Da ich früh im Bett war, geht es heute Morgen schon recht gut mit dem Aufstehen. Dazu hab ich ein geniales YouTube-Video geschickt bekommen, was mir den Morgen erst recht versüßt. Im Sinne dieses Liedes und der Gleichberechtigung, schmettere ich Euch ein „Wir sind genauso Scheiße wie Ihr“ entgegen. 😂 Wer das verstehen will, darf hier schauen: https://youtu.be/ZrMY_K-IT3I

An der S-Bahn-Haltestelle entdecke ich keine Kotzspuren wie beim letzten Schulungs-Wochenende. Ich verbuche es als gutes Zeichen. Dafür ist schon eine Spinne im Turbomodus unterwegs. Ob die auch Schule hat? Und wenn ja: Was lernt die Gute da? „Wie spinne ich richtig?“ (Ich liiiiiiebe Wortspiel!!) Na, dann könnte sie ja quasi mit in meinen Kurs, denn bei mir geht’s dieses Wochenende um Psychosomatik. Das wird eine Herausforderung, da das ein Triggerthema ist, da mein Vater der Psychosomatiker vor dem Herrn ist. Ich dachte immer, ich würde – so ich je in einer Praxis arbeiten werde – kein bestimmtes Krankheitsbild ablehnen. Seit dem letzen Mal überlege ich, dass die Psychosomatiker nicht so wirklich nach meinem Gusto sind. Andererseits: Sie gehen auch nur zur Psychotherapie, wenn sie ein Arzt schickt und haben eben keine Krankheitseinsicht. Daher werden sie keine Selbstzahler sein und mich niemals heim- bzw. aufsuchen. Das beruhigt mich dann wieder sehr.

Heute sind wir in einem anderen Raum des Instituts als letztes Mal. Und ganz ehrlich? Er ist nicht für 15 Leute ausgelegt. Auch die 13, die wir heute nur sind, sind zu viel. Aber das liebe Geld ist einfach wichtiger. Klar, es gibt das Sprichwort: „Wer suchet, der findet.“ Und ich habe mittlerweile einen Hals auf das Institut und suche automatisch nach Bestätigung, im Recht zu sein. Fakt ist aber echt: Die Tische stehen deutlich näher zueinander, als das Hygienekonzept es vorgibt. Das geht im Grunde nicht. Aber ich sage nichts… und das ist falsch. Genauso falsch, wie nichts zu sagen, weil der Schnösel gegenüber in der Bahn nicht die Nase bedeckt. Warum eigentlich nicht? Angst, schätze ich. Oder zumindest Unwohlsein. Ich will kein „Regel-Nazi“ sein. Und ich weiß, dass es bei dem Trenchcoat- und Hut-Träger (kein Scherz! Schätzungsweise 30 Jahre alt…) Diskussionen nach sich zöge und ich irgendwann pampig werden würde. Und während ich noch grüble, steigt er auch schon aus. Die Chance habe ich blöderweise verpasst, was mich dann auch wieder ärgert. Ich will kein Kontrolletti sein. Aber ich will auch nicht ducken, wenn andere auf Regeln scheißen und die Infektionszahlen immer höher steigen. Er kann es ja blöd finden, Maske in der Bahn tragen zu müssen. Dann muss er sich eben aufs Fahrrad schwingen. Inkonsequenz nervt. Und noch mehr nervt, dass alle unter solch ignoranten Vollidioten leiden. Denn die sorgen am stärksten für das Ansteigen der Infektionszahlen. Grrrrrr!

