Heute bin ich artig. Ich schaue zwar zwischendurch auch Terra X und eine interessante Dokumentation über das Tabuthema Suizid, aber im weitesten Sinne ist selbst das ja quasi Prüfungsvorbereitung. Aber darüber hinaus, lese ich auch tatsächlich noch einige Seiten in einem meiner mittlerweile zahlreichen Psychologie-Bücher. Irgendwie ist es akuter denn je, sich mit der Psyche auseinander zu setzen – zumindest empfinde ich das so. Wenn ich mir all diese Beauty-Scheiße im Fernsehen anschaue, dann sind viel zu viele Menschen nur an der Oberfläche unterwegs. Und da ist es dann auch nicht verwunderlich, dass viele abdrehen, wenn es nicht mehr nur um triviale, banale Anlgelegenheiten geht. Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass wir jetzt einfach aufs Duschen und die Pflege verzichten sollen, weil sie überflüssig geworden sind. 🙂 Aber mal im Ernst: Wie kann ich mir die Lippen aufspritzen lassen oder die Hupen aufpimpen, wenn wir weltweit ganz andere Sorgen haben? Doch diesen Trend wird vermutlich nichts so leicht rückgängig machen. Schön finde ich solche Menschen allerdings nicht, aber es scheint doch einigen zu gefallen. Andernfalls würde es diesen Schwachsinn ja wohl nicht geben.

Die Dokumentation über Suizid war sehr interessant. Seit den 80er Jahren kann man einen deutlichen Rückgang verzeichnen, was mich verblüfft. Trotzdem sterben nahezu 25 Menschen täglich durch Suizid – und das nur in Deutschland. Mein Blick hierauf hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Die Geschichten der psychisch Kranken im Eingliederungsbereich haben mich damals sehr berührt, aber nie verfolgt. Ich war immer froh, überhaupt für sie da sein zu können. Aber eine Begebenheit hat sich nachdrücklich eingeprägt: Ich habe jemanden zur stationären Einweisung gebracht. Es war gar nicht so einfach, ihn dazu zu bringen, sich selbst einzuweisen und nicht die Einweisung zu veranlassen. Die Suizid-Planung war in seinem Fall schon sehr konkret. Er wollte sich vor einen Güterzug werfen, weil dann – so seine Aussage – am Wenigsten von ihm übrig bleiben würde. Wenn man diese Information mal sacken lässt, kann man eventuell den Schmerz erahnen, dem dieser junge Mann tagtäglich ausgesetzt war. Objektiv ist dies nicht zu verstehen, keine Frage. Ich weiß noch, wie er mir zum Abschied in der Klinik sagte: „Ich weiß nicht, ob ich Sie noch leiden kann.“ Das konnte ich hingegen sehr gut verstehen. Wir haben es aber dennoch hinbekommen. Und Jahre später habe ich ihn per Zufall im Bus gesehen und war überglücklich, ihn am Leben zu wissen, was ich ihm dann auch gesagt habe. Das hat ihm zumindest ein kleines Lächeln entlockt.
Und doch hat mir dieses Erlebnis nachgehangen. Es ist die Frage: Wer bin ich, jemandem dieses Recht der Selbstbestimmung zu nehmen? In einer Akutsituation würde ich immer so handeln, wie ich das damals gemacht habe. Aber damit stelle ich meine Überzeugung über seine. Schwer depressive Menschen kämpfen oft Ewigkeiten nahezu jeden Tag damit, ob sie weiterleben wollen oder nicht. Was muss das für ein Leben sein? Früher war meine Haltung hierzu klar: Wie kann ein Mensch so rücksichtslos sein, sich durch Selbstmord aus dem Leben zu stehlen? Gerade in ländlicher Gegend wird dann zudem noch über den Partner getuschelt, denn es muss ja einen Schuldigen geben. Was für ein ausgemachter Blödsinn! Die Hinterbliebenen haben genug mit sich zu kämpfen. Da braucht es keine Anschuldigungen oder Fingerzeige – zumal niemand die Verantwortung für andere Menschen trägt. Das tut jeder nur für sich selbst.
Meine Wut auf diese Menschen ist mit den Jahren verraucht. Es tut mir unendlich leid, wieviel Leid die Menschen, die Suizid begehen, ertragen müssen…und ebenso ihre Umwelt. Für mich ist es kein Tabuthema. Aber in der Tat ist es etwas, worüber in der Gesellschaft noch viel zu wenig gesprochen wird. Die Kirchen haben – mal wieder – das Ihrige dazu getan, diese Menschen zu stigmatisieren. Immerhin behandeln sie es als Sünde. Aber mittlerweile sind sie in der katholischen Kirche zumindest so generös, ihnen ein kirchliches Begräbnis zuzugestehen. Pffff…so was regt mich auf! Es wird Zeit, dass wir in vielen Bereichen ganz anders denken. Vielleicht helfen uns Zeiten, wie diese Corona-Zeit, bei dem Herunterfahren von so vielem im Äußeren, auf die Dinge zu schauen, die wirklich wichtig sind. Ich mag ja immer auch die Chancen in so was sehen. Wer weiß, ob ich mir diesen Idealismus erhalten kann?

Und genauso wichtig, wie diese schweren Themen, sind es auch die schönen, lustigen, manchmal bekloppten Dinge, die wir genießen dürfen. Wusstet Ihr, dass beispielsweise ein Buckelwal-Männchen bis zu 24 Stunden singt, wenn er auf Parntersuche ist? Stellt Euch das mal bei uns Menschen vor. Da schleichen dann brünftige Kerle durch die Gegend und singen sich die Bläschen aus der Lunge. Da würde ich ja schon aus lauter Mitleid mit meinem Gehör einwilligen, mich zu paaren. Ehrlich, wer will schon einen Mann 24 Stunden am Stück singen hören? Wenn ich da an die Verwandtschaft meines Schwagers denke, die singen können, wie ein Schwein klettert, dann würde ich mir vermutlich die Trommelfelle durchstechen, um dem nicht ausgesetzt sein zu müssen.
Auch interessant sind die Vogelzüge gen Süden. Manche Vögelchen derselben Gattung fliegen Richtung Sommer, Sonne, Strand und Meer, während ihre Artgenossen bleiben, weil die Winter nicht mehr so streng sind. Das hat zur Folge, dass die Daheimgebliebenen die besten Nistplätze für sich behaupten, demnach auch früher Nachwuchs bekommen und im Schnitt auch deutlich mehr Nachkommen hinterlassen als die, die sich mit viel Sport und Ausdauer ins Ausland aufgemacht haben. Diese Erkenntnis sollten wir vielleicht mal mit all den Reisebeschränkungs-Hysterikern diskutieren. Ja, ich reise auch gerne, finde einen vorübergehenden Verzicht aber echt nicht weltuntergangsmäßig. Wir können also was von den Vögeln lernen. Vögel, die Zuhause vögeln, sichern die Renten der Zukunft. Wenn das nicht mal eine Erkenntnis ist! In diesem Sinne: Ihr wisst jetzt also, was Ihr Zuhause im „Home Office“ machen könnt, oder? 😉 Viel Spaß dabei…ist ja auch so was wie Sport.

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