Heute wache ich gutgelaunt auf. Na, hoffen wir mal, dass das so bleibt. Meine Motivation ist jetzt nicht übermäßig, aber ganz ok. Und so trotte ich gemächlich zur Haltestelle, wo die Bahn dann auch sehr pünklich einläuft. Geht doch! Warum nicht immer so?

Heute ist die Stimmung im Kurs zunächst noch etwas angespannt. Egal, wie man sitzt: Die eingeschworene Truppe sucht sich bei den Übungen, auch wenn andere dann komplett allein sind. Da das gestern schon so war, trifft es mich absolut nicht mehr, weshalb ich die Übung allein mache (was auch geht). Aber die Dozentin kommt irgendwann zu mir und schaut, ob ich Fragen habe. Hab ich allerdings nicht, weshalb wir nur kurz plaudern, weil ich bereits fertig bin, während andere noch diskutieren. Dabei war die Übung jetzt keine große, geistige Herausforderung. Doch die Tatsache, dass die Dozentin und ich plaudern, irritiert doch die Gruppe neben mir. Is klar, oder? Dabei habe ich meine Nachbarin gestern gefragt, was denn passiert sei (sie humpelte). Darauf kam ein: „Ist eine lange Geschichte“, wobei sie dann ging. Für mich fein, aber da frage ich dann auch nicht mehr weiter.

In der Pause berichtet die nette Mitschülerin mir von ähnlichem Verhalten ihr gegenüber. Leider sitzt sie am anderen Ende des Raums, so dass ein Rüberstaksen zu Corona-Zeiten wenig angeraten wäre. Wir plaudern kurz und gehen wieder rein. Als meine Nachbarin kurz vor Schmerz aufstöhnt, setzt mein Automatismus wieder ein: „Ist alles ok?“ Und da antwortet sie prompt: „Ach, ich hatte doch eine Hirnblutung. Jetzt ist die linke Seite immer wieder so kalt und empfindlich. Wenn ich dann so lange gesessen hab, tut es eben weh, aber das wird schon. Ich hatte schon nicht mehr damit gerechnet, überhaupt wieder hier teilnehmen zu können. Ich frage mich natürlich schon, hätte nicht auch ein Herzinfarkt gereicht? Aber vermutlich nicht. Ach, wer weiß?!“ Äääääääääh? Gestern wollte sie gar nicht drüber reden, bei der Übung schaute sie nicht einmal rüber, und jetzt? Bekomme ich alles auf einmal. Aber gut. Da sieht man mal wieder, dass sie komplett mit sich beschäftigt war und ich es (ganz egozentrisch) auf mich bezogen habe. Ich bestätige ihre krasse Stärke und ihren unbedingten Willen, was doch echt Mut mache. Das empfinde ich ehrlich so. Die Hirnblutung war letztes Jahr im Dezember. Heute ist sie wieder voll da. Hammer. Und so lösen sich ganz plötzlich Vorurteile wieder auf. Darauf kommt es für mich an: Schubladen, ja… aber immer auch die Offenheit, die Schublade wieder zu öffnen und in andere wechseln zu lassen. Als dann eine Gruppenübung zu dritt ansteht, gehöre ich plötzlich ganz selbstverständlich dazu. So kann’s laufen, hm? Ok, die ausgezuzelte Handcreme-Tante wird mir nie sympathisch werden, aber das muss ja gar nicht. Und der Schleimer ist heute auch umgänglicher. Ach ja, am Ende gehen wir auch hier auseinander und waren nur temporär Verbündete.

Inhaltlich sind heute nicht die riesigen Erkenntnisse dabei. Aber es ist ok. Trotzdem ist die letzte Stunde immer die anstrengendste. Daher bin ich glücklich, dass die nette Mitschülerin, mit der ich immer in der Pause plaudere, noch einen raushaut. Wir haben es gerade vom Drängeln der gestressten Rentner im Supermarkt. Ihre Freundin sagt dann gerne mal: „Ihr braucht gar nicht so zu drängeln. Ihr seid noch früh genug die Ersten!“ Ein Kracher! Hart, keine Frage, aber ich muss schallend lachen. So bin ich dann Gottseidank auch wieder wach.

In der Bahn läuft auch alles glatt. Jeder trägt die Maske korrekt. Woran das auf einmal liegt? Auf dem Weg zum Hauptbahnhof nehme ich gleich fünf Ordnungshüter (keine Polizisten!) voll ausrüstet wahr (mit Schlagstöcken). Ob es das so brachial braucht, weiß ich nicht. Ebensowenig, ob ein kausaler Zusammenhang besteht. Ist auch wurscht. Hauptsache, ich muss mich nicht aufregen. Mein 20 minütiger Spaziergang von der S-Bahn heimwärts fährt mich zusätzlich noch runter. Es passt alles, auch die ruhige Müdigkeit. Ich mach jetzt noch kleine Aufgaben häuslicher Natur, bevor ich zeitig ins Bett falle. Noch fünf weitere Wochenend-Schulungen bis März. Die schaffe ich schon auch noch.

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