Unsere heutige Dozentin kenne ich bereits vom Grundlagenjahr und mag sie. Sie ist sehr strukturiert und pragmatisch. Aber bei dem Gros der Gruppe ist es leider nicht möglich, einfach Unterricht zu machen. Sie wollen in erster Linie gemütlich ratschen. Drei Ladies kommen auch die dritte Mittagspause in Folge 15 Minuten zu spät. Da geht es nicht um ausgefallene Bahnen oder Busse. Da geht es nur um Egotum. Es nervt. Und wieder sitzen zwei Frostbeulen direkt am Fenster UND an den Heizungen. Lüften ist da natürlich mit Todesfolgen assoziiert. Ich versteh so viele Menschen nicht. Einer der Mitschüler aus dem eingeschworenen Kreis (hab jetzt die genaue Zahl: Sieben von denen sind quasi eine Clique und auch in einer What’s App-Gruppe) ist immer so ein Trainer-Schleimer. Ich kenne die auch aus meinen Trainings. Die labern den Trainer in jeder Pause zu, wollen sich mit ihm verbünden und schleimen, was das Zeug hält. Gerne sitzen sie vorne – nah am Trainer eben – selten aber mittig, sondern am liebsten außen an der Wand. Achtet mal darauf, wenn Ihr zukünftig bei Schulungen seid. Ist echt witzig, dass es fast immer einen dieser Typen gibt. Er fragt, ob die Dozentin einen Fragebogen bei der Anamnese verwende? Tut sie. Dann neigt er hübsch das Köpfchen und fragt unterwürfig mit möglichst vielen Konjunktiven, ob sie das zur Verfügung stellen würde? Die Sache an sich, ist voll ok. Das erspart viel Arbeit. Die Art und Weise hingegen, die kekst. Sie schickt ihm das per What’s App. Nur die eingeschworene Truppe hat eine Gruppe dort. Diese Gruppe agiert wie die der Karrieros bei „Die Tribute von Panem“. Sie kämpfen für sich, was ich ja so gar nicht verstehen kann. Ich bin immer integrativ unterwegs, wenn Neue hinzukommen. Und so frage ich dann, ob er uns anderen das per Mail zukommen lässt, da er ja die Mail-Adressen hätte? Die Antwort bestätigt mich dann leider auch wieder: „Äääääh äääääh…“ Genau. Also ergänze ich: „Oder die Dozentin schickt es an Dich und mich, dann verteile ich es gern an alle anderen.“ Nun wird er hektisch: „Ach so, nee, ja… das kann ich schon machen.“ Bei Kleingruppen-Arbeiten suchen sie sich auch ausschließlich Leute aus dem eingeschworenen Kreis. Puh! Immer hübsch im eigenen Saft zu kochen, erweitert den Horizont ja ungemein und führt zu neuen Ideen. Is klar, oder? Das Gute am Älterwerden: Ich will gar nicht mehr überall dazugehören. Und zum Glück gibt es auch sehr Nette in der Gruppe.

Der Streber hat aber auch noch eine Extra-Aufgabe erhalten. Er soll die Dozentin immer daran erinnern, dass sie auch auf dem zweiten Laptop die Seiten weiterblättert und das Mikro nach den Pausen aktiviert – denn es ist plötzlich auch hier möglich, zwischen Webinar und Präsenz zu wählen. Kommuniziert wurde das nicht. Dabei hatte eine Teilnehmerin vor drei Wochen nach so einer Möglichkeit gefragt, da sie krank war. Es geht doch nichts über eine gute Organisation… die dort leider nicht zu finden ist. Nun will der Streber der Dozentin was zuflüstern, was sie aber nicht versteht. Er versucht es erneut. Wieder versteht sie es nicht, bis er laut: „Du müsstest noch umblättern“ sagt. Sie lacht und sagt zu uns allen: „Und ich dachte noch: Jetzt hat er schon meine Nummer. Was will er denn noch?!“ Ja, aber er nimmt es gelassen und bleibt bei seiner Schleimnummer.

Ihr merkt schon: Ich bin genervt. Aber es war trotzdem auch wieder sehr informativ und lehrreich. Sollte sich der Sozialarbeiter der Flüchtlingshilfe in diesem Leben dann endlich mal melden und den Startschuss geben, habe ich nun eine weitere Idee für die Arbeit mit Geflüchteten. Und ich hatte auch schöne Pausengespräche. Ich hoffe, ich kann mich morgen besser auf die positiven Aspekte konzentrieren. Aber jetzt bin ich erstmal müde und platt. Nach 20 Minuten Fußmarsch im Nieselregen bin ich bereit, in mein Nachthemd zu klettern und mich auf die Couch zu werfen. Ahoi, Ihr Lieben!

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