Mannomann, die Nacht war ein kleines Desaster. Ich konnte nicht pennen und habe mich nur hin- und hergewälzt. Das Schlimme: Ich muss dann permanent zur Uhr schielen, ob ich noch ausreichend Schlaf bekomme. Das löst dann noch mehr Unwohlsein aus. Völlig bekloppt. Aber tu´ mal was dagegen! Als dann der Wecker geht, gehe ich im Geiste meine Termine durch, weil ich spontan überlege, doch von Zuhause aus zu arbeiten. Aber nicht alles ist per Skype regelbar, weshalb ich mich doch fürs Büro herrichte. Und das ist auch die richtige Entscheidung, wie sich später herausstellt…

Aber zunächst erfreue ich mich an meiner hektischen Müsli-Kollegin. Sie besteht darauf, selbst im 20qm großen Büro nur alleine zu sitzen. So sozialphob sie ist, dürfte Corona ihre beste Freundin sein. Es hält ihr die Leute per Regel auf Abstand. Da sollte man meinen, es würde dieses kranke Stück erfreuen, was sich in ihrer Laune widerspiegelt. Aber Matsch am Paddel. Sie ist nach wie vor dauergestresst und -zickig. Da machste nix. Heute will sie dann aber nahbarer sein, was mir so völlig scheißegal ist. Ehrlich? Sie hat ihre mistige Laune nun x-fach über Monate an mir ausgelassen. Da lasse ich sie im Gegenzug auch einfach an mir abperlen. Das scheint ihr allerdings auch nicht zu schmecken. Naja, belasse ich einfach ihr Problem dort, wo es auch herkommt: bei ihr. Jo, da gefällt es mir am besten.

