So, heute ist Schule angesagt. Und auch, wenn ich Präsenzunterricht bevorzuge, habe ich mich der Vernunft wegen schweren Herzens für das Webinar entschieden. Erstaunlicherweise funktioniert es dann aber doch sehr gut. Es ist nahezu hälftig, wie sich die Teilnehmer entschieden haben. Doch wir in der Online-Variante sind keineswegs vernachlässigt oder außen vor.

Ich mag die Dozentin. Manchmal setzt sie bei einer Frage unsererseits kurz an, winkt dann aber wieder ab. Als sie es erklärt, spricht sie mir aus der Seele: „Sie müssen sich das so vorstellen: Sie stellen eine Frage, und mir schießen etliche Gedanken ins Hirn rein. Und dann muss ich entscheiden, was zuerst aus dem Mund raus darf.“ So geht es mir auch ganz oft. Und in hübscher Regelmäßigkeit kommen mir Sachen über die Lippen, bei denen die Kontrollfunktion meines Hirns kläglich versagt hat. Wobei…das meiste ist schon in Ordnung so, wenn nicht gar voll bewusst so gewählt.
Ich beobachte das immer wieder an Menschen. Es gibt die, die einem eine Frage zackig beantworten. Und dann gibt es die, bei denen man merkt, wie sie sich quälen, nach der exakten Formulierung zu kramen. Ich rede nicht von den Rudolf Scharpings dieser Welt. (An alle Küken: Das war ein Politiker in grauer Vorzeit. Ruhig mal googeln. Das ist eine Herausforderung für jeden ADHSler.) Es sind Leute, die schon normalerweise flüssig reden, sich dann aber äußerst viel Zeit lassen und für jedes einzelne Wort länger als sonst brauchen. Manchmal sage ich dann auch: „Sag´ doch mal einfach das, was Dir spontan in den Sinn kommt und nicht die politisch korrekte Variante.“ Krass! Trump würde ich das exakte Gegenteil empfehlen. Wobei er ja auch kein Schnellredner ist, aber eben ein Mensch, bei dem das Hirn – so es denn vorhanden ist – keine Kontrollfunktion übernimmt. (Hübsche Randnotiz: Da ich ihn in den letzten Tagen ja mehrfach erwähnt habe, wird immer wieder ein Aufruf aus den Staaten auf meiner Seite registriert. Wenn ich jetzt noch „Corona“ schreibe, habe ich die USA und China in der Auflistung. Witzig, wie so was funktioniert.)
Was mich hingegen noch mehr irritiert, ist mein Mitschüler, dem ich ja gewisse Streber- und Einschleim-Tendenzen attestiert hatte. Er spricht immer wieder von „züschischen Störungen“. Nu komm´ isch ja auch aus´em Rheinland. Aber ich kann schon „ch“ und „sch“ auseinanderhalten und entsprechend artikulieren. Ich gebe zu, dass es bei Plosivlauten („p“ ist so ein Plosivlaut, ich Schlaumi-Schlumpf) bisweilen etwas schwieriger ist, wenn danach ein Zischlaut (nämlich „s“) kommt, aber als angehender Psychotherapeut sollte man meines Erachtens nach alle Bestandteile des Wortes „P-s-y-cho“ heraushören können…oder bin ich wieder zu kritisch? Ich weiß, dass das viele nicht so artikulieren können. Aber ich stelle mir vor, ich bin beim Gesundheitsamt und will die Prüfung ablegen. Die fragen: „Was ist Ihr Ziel?“ Er dann ganz tapfer:“Ich will züschotherapeutisch tätig werden.“ „Aha, wenn Sie was züchten wollen, was machen Sie dann hier?“ Aber richtig, nicht mein Problem. Mir fault nur wahrscheinlich irgendwann einmal die Zunge ab.

Da ich den ganzen Tag am Laptop saß, es nie ganz aufgeklart ist und nun auch schon die Nacht ihren Mantel über die westliche Hemisphäre gelegt hat (mei, ich wollt´s einfach mal poetisch ausdrücken), mache ich mir einfach einen schönen Abend und bin gespannt auf morgen. Immerhin will ich psychisch