Heute bin ich faul. Ich lasse mich regelrecht gehen. Aber das tut echt gut. Weg von irgendeinem Zwang, einfach nur was für mich. Gar nicht so schwer, wie ich in dieser Coronazeit immer mehr lerne. Es gibt sie eben auch: Die kleinen, feinen Errungenschaften durch Corona. Und heute höre ich auch endlich mal im Fernsehen, wie schwer es für Singles in der Isolation sei. Die wären bisher nicht so beachtet worden. Wie auch, bei all den Brüllaffen? Ich denke, es ist einfach so: Wir haben alle unser Päcksken zu tragen und sind herausgefordert durch Corona. Da brauchen wir kein Ranking, wer die ärmste Sau im Dorf ist, oder?

Gestern habe ich wieder ein tolles Wort gehört: Grusel-Ute. Das gefällt mir. Ich habe es schon vorher einmal gehört, aber dann leider wieder vergessen. Und – jetzt mal Hand aufs Herz – nahezu jeder/jede von uns hat schon Bekanntschaft mit Grusel-Ute oder Fresel-Frank gemacht, oder? Zumindest kenne ich einige, die sagen, sie hätten in ihrer Beziehungs-/Affären-Laufbahn auch den einen oder anderen dunklen Fleck, wo man dann zurücksieht und sich schüttelnd fragt: Wie war das bitteschön möglich? Tja, wo die Liebe hinfällt…oder wenn die Not zu groß wird. Da kann man auch schon mal einen fetten Fehltritt machen.
Meine Cousine hat eine Knutsch-Liste angelegt. Gut, sie ist auch vergesslicher als ich (sorry!!!)…und jeden Typen kriege ich auch nicht mehr auf die Reihe. Hallo?! Als Rheinländer feiert man auch richtig Karneval. Da kann ich doch nicht jeden rekonstruieren, von dem ich ein Büzzje bekommen habe. Und ich bleibe ja auch dabei: Wenn es beim Küssen schon nicht richtig funktioniert, braucht man es gar nicht weiter zu probieren. Das wird nichts mehr. Ein Mann, der nicht gut küsst, käme mir nicht (mehr) in die Bude. Aber selbst der beste Küsser kann im Rückspiegel als Geschmacksverirrung daherkommen. Ist irgendwie verrückt und lustig zugleich, oder? Kramt mal in Euren Erinnerungen und lacht Euch dabei schlapp, wie Ihr da auch eine Grusel-Ute oder einen Fresel-Frank entdecken könnt. In diesen Zeiten ist alles gut, was uns zum Lachen bringt. Mir hilft´s in der Tat.

Die Wahl ist immer noch nicht abschließend entschieden. Und auch, wenn das Ergebnis feststehen wird, ist noch lange nichts klar. Der Wahnsinn, was da gerade abgeht. Ich weiß, ich habe diese Dauer-Berichterstattung gestern verteufelt. Ich bleibe auch dabei: Die dauernden Negativ-Nachrichten ziehen runter. Aber auch hier kann ich mich bisweilen amüsieren, weil die Absurditäten bislang von mir gekannte Grenzen völlig sprengen. Manche Aussagen sind so vollkommen lala, dass ich dann erst lache, um geschockt zu verstummen, weil ich registriere: Es gibt sie echt, die Deppen, die das glauben! Hammer. Da wundere ich mich dann wieder einmal und frage mich, ob ich noch sauber ticke oder eben so viele andere spinnen? Und dann gibt es wieder diese Gespräche, die mich beruhigen: Menschen, mit denen ich telefoniere, die meine Sicht der Dinge haben. So langsam werden die Zweifel nämlich größer, was wohl daran liegt, dass die Deppen eben so laut sind.
Letzens sagte ein „normal sortierter“ Kollege von mir: „Es wird Zeit, dass wir mal demonstrieren. Wir schauen fassungslos zu, wenn die Asis durch die Städte ziehen und demonstrierend skandieren `Wir sind das Volk!´ Da müssen wir doch endlich mal gegenhalten, auch demonstrieren, damit die Deppen das am Ende nicht selbst noch glauben, dass sie echt das Volk sind.“ Stimmt irgendwie. Nur bin ich so gar kein Demonstrant. Wir Deutschen sind ja auch nicht gerade fürs Demonstrieren geboren Aber…im Grunde wird es Zeit für eine andere Denke, oder? Sollte er diesen Plan verfolgen und umsetzen, würde ich mitmachen. Gut, mutig sind wirklich die, die so was ins Leben rufen. Aber immerhin wäre es ein Anfang, wenn ich auch mal auf die Straße gehe und demonstriere, oder? Das habe ich zuletzt in der Schule gemacht, als gegen den 1. Irak-Krieg demonstriert wurde. Und ehrlicherweise habe ich das auch nur gemacht, weil es a) alle gemacht haben und b) zu der Zeit der Unterricht ausfiel. Vor allem das letzte Argument hat mich überzeugt, denn ich glaube, es war Latein. Nicht heroisch, oder? Aber ich denke doch, die Zeit kommt so langsam, dass man mehr für das einstehen muss, was einem wertvoll erscheint. Machtmenschen und Demokratie-Zerstörer dürfen nicht immer mit ihrem lauten Geschrei durchkommen.

Man, man, man, jetzt werde ich aber politisch. Die Zeit zwingt mich regelrecht dazu, Stellung zu beziehen. Das habe ich so in meinem Leben noch nie empfunden. Dabei will ich nicht fundamentalistisch werden. Nur finde ich es langsam schwierig, noch zu schweigen…wie bei diesem letzten YouTube-Influencer, der die Demokratie hier begrüßt, aber ein Bild von Macron vor laufender Kamera verbrennt. Freie Meinungsäußerung sei völlig ok für ihn, aber das schließt den Propheten aus. Hallo? Und ich kenne tolle Muslime, die so gar nicht sind. Nur werden die alle über einen Kamm geschoren, wenn wir nicht langsam auch mal laut werden und dagegenhalten.
Puh, die Zeit des Wegschauens geht langsam vorüber – zumindest empfinde ich das so. Keine Ahnung, wie ich weiterverfahre. Ich finde nur, so gar nicht Stellung zu beziehen, ist auch keine Option.

2 Kommentare

  1. Find ich jritisch jot jelunge und ich mag widde schreibst – Grüße aus Kölle!
    Ist alles nicht su leicht – vllt jet et su ävver wigger : mit Haltung und Anstand.
    Zumindest können wir die Dauerberichterstattung ignorieren, habemus biden. Und so.

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    1. Schätzelein, ich grüße zurück nach Kölle! Schlimm genug, dass nächstes Jahr kein Karneval möglich ist. (Insofern hatte die Wahl in Amerika also doch wohl ihren Zweck – et hätt jet von Klüngel jehabt.)
      Mir fehlt das rheinisch Gemütliche hier. Oder – um es mit Tommys Worten zu sagen: „Endlisch normaaaale Leute!“ Da muss ich im Dezember viiiiiiiiel auftanken, bevor es wieder gen Süden geht.
      In diesem Sinne – viel Spass (absichtlich mit doppel-s geschrieben, aber das versteht nur ein Rheinländer) un so, wa?

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