Der Informationsfluss ist bei uns herrlich….ääääh…für den Pöppes. Im Jour Fixe über beide Teams gibt es Infos, die nur dort zu einem gelangen. Ist man nicht anwesend, werden wichtige Informationen nicht gar von den Chefs an seine eigenen Leute weiterkommuniziert. Nein, wo kämen wir denn da hin? Dann müssten die ja am Ende des Tages noch das Denken anfangen! Also wirklich, das geht doch nicht! Wie könnte mein Chef dann noch die Zeit finden, an regelmäßigen Weißwurschtessen teilzunehmen? Und nein, das war keine einmalige Sache. Diese Treffen hat er regelmäßig in seinem Kalender stehen. Ist doch auch wichtig. Man, man, man, wo ist eigentlich die viel gerühmte „Führung“ als Wert zu erkennen? Ich entdecke sie nirgendwo.
Auch so ein Kracher: Mein Hinweis auf die Fortbildung, die man uns im nächsten Jahr angedeihen lassen wollte, die ja nun vorgezogen werden muss, damit wir sie überhaupt bekommen. Alles ist recherchiert, die Fakten sind bekannt. Aber nein, die Herren schreiben sich das als Agendapunkt für die Klausurtagung nächste Woche auf ihre Liste. Ääääh, dann ist die Frist mit 10 % Nachlass abgelaufen?! Jepp, ist zur Kenntnis genommen und wird – O-Ton – in Kauf genommen. Hammer, oder? Klar, da sitzen ja auch drei Köppe, die ihren kompletten Bonus ausbezahlt bekommen. Im Gegensatz zu uns, die eben gar nichts bekommen. Liegt auf der Hand, warum ich in der Lage bin, unternehmerischer zu denken und die nicht, oder? Ich fass´ mir so oft ans Hirn, dass ich überrascht bin, nicht schon Dellen dort zu haben.
Aber die andere Info, die ich schon gerne gehabt hätte, ist die Grippeschutzimpfung. Wurde wohl letzten Donnerstag angesprochen, wo ich – wie ich schriftlich im Vorfeld angekündigt hatte – einen Kundentermin hatte. Letzte Möglichkeit, sich impfen zu lassen, ist heute. Per Zufall stolpere ich darüber. Da wächst mir ja echt ein Horn. Und nein, ich bin nicht impfgeil. Nur gerade möchte ich mich für den Winter rüsten, damit ich keine Co-Infektion (Influenza UND Corona) gleichzeitig riskiere. Ich überlege wirklich, ob ich dies machen soll und entscheide mich letztlich dafür. Das ist dann auch der Moment, in dem ich denke: Wie gut, dass ich doch zur Arbeit gefahren bin.
Mich „bedient“ oder eher „behandelt“ einer der Werksärzte. Typisch für mich: Ich beantworte an den Stehtischen vor dem Eingang zwar alle Fragen des Formulars, aber übersehe den kompletten Kopfteil. Da stehen nur so unwichtige Daten, wie mein Name, meine Personalnummer, Geburtsdatum und Krankenkasse. Das ist echt, wie mit dem Schild letztens auf Augenhöhe, dass die Tür defekt ist. So was sehe ich nicht. Krank. Dann darf ich zum Werksarzt in den mit Stellwänden abgetrennten Bereich. Wir einigen uns sofort darauf, dass er in den linken Oberarm sticht, woraufhin ich sage: „Aber ich kann nicht hingucken!“ Darauf erwidert er lässig: „Dann guck´ ich auch nicht.“ Äääääääh… Nee, nee, mein Freundchen! Er lässt sich dann aber drauf ein und schaut doch hin. Der Piekser ist quasi nix, was ich mit einem: „Das war´s schon?! Dann war es ja echt die Aufregung nicht wert.“ quittiere. Darauf grinst er lässig (was ich an den Augen ablesen kann) und sagt: „Jaja, umsonst so angestellt, hm?“ Ob ich den wohl mal hauen soll?! Ich unterdrücke den Impuls. Er ergänzt noch: „Dann bis nächstes Jahr?“ Ich wiederum: „Nö, wenn was gegen Corona kommt, dann nicht. Habe mich bislang ja nie grippeschutzimpfen lassen.“ Und dann klärt mich der Gute hier auf. Nein, keine Bienchen und Blümchen. Aber er sagt mir unverblümt: „Wenn wir mal ehrlich sein sollen, ist diese Impfung hier eh nur eine Art Teilkaskoversicherung und schützt Sie eventuell zu 60 %.“ Aaaaaah ja. Er gibt auch unumwunden zu, dass er glaubt, eine Impfung gegen Corona wird ähnlich aussehen, also auch eher einer Teilkaskoversicherung entsprechen, die man dann jährlich wiederholen lassen dürfe. Außerdem würde er die erste Million Impfungen abwarten bzw. deren Ergebnisse/Reaktionen. „Wissen Sie, ich bin Akademiker und glaube nur an Zahlen.“ Es juckt mich zu entgegnen: „Wissen Sie, ich bin auch Akademiker, aber ich glaube an den Menschen.“ Doch im Grunde schätze ich seine Ehrlichkeit, weshalb ich meinen Kommentar runterschlucke. Im Laufe des Gesprächs sagt er: „Sie sind ein Impf-Skeptiker. Damit kann ich gut leben. Mit Impf-Gegnern braucht man nicht zu streiten. Das bringt nichts. Bei allem, was Sie tun, sollten Sie immer persönlich abwägen. Aber Sie befinden sich hier im Süden ja in bester Gesellschaft. Hier sind viele Impf-Kritiker.“ Ich kläre ihn auf, aus dem Kreis Heinsberg zu stammen. „Ach so! Dann muss ich ja gar keine Überzeugungsarbeit leisten!“ Irgendwie kam er mir impf-kritischer vor, als ich es war. Aber gut. Besonders süß fand ich, als er meinte: „Naja, wenn man – wie Sie – mit 30 Jahren schon anfängt, sich impfen zu lassen, dann haben Sie ja auch noch gute 60 Grippeschutzimpfungen vor sich. Die machen schon in der Summe auch was mit einem.“ 30! Ha! Jetzt will ich ihn lieber knutschen als hauen. Nur, wenn man Risikopatient sei, mache so was normalerweise Sinn. „Also Grippeschutzimpfungen empfehle ich erst ab 60, mit Vorerkrankungen, wie Diabetes, Vorschädigung der Lunge durch Rauchen und so auch früher.“ Ich warte ab, ob er sagt: „Na, und bei Ihrem Gewicht, sollten Sie schon auch so was machen.“ Aber das sagt er nicht. Er sagt hingegen: „Sie fallen nicht unter diese Kriterien. Dann ist das in diesem Jahr durchaus sinnvoll – zumal als Trainerin, wo sie ja viele Leute treffen. Aber dann erst wieder ab 60.“ Jo, mache ich doch glatt, oder?

