Heute Morgen schlendere ich gemütlich durchs Bad und die Wohnung. Ich habe mich für ein Gewinnspiel bei Antenne Bayern angemeldet. Um kurz nach sieben geben sie durch, wer anrufen darf. Und da ich jetzt endlich denke, ich darf auch mal was gewinnen, versuche ich es so zu timen, dass ich dann im Auto sitze – denn nur da läuft das Radio. Ich bin auch genau zur richtigen Zeit noch im Auto. Allein – es gewinnt jemand anderes. Da ich morgen frei habe, muss ich mir den Wecker stellen, um es nicht zu verpassen. Stellt Euch vor, die nennen meinen Namen, ich würde den Porsche gewinnen, aber ich bekomme es nicht mit! Geht ja gar nicht.

Heute ist mein letztes Mal an diesem Arbeitsplatz, da wir nächste Woche in andere Büroräume umziehen. Da muss ich aufpassen, dass ich die richtige Türe erwische, wenn ich übernächste Woche wieder arbeiten gehe. Wehmütig bin ich nicht. Es war ok hier, aber im Grunde ist mir das relativ egal. Wir sind nur zu weit vom Werksgelände weg, weshalb alle Kundentermine mit viel Fußmarsch und damit Zeitaufwand verbunden sind. Aber das werden wir auch überleben. Da derzeit die Infektionszahlen wieder so stark ansteigen, sollen wir eh so wenig wie möglich ins Büro fahren. Es sind für mich ohnehin nur noch ein paar Wochen, bis dann endlich der große „Urlaub“ ansteht und ich zu meiner Familie düsen kann. Wer weiß? Vielleicht schon im neuen E-Porsche. Das wär´s doch noch!

Mein Chef hat sich bislang noch nicht gemeldet, wie seine Tagung vorgestern war. Also geht der Berg zum Prophet bzw. rufe ich ihn an. Die Schulung ist bewilligt. Ja, haste Töne?! Wie man sich für externe Schulungen anmeldet, weiß er zwar auch nicht, aber das wird schon. Oh man. Ich breche ab. Dann eröffnet er mir, dass ich „die andere Schulung“ auch bekomme – wie besprochen. Hä? Welche andere Schulung? Hatten wir doch besprochen. So langsam glaube ich, er wird dement. Kein Witz, das meine ich ernst. Wie dem auch sei: Nächstes Jahr bekomme ich anscheinend eine Rundum-Schulung. Das wundert mich, aber das ist für mich auch voll ok. Aber – wie habe ich das letztens so schön gesagt bekommen: „Dann geht die Schere ja noch weiter auseinander, und Du wirst einen Kollegen, wie Heinz, noch mehr schlagen wollen.“ Möglich ist alles…doch das nicht. Wollen, ja. Tun hingegen definitiv nicht. 🙂 Mich gruselt´s schon bei dem Gedanken, ihn überhaupt nur anfassen zu müssen. Bäääääh!
Mein Chef erzählt mir dann stolz, wie er anderen Kollegen unter die Nase gerieben hätte, wie schlecht ihre Kommunikation sei. Daran würde so vieles bei denen scheitern. Is klar. Und da hätten sie ihn völlig verblüfft angeschaut. Ich frage ganz ruhig: „Und wie schätzt Du die Kommunikation in unserer Abteilung ein?“ Prompt kommt ein: „Gut! Warum?“ „Weil wir da wohl vollkommen unterschiedliche Bilder haben.“ Das versteht er dann wiederum nicht. Es ist der Wahnsinn, wie grottig die Kommunikation bei uns läuft. Erst heute haben wir eine Dreiviertelstunde in einem Termin gehockt, zu dem Heinz eingeladen hatte. Zwei außertariflich Bezahlte, drei weitere Kollegen. Da kommt ganz schön Geld zusammen! Und dann diskutieren wir über ein Problem, das es de facto nicht gibt. Aber Heinz hat sich einfach nicht die Mühe gemacht, mal vernünftig hinzuschauen – obwohl ich ihm die entsprechenden Links geschickt habe. Mit so was schlagen wir da Zeit und gutes Geld tot! Das tut mir echt körperlich weh. Und wir hatten darüber „kommuniziert“. Ich pack´ so was nicht.
Dem aber nicht genug, haben wir sogar eine Führungskraft im Unternehmen, die wissentlich (!) mit Windpocken in die Firma kommt. Für mich kein Thema, ich hatte sie schon. Für jede schwangere Frau der Supergau. Und was passiert? Nichts! In solchen Fällen wäre ich ja dafür, die Prügelstrafe und den öffentlichen Pranger wieder zu installieren. Ich weiß, keine Lösung…aber Genugtuung. Und manche lernen es leider auf keine andere, vernünftige Weise.

Als alles erledigt ist, meine Kisten für den Umzug gepackt und meine Abwesenheitsnotiz für den Urlaub aktiviert ist, fahre ich zeitig nach Hause. Mein erster Teil des Vorbereitungskurses findet heute Abend statt. Wir sind 30 Teilnehmer. 30 Teilnehmer mal 990 €. Da kommt ein hübsches Sümmchen zusammen. Solche Webinare sind echte Goldgruben. Aber was nutzt es, darüber zu sinnieren? Ich will ja meine Prüfungen bestehen. In den zwei Stunden rasen wir durch die Themen, dass mir der Schädel raucht. Im Grunde denke ich, ich bestehe die Prüfung, aber es wird viel Fleiß und Auswendiglernen vonnöten sein. Nur gerade zweifle ich dann mal kurz. Es fallen die Fachbegriffe stakkatoartig. Puh, mein armes, kleines Hirn. Und das Schlimme: Ich höre doch niemals danach auf! Dann suche ich mir andere Themen, die mich faszinieren und halte das Oberstübchen am Kochen.
Ja, manchmal wünsche ich mir, einfach anzukommen. Doch ich glaube, ich habe einen großen Anteil in mir, der rastlos ist. Ich kann mir durchaus vorstellen, irgendwann einen Ort zu finden, an dem ich bleiben will. Aber an einen Punkt zu gelangen, an dem ich sage: „Jetzt will ich echt nichts mehr lernen, denn da ist nichts mehr, das mich noch reizt“, neeee, das scheint mir unmöglich. Das wäre, als würde man versuchen, Wasser am Fließen zu hindern. Das geht mit Dämmen und so, doch nach einer gewissen Zeit wird der Druck dann doch zu stark – bzw. ich zu hibbelig. Es bleibt also spannend. Genauso, wie mit dem Porsche. Den Bulli habe ich ja seinerzeit nicht gewonnen. Da ist doch jetzt wohl zumindest der Porsche drin, oder? Also: Drückt mal die Daumen…es geht schließlich nur um 420 PS.

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