Heute ist Zahnarsch angesagt. Kennt Ihr das, wenn in der Kindheit solche Besuche versaut worden sind und man deswegen immer Angst hat, bekloppte Dentisten aufzusuchen? So geht es mir. Ich mag die einfach nicht, obwohl ich echt eine sehr nette habe. Keine von diesen gierigen, die einen abzocken wollen, wie ihr Vorgänger das getan hat. Und trotzdem grummelt mein Magen. Wir – meine Sis und ich – hatten früher einen Kieferorthopäden, als wir Kinder waren. Da die Zähne meiner Mom schief waren, wollte sie bei uns unbedingt gerade Zähne und hat uns deswegen dorthin geschleppt. Da er stets und immer fettige Haare hatte, haben wir ihn irgendwann Palminschaf getauft. Vermutlich habe ich diese Unart der Spitznamenvergebung von meiner Mom geerbt. Keine Ahnung. Auf jeden Fall war dieser Typ ein mieser Scheißkerl, aber es gab sonst nur deutlich weiter weg einen Kieferorthopäden. Wir hatten also keine Wahl. Und da sich diese entwürdigende Behandlung seinerseits über Jahre 14-tägig bis monatlich hinzog, hat sich das sehr nachhaltig und konsequent in meinem Kopf festgesetzt. Na, tausend Dank auch!
Viel zu früh, damit ich bloß nicht aufgrund des Berufsverkehrs verspätet aufschlage, sitze ich nun mit einem verdammt flauen Gefühl im Magen im Auto gegenüber der Praxis. Dabei ist sie wirklich nett. Wenn ich nachher rausgehe, frage ich mich wieder, was diese Anstellerei eigentlich sollte. Pffffff… Ich schaff’s nicht anders. Aber ob ich meinen Schließmuskel mit 80 noch so unter Kontrolle haben werde, dass mir nichts entweicht, wird sich zeigen. Oder ich brauche dann einfach immer eine Vollnarkose, wenn ich zum Zahnarzt muss.
Auf dem Stuhl angelangt, frage ich: „Soll ich die Maske jetzt abnehmen?“ Die Zahnärztin antwortet süffisant: „Wäre schon besser. Ansonsten wird es mit der Behandlung schwer.“ Gut, ich habe den Ball vors Tor gelegt, sie musste ihn ja quasi nur noch antippen, um ihn zu versenken. Und ja, vorne neben dem Schneidezahn, das muss gemacht werden. „Geht das ohne Spritze oder halten Sie das nicht aus?“ Ich möchte mit Hape Kerkelings Antwort als Hannileins Omma antworten: „Watt weiß ich?! Weißte, wer dick is? Deine Tante Erika is dick. Und der Pudel von Wonnebergers, der is vielleicht dick.“ Aber ich schätze, die guten, alten Sachen von Hape wird die Dame nicht kennen. Aber woher zum Henker soll ich jetzt schon wissen, ob ich das aushalte oder eben nicht? Ich frage mal so: „Was wird denn unangenehmer – das Bohren oder die Spritze, die da vorne in die Schnüss gejagt wird?“ Sie ist eindeutig dafür, dass die Spritze unangenehmer sei als das Bohren. Also juut, dann nur zu. Ich sage noch tapfer: „Ach, ich halte mich an meinem Schal fest.“ Doch darauf antwortet die Sprechstundenhilfe: „Aba net zu fest, sonnst dawürgns Erna no.“ Das Problem in dem Moment: Ich habe die Schnüss schon auf. Da ist es gar nicht so einfach, ein Lachen zu unterdrücken. Unterm Strich tut es einfach gar nicht weh. Also überhaupt gar nicht, was ich auch komisch finde. Aber so ist es umso besser. Allerdings wird beim Bohren viel Wasser verwendet, was ja im Mundraum immer weggesaugt wird. Vorne ist das dann nicht so einfach, weshalb mir immer wieder Wasser übers Gesicht läuft. Die Arzthelferin tupft mir immer wieder das Gesicht ab und scherzt rum, ich hätte mich ja gar nicht zu waschen brauchen. Das würden sie doch für mich erledigen. Zum Glück hat die Tusse in mir ein Täschchen in der großen MacGyver-Tasche. Nein, das ist keine neue Marke, falls das junge Leute lesen sollten. MacGyver ist MacGyver, der alles aus nix basteln kann. Jedenfalls habe ich in meinem Notfalltäschchen Schminke, weil ich nun mal ein Mädchen bin. Bevor ich nach der Praxis Richtung Arbeit fahre, puder´ ich mich noch rasch ab. Ach, ein Hoch auf die Tussi in jeder Frau – mal schwächer, mal stärker ausgeprägt. 🙂

In der Arbeit ist es komisch, weil in unseren Büroräumen außer dem Chefchef und den Studenten kein anderer Kollege ist. Fühlt sich eigenartig an…und einsam. Morgen bin ich dann ja daheim und arbeite von dort aus. Ist auch einsam, aber da muss ich mich nicht abpudern und bin in gewohnter, heimeliger Umgebung. So sehen die nächsten Wochen wohl wieder verstärkt aus.
Die Mittagspause nutze ich dann zur Übergabe der heißen Ware. Die nette Kollegin, die letztens so lange bei mir war, hat ein großes Herz und möchte Klaus eine Heimat bieten. Finde ich ganz schön nett. Wer Klaus ist? Und wieso ich ihr dann nicht kurzerhand auch Heinz aufs Auge drücken kann? Nee, nee. So einer ist Klaus nicht. Letztes Jahr habe ich meiner Sis zum Geburtstag einen Staubsaugroboter geschenkt. Ich mag normalerweise keine allzu praktischen Geschenke, aber hier hatte ich den Zeitgewinn und Frustabbau meiner Sis im Kopf. Da dachte ich mir: Warum bestelle ich mir nicht auch einen mit? Auf großen Flächen ist so ein Viech auch echt sinnvoll. In meiner kleinen Bude, die zudem (wie die Handtasche) recht vollgestopft ist, fährt sich das Ding immer fest. Nach zwei- oder dreimaligem Gebrauch, stand der Schönne nur noch rum. Mein Schwager hat den Roboter Klaus getauft, also nenne ich meinen kurzerhand auch so. Jetzt fristet Klaus bei mir nur noch ein staubfangendes Dasein, was ihm ja Null gerecht wird. Entsprechend habe ich mich umgeschaut, wo er denn Asyl finden könnte. Und siehe da: Endlich hat sich jemand erbarmt. Und zur Mittagspause haben wir dann voneinander Abschied genommen. Hin und wieder werde ich ihn wohl mal zu Gesicht bekommen und mich vergewissern, dass er auch ein gutes Leben hat, wenn ich meine Kollegin besuche. Ich bin einfach nur erleichtert, dass er weg ist. Er stand nur noch blöd in der Ecke herum. Das ist doch kein Leben – weder für mich, noch für ihn! Wenn das keine gute Tat ist, dann weiß ich es auch nicht mehr.
Und nun, bereite ich mal alles für die affektiven Störungen vor, die den heutigen Schulungsabend ausfüllen werden. Mal schauen, ob ich wach bleiben kann. Da ich danach nur noch ins Bett will, sage ich bereits jetzt mal: Adieu, tschüss und ba ba…

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