? Ja, es gibt auch Anbieter, die man dafür nutzen darf…und eben solche, die nicht sicher sind und deswegen nicht für diesen Gebrauch erlaubt sind. Aber wenn der Patient dies doch wünsche?! Wer könne dem denn widersprechen? Na, der Datenschutzonkel. Aaaaah ja. Dann sollen wir uns doch bitte darüber noch mal informieren. Köstlich! Wir erhalten hier eine kostenpflichtige Schulung über Dinge, die wir dann doch besser noch mal recherchieren sollen, weil der Kackophant es nicht weiß bzw. auch einfach anders handhabt – außerhalb des Gesetzes. Ich breche innerlich ab. Glücklich bin ich dann wieder, als die Einheit vorüber ist.

Und dann steht auch schon mein Treffen mit der Asylbewerberheim-Initiative an. Innerlich habe ich schon halbwegs damit abgeschlossen und denke mir, das wird nichts werden. Ich habe auch nur eine Straße genannt bekommen, die – zugegeben – nicht sehr lang ist, aber nirgends ist ein Schild zu sehen, das das Heim als solches ausweist. Ich rufe den Herrn an, mit dem ich bislang nur per Mail kommuniziert habe. Es gab eine 50:50 Chance, die ich zu 100 % immer falsch wähle, wenn es um Orientierung geht. Der gute Mann lotst mich dann aber zur richtigen Stelle. Wenn ich an die Asylbewohnerheime denke, die ich noch von früher kenne, wird mir der Unterschied zu diesen sofort deutlich. Hier ist alles freundlicher gestaltet, kleinere Wohneinheiten sind zu erkennen, alles scheint gepflegt.
Das Gespräch läuft dann anders als erwartet. Die zögerliche Zurückhaltung war der Tatsache geschuldet, dass sie dachten, ich wolle Geld für meine Tätigkeit. Hä? Ist doch Ehrenamt. Aber es hätten sich schon einige gemeldet, die dort Kohle machen wollten. Mich wundert es immer wieder, wie manche Menschen unterwegs sind. Der Sozialarbeiter sagt deutlich, wie begeistert er seit meiner ersten Mail von der Idee dieser Unterstützung sei. Er stoße an Grenzen, was nur normal ist. Bei ca. 350 zu betreuenden Asylbewerbern und nur einem Sozialarbeiter kann ich mir gut vorstellen, dass er zu vielen Belangen gar nicht kommt. Und selbst wenn, so sagt er, fehle ihm die Ausbildung für derart sensible Themen. Wir einigen uns darauf, dass ich mit einer Person starten werde und wir das Angebot behutsam unterbreiten. Ich erkläre, dass ich zwar keiner Schweigepflicht unterläge, wenn ich ehrenamtlich tätig würde, ihnen aber auf keinen Fall Vertrauliches der Klienten mitteilen wolle. Und genau das entspricht auch ihrer Haltung. Es fügt sich also fein ineinander. Dem Sozialarbeiter kann ich die Erleichterung ansehen. Ich ergänze allerdings: „Lassen Sie es uns versuchen, aber auch ehrlich sein, wenn es dann nicht passt.“ Das können sie sich zwar nicht vorstellen, aber so ist es mir lieber. Und ihnen ist es wichtig, mir mitzuteilen, dass die Mühlen der Bürokratie einen bisweilen ernüchtern könnten. Ebenso sei das rechte Gedankengut und die Konfrontation mit diesem aufgrund der Arbeit hier auch nicht gerade immer leicht zu verkraften. In der Nähe des zweiten Heims sei vor ein paar Monaten eine Katze überfahren worden. Der Sozialarbeiter war sogar vor Ort, als man die Katze entdeckt habe. Die eintreffende Tierärztin habe sofort an Ort und Stelle gesagt, die Katze sei von einem Auto überfahren worden. Der Besitzer habe dann bei Facebook gepostet, seine Katze sei von jugendlichen Asylbewerbern „gelyncht“ worden. Nach Bekanntwerden dieser Nachricht und dann hinzukommender Hassnachrichten, wurde der Post von Facebook gelöscht, was dem Katzen-Besitzer so gar nicht schmecken wollte.
Da frage ich mich doch: Wie krank muss ein Mensch sein, um sich so einen Dreck auszudenken? Sie sterben einfach nicht aus, diese Bekloppten. Ich bin gespannt, welche Absurditäten ich noch so alles erleben werde.

Und so geht ein verregneter Tag doch noch ruhig zuende. Ich habe die Aussicht auf eine weitere, spannende Arbeit, die mich garantiert noch sehr beschäftigen wird, kann wieder was dazulernen und fühle mich nützlich. Was will ich für den Moment mehr? Nix. Eben. Also hocke ich mich jetzt auf die Couch, schaue ein wenig fern und werde früh schlafen. Gerade fühle ich mich echt entspannt, was doch auch mal schön ist.

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