Die Sonne, die sich in den letzten Tagen – wenn überhaupt – nur gen Abend mal zeigte, scheint bereits am frühen Morgen und wird es auch über Tag nicht müde. Ich genieße das, auch wenn ich stundenlang an meinem Fotobuch sitze. Dass das so viel Arbeit macht, hätte ich echt nicht gedacht. Aber es ist eben ein Rumgefiesel hier und ein Aussuchen da…da vergeht echt Zeit dabei. Für manch einen sagen die Bilder bestimmt gar nicht so viel aus, doch für mich sind damit wunderschöne Erinnerungen verbunden. Und die kann mir keiner mehr nehmen – außer natürlich eine Demenz, irgendwann mal. Doch da ich darauf keine Lust habe, werde ich das auch nicht bekommen. So einfach.

Da die Sonne dann doch noch mal so ausgiebig kitzelt, ist auch das Öpken gegenüber wieder in Schafschurlaune. Er stellt sich einen kleinen, türkisfarbenen Eimer hin, nimmt einen kleinen Handspiegel, um sich darin allenthalben zu betrachten und legt los. Er rasiert sich – natürlich oberkörperfrei. Wenn, dann sollen auch bitte alle was davon haben. Ich überlege echt, ob ich ihn nicht einfach mal bei so einer Aktion fotografieren soll, unterdrücke aber diesen Impuls. Geht ja nicht…und würde ich umgekehrt auch nicht wollen. Allerdings würde ich mich auch nicht oberkörperfrei auf den Präsentierteller hinstellen und alles rundum rasieren. Er rasiert sich an den Schläfen, am Haaransatz vorne, das komplette Gesicht, den kompletten Hals bis runter fast zur Brust. Den Pelz darunter lässt er stehen. Klar, es wurde auch gemeldet, dass es bald kühler werden soll. Da kann so ein Winterpelz bestimmt gut wärmen – ihn und seine Else, die sich abends an ihn schmiegt. Das dürfte in etwa so bequem wie ein Kissen sein. Dann kommt wieder der Handspiegel zum Einsatz, wonach der Ömmes dann wieder hier und da nachbessert. Warum er das nicht in seinem Badezimmer vollzieht, weiß ich nicht. Ja, sicher doch, Tageslicht ist auch was ganz Tolles, aber hier draußen hat er keinen großen Spiegel, sondern nur das fönzige, kleine Etwas. Egal, mich unterhält er damit immerhin. Ist doch auch schon was wert.

Die Woche, die ansteht, wird wieder ein Kracher. Oft genug geht es ja auch langweilig in meinem Leben zu. Aber diese Woche habe ich pickepackevoll verplant. Dazu überlege ich, morgen den Ausbildungsleiter anzurufen. Übernächste Woche soll ich eigentlich die Azubis schulen – immer in 15er-Stärke. Doch so, wie sich die Corona-Zahlen gerade entwickeln, dürfte das ganz schön schwierig sein. Vier Tage 15- bis 18-Jährige zu schulen, ist auch an sich schon eine Herausforderung. Wenn das also etwas entzerrt würde, hätte ich damit auch keinen Schmerz. Wir werden sehen.
Und dem nicht genug, darf ich für meinen kleinen Neffen dann auch noch morgen früh Schuhe ordern, die ab 9 Uhr zum Verkauf anstehen. So was gab es „damals“ bei uns doch nicht. Verrückt. Ich habe mich auch nie sonderlich für so was interessiert. Aber das ist heute anders. Auch im Umgang mit Farbe hat sich einiges getan. Lila galt für uns als klassische nicht-Jungen-Farbe. Heute geht das locker, ohne dass die Jungs dafür schwul sein müssen – was ich im Übrigen gut fänd, wofür ich dann aber Unverständnis ernte. Wierum jemand gepolt ist, ist mir so was von vollkommen scheißegal, solange jeder nach seiner Fasson einfach glücklich ist. Und nein, damit bevorzuge ich weder Schwule, noch Lesben, noch Bisexuelle, noch Transsexuelle, noch Heterosexuelle. Dass wir darüber in der heutigen Zeit überhaupt noch diskutieren müssen, macht mich traurig.

Und endlich, ENDLICH ist mein Fotobuch nun fertig und in Auftrag gegeben. Puh, hat das gedauert. Ob es die richtige Mischung hat, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es bei mir mit wahnsinnig tollen Erinnerungen verknüpft ist. Es ist nicht das Buch geworden, was ich ursprünglich geplant habe, aber es ist auch so vollkommen in Ordnung. Ich hoffe nur, sie löschen niemals die Blogs bei WordPress. In weiser Voraussicht habe ich mir die Texte auch mal komplett rauskopiert. Das war ja quasi mein Tagebuch. Und auch wenn ich mich an vieles erinnere, ist einiges doch geistig abhanden gekommen. Wenn ich es dann lese, fällt es mir allerdings wieder ein. Schiere, pure Reizüberflutung – und mittendrin all „meine“ wunderbaren Kinder. Ich hoffe, sie sind allesamt gesund und munter.
Wenn das nicht mal ein würdiger Abschluss meines Urlaubs ist. Einen Haken kann ich bei „erledigt“ setzen. Jetzt sind nur noch x Felder offen. Mañana – somit bleibt mir das südamerikanische Lebensgefühl noch etwas erhalten.
Und dazu ist es jetzt schon stockfinster zu früherer Zeit. Die Uhr wurde ja umgestellt – für die, die das noch nicht registriert haben. Entsprechend mache ich es mir jetzt muckelig auf dem Sofa, zünde ein paar Kerzen an und genieße den ruhigen Ausklang meines Sonntags.

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