Aaaaah, die Sonne scheint, ich darf ausschlafen und muss nicht bereits in der Dunkelheit aufstehen. Ja, die Tage werden eindeutig kürzer, was ich ja duchaus sehr mag. Ich weiß allerdings auch, dass viele Leute genau damit Probleme haben. Und auch den Corona-Kollaps befeuert so was natürlich immer stärker, denn die Leute wollen ja am liebsten immer raus. Ich bin gespannt, wie sich die Lage verändern wird. Ich glaube fest daran, dass sich die gesellschaftliche Haltung ändern muss. Die Leute, die am lautesten schreien und ihre Pfründe sichern wollen, sind die Reicheren. Die Leute, die wirklich vor dem existenziellen Aus stehen, sind stumm. Sie haben auch keine große Lobby. Die Reichen kaufen gerade noch mehr Wohnungen, Häuser usw. In den Boulevard-Formaten zeigen sie uns die gebotoxten, fettabgesaugten Beautywahn-Reichen, die sich noch ein Ferienhaus irgendwo schießen wollen, damit sie eine Zuflucht finden, wo sie ungestört vom Pöbel ihren überteuerten Champagner schlürfen können. Wenn das die Realität widerspiegelt, was die Deutschen wirklich interessiert und sie sehen wollen, dann ist das echt ein Armutszeugnis. Ich bin kein totalitärer Mensch, aber die Idee von Zwangsenteignung finde ich mittlerweile gar nicht mehr so schlimm. Manche Menschen haben so die Bodenhaftung verloren, dass ich nichts dagegen hätte, sie mal von ihrem hohen Ross runterzuholen. Oh je, jetzt werden manche vermutlich heftig nach Luft schnappen. Nein, ich will nicht radikal anmuten. Aber findet das irgendwer noch normal, wie weit die Schere auseinandergeht, ohne dass noch irgendwer Skrupel hätte?
Ich erlebe tagtäglich Menschen, die im sechsstelligen Bereich verdienen – wobei das Wort „verdienen“ an sich schon geschmacklos ist. Einige werden mit Geld zugeschissen, die das auch völlig normal finden – und dabei leisten sie quasi nix! Und das sind ja im Verhältnis noch die kleinen Fische. Omma Erna oder die Bäckereifachverkäuferin müssen schauen, wie sie sich noch eine bezahlbare Wohnung leisten können, brauchen aber dann auf jeden Fall ein Auto, um zur Arbeit oder zum Supermarkt zu kommen, was aber auch wiederum höher besteuert werden soll. Das Ganze läuft doch langsam echt in eine immer verrücktere Richtung. Sorry für diesen politischen Exkurs. Und nein, ich gehöre nicht zu den Linken. Ich finde mich derzeit nirgends wirklich wieder, aber rechts und links sind für mich absolute No-Go´s.

Doch kommen wir zu anderen Bereichen, bevor ich hier noch Auswüchse niederschreibe, die ein falsches Bild zeichnen. Gestern habe ich einen tollen Satz gehört, den die brasilianische Mama von dem Mann meiner Mitschülerin immer bringt: „Wissen zahlt keine Miete im Gehirn.“ Ich wünschte, das würden mehr Menschen so sehen. Leider erkennt man ja, dass durchaus dumme, emotional verkrüppelte Menschen weit kommen. Und doch hoffe ich fest darauf, dass sich langsam mal was wandelt. Und das kann am besten über Wissen und Aufklärung geschehen. Wenn ich mir die Schulbildung von ganz früher anschaue, dann sind wir auf dem besten Weg, uns wieder zurückzuentwickeln. Von der klassischen humanistischen Ausbildung sind wir wahrlich weit entfernt. Gut, die war damals nur den besser Gestellten zugänglich, was nicht Sinn und Zweck der Sache sein kann. Aber ich höre immer wieder: „Wie, Du machst noch eine Weiterbildung? Wann ist denn damit mal Schluss? Das kann doch auch nicht gut sein!“ Warum nicht? Und jetzt bin ich ja froh, einen Satz zu haben, mit dem ich gegenhalten kann. Unser Hirn ist groß genug, noch mehr Wissen zu speichern, offen zu bleiben und immer Neues entdecken zu können. Oh je, jetzt denkt Ihr bestimmt: Sie sollte die Medikamente anders dosieren – mehr oder weniger, aber so wie jetzt, kann es nicht richtig sein. 🙂 Ich nehme gar nichts. Vielleicht steckt darin der Fehler?!
Nein, mal ernsthaft: Wenn wir uns zurücklehnen und sagen: „Mehr muss ich nicht wissen“, werden wir so borniert wie so viele andere. Ich mag ja Sprichwörter. So auch dieses:

„Wenn eine deutsche Eiche so denken würde wie ein Mensch, würde sie bei 3 Metern aufhören zu wachsen und sagen: `Ich kann nicht mehr.`“ (T. Harv Eker)

Ich will fest daran glauben, dass Werte wieder mehr wert werden. Es gibt gewiss manches, was überholt ist. Aber manches eben nicht. Ein Wort sollte immer noch ein Wort bleiben. Nehmen wir das Beispiel von dem Mann der Mitschülerin. Er gibt IT-Nachhilfe in der Flüchtlingshilfe. Sein Zögling hatte eine mündliche Zusage für einen Ausbildungsplatz und ist schier vor Stolz geplatzt. Dann kam Corona. Mündlich ist heute nichts mehr richtig bindend. Man hat ihm recht schnöde mitgeteilt, es gäbe nun doch keinen Ausbildungsplatz mehr für ihn. Ja, es gibt Firmen, die in der Krise gebeutelt sind. Alles, was allerdings mit IT zu tun hat, ist eigentlich eine sichere Bank, dachte ich immer. Und ausgemacht ist ausgemacht. Die Firma hat auch nicht Insolvenz oder dergleichen angemeldet. Denken Personaler eigentlich daran, was das mit so einem plötzlich doch wieder abgewiesenen Menschen macht? Ich schätze, nicht. Und so etwas rächt sich meines Erachtens nach irgendwann auch wieder.
Aber was weiß ich denn schon? Nur weil ich meine idealistischere, empathischere Gesellschaft wünsche, muss diese ja nicht Wirklichkeit werden. Ich kann nur meinen Beitrag leisten – nach bestem Wissen und Gewissen…und ich werde weiter hoffen. Wenn ich auch ungeduldig bin, aber die Hoffnung verliere ich nicht so leicht. In diesem Sinne: Hofft mal mit. Vielleicht bewirkt kollektives Hoffen doch etwas mehr?

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