Was mich dann wiederum nervt, ist meine Reisekostenabrechnung. Unsere Assistentin ist dafür zuständig, aber sie ist…äääh…langsam…wenig motiviert…und ich glaube, auch nicht die hellste Kerze am Christbaum. Es stehen nur vier Abrechnungen aus, die mittlerweile eine Summe von ca. 1.000 € erreicht haben. Macht ja nix, ich bin ja außertariflich, daher kann ich Geld ja sch***. Ach nee, ich gehöre ja zur anderen Gruppe, ich Depp! Heute bekomme ich die erste Abrechnung zugemailt. Hat auch nur exakt zwei Monate gedauert, bis das was wurde. Zur Info: Derzeit reist kein anderer, also ist sie da auch nicht belastet. Ich frage per Telefon nach meinen anderen Abrechnungen, ob ich die denn nun mal langsam unterschreiben dürfe? „Nee, das dauert noch. Eine habe ich dann so weit fertig. Aber ich habe auch schon angeregt, dass ich Euch zeige, wie das geht, damit Ihr das zukünftig dann selbst machen könnt. Das ist soooo viel Aufwand, weißt Du?!“ Ich zähle bis zehn, weil ich mich frage, was sie sonst so sehr beschäftigt hält?! Man, man, man. Ich sehe es positiv: Wenn ich mich zukünftig selbst drum kümmer´, werde ich auch keine zwei Monate auf mein Geld warten müssen. So einfach.

Und dann erreicht mich die Mail eines Instituts, das ich gestern angemailt habe. Sie wollen eine Dozentenauskunft meinerseits haben. Puh. Ich fülle sie brav aus und überlege bei der Pauschale meines Tagessatzes. Hier haben wir ja wieder den Klassiker: Männer geben ohne zu zögern einen hohen Preis an, während Frauen eher tiefstapeln. Und dann denke ich nach: Was kann ich? Bin ich Anfänger? Nö. Was passiert, wenn ich mal klar sage, was ich wert bin? Im schlimmsten Fall käme die Antwort: „Sie sind uns zu teuer.“ In einem anderen Fall würden sie zur Verhandlung einladen. Im besten Fall sagen sie: „Jo, das sind Sie auch wert.“ Ich habe nachgeschaut: Die Teilnehmer zahlen pro Veranstaltung das, was ich aufrufe. Und die Schulungen sind keine Einzelbespaßung, sondern Gruppenveranstaltungen. Es sollte also ok sein. Todesmutig verharre ich kurz über der Taste „Versenden“, drücke sie dann aber fest. Und dann muss ich kichern, als hätte ich gerade etwas Unerhörtes angestellt. Na, und wenn schon.

Mein kleiner Neffe ist dann aber heute mein Highlight. Er hat sich zum Geburtstag (Anfang November, aber er kennt sein ungeduldiges Tantchen) Fußballschuhe gewünscht. Diese sind in einem Paketshop abgegeben worden. Als wir kurz deswegen telefonieren, sage ich noch: „Ach, in gut zwei Monaten fahre ich ja auch schon zu Euch.“, woraufhin er entgegnet: „Ist ja nicht mehr so lang. Nur noch ein Mal Duschen bis Weihnachten.“ Bäääääääääh! Das tut er natürlich nicht, aber die Vorstellung ist schon ekelig. Daher schmettert er mir zum Abschied ein: „Man riecht sich!“ in den Hörer. Ach, er bringt mich immer wieder zum Lachen. Solche Menschen hätte ich gerne mehr um mich herum.

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