Heute ist ein laaaaaaaanger Tag. Meine hysterische Kollegin eilt ins Büro (wo ich bereits seit einer Stunde sitze) und schaut mich verdutzt an: „Hatte ich mich nicht eingetragen?“ Ich schaue hoch: „Mmmh, wenn Du die Excelliste meinst: Nö. Da steh´ ich drin.“ Hektisch nun: „Ach, es läuft ja so vieles schief, da wundert es mich nicht, dass das auch falsch gelaufen ist.“ Da ich nicht darauf anspringe, mir ihr Jammertal zum x-ten Mal anzuhören, stürmt sie durch die Verbindungstür und setzt sich in den Nebenraum. Allerdings schließt sie die Tür nach außen nicht auf und rennt dauernd durch mein Büro. Keine Ahnung, aber sie hat einfach einen Knall. Und so lasse ich es bewenden. Später geht sie dann und schreibt mir, sie fühle sich krank und habe mich hoffentlich nicht angesteckt. Pffff…sie war weit genug entfernt. Und selbst wenn: C´est la vie.

Und schwups, habe ich meine erste Skype-Besprechung. Es geht um meine Geschichte für die eine Abteilung. Wie und mit welchen Bildern können wir die denn versehen? Oh man. Welchen Anteil übernehmen denn die anderen jetzt mal? Heinz ist völlig ideenlos. Hätte ich seinen Stress, immer den Eindruck erzeugen zu wollen, ich hätte einen Hintern voll Arbeit, ohne wirklich was zu tun, tja, dann würden mir auch keine Ideen einfallen. Der Input kommt ausschließlich von mir. Auch gut, dann geht es einfach zügiger. Ich sage dem Kollegen, der hierzu eingeladen hat, wenn er noch was bräuchte, ich noch was anders aufsprechen sollte, dann habe er morgen noch die Gelegenheit. Danach sei ich dann bis einschließlich 24.10. nicht da. Und prompt kommt von Heinz: „Das kann ja auch wer anders machen, wenn es sein sollte.“ Darauf habe ich gewartet. Er will nämlich alles abstauben und sichtbar sein. Und so gefällt es ihm gerade gar nicht. Ach, was bin ich böse, denn mich freut´s.
Ich düse quer übers Werksgelände, weil ich zum nächsten Termin zur Ausbildungsabteilung muss. Da verbringe ich drei Stunden, stelle ihnen was vor, erarbeite und diskutiere mit den Jungs, so dass ich morgen noch den letzten Feinschliff vornehmen kann, bevor sie dann losgehen können. Solche Termine mag ich. Alle bringen sich ein, damit was Rundes entsteht, mit dem alle leben können. Da duckt sich keiner weg. Aber auch da sind Probleme. Die wichtigste Aussage des Chefs: „Die reden alle über-, aber nicht miteinander.“ Wo nicht? Da nehme ich mich Null raus. Leider gilt bei den meisten: „Wie der Herr, so das Gescherr.“ Die meisten leben von Vorbildern. Den Workshop darf ich dann im Januar machen, was eine Herausforderung wird. Keine Frage, das wird spannend – und ich werde abends platt sein. Nur lohnt es sich bei solchen Themen auch.
Wieder zurück, ist die nächste Skype-Konferenz, was auch ganz gut durchläuft. Ich glaube, ich bin einem sehr gemächlichen Kollegen von uns zu stringent. Er mag es labrig-rharbarbrig. Nur kommen wir dann zu keinem Ergebnis. Doch das schaffen wir heute, was dann wiederum alle freut.
Und dann kommt der für mich wichtigste Termin: Die Führungskraft, die mich gebeten hat, ihn beim Ablauf der Mitarbeitergespräche zu unterstützen. Er kommt mit einigen Zetteln an und stellt mir vor, was er sich so gedacht hat. Ich zucke, als er ein Beispiel bringt: „Ich will ein Dreieck zeigen. Oben steht ´Macht´, links steht ´Denken´, rechts ´Vertrauen´.“ Da sollen die Mitarbeiter sich positionieren, was sie von ihrem Chef wollen, wie er mit ihnen umgeht. Ich reiße die Augen auf: „MACHT? Dein Ernst???“ Oder auch schön: „Mit welcher Schulnote bewertest Du Dich und Deine Leistung?“ Aaaaaaaaaaah! Der Kracher: „Mit welcher Schulnote bewertest Du Deine Kollegen?“ Für Heinz würde ich die Note gerne vergeben – allein, sie kommt auf keiner Skala dieser Welt vor. Ihr seht: Es gibt vieles zu besprechen. Es macht richtig Spaß, mit ihm zu arbeiten, ihm zu zeigen, was Worte aussagen, welche Wirkung – manchmal verheerend – sie haben. Er versteht dann auch, warum wir unbedingt die Schulnoten streichen müssen und die Bewertung der anderen Kollegen so gar nicht geht. Und es macht unbändige Freude, wie die Rädchen in seinem Kopf sich drehen, er versteht, annimmt oder auch variiert. Nicht mal grundlegende Feedback-Regeln, wie die drei W´s, kennt er. Wie kann ich jemanden ohne Rüstzeug zur Führungskraft machen? Er hat sich erkundigt, wollte sich von Kollegen Feedback einholen, weil er so was noch nie in seinem Leben gemacht hat. Einer hat ihm einen Ordner in die Hand gedrückt, der andere meinte nur: „Mach´ halt irgendwas. Ist doch scheißegal.“ Das tut schon weh, oder? Umso erstaunlicher, dass er noch mal aktiv nach Hilfe fragt und diese auch annehmen kann. Es ist schon auch anstrengend, aber es lohnt sich. Am Ende steht ein klarer Plan mit guten Ideen, wie er vorgehen will. Ich mag ihn echt gern und wünsche ihm, dass er das gut schafft.

Und dann düse ich zu meiner Abendverabredung. Ich treffe mich mit einer sehr netten Kollegin, von der ich glaube, sie entwickelt sich immer mehr zu einer Freundin. Mit solchen Begriffen gehe ich nicht so leichtfertig um. Bekanntschaften sind für mich deutlich von Freundschaften zu trennen. Menschen, mit denen ich in die Tiefe abtauen kann, mit denen ich fachsimpeln, aber auch völlig rümblödeln kann, das können Freunde werden. Oberflächlich ist auch manchmal schön, aber bei Freunden möchte ich das nicht bedienen müssen. Und so verläuft das kurze Treffen „auf ´nen heißen Kakao bei usseligem Wetter“ (sie ist auch Rheinländerin) auch kurzerhand fünf Stunden. Das passiert, wenn man sich mehr als Bla Blubb zu sagen hat. Und ja, mir tränen die Augen, ich bin müde und gerade erst Zuhause angekommen. Doch der Tag hat sich gelohnt, weil es tolle, wertvolle, wertschätzende Menschen gibt, die ihn bereichert haben. Man, bin ich platt…und rundum zufrieden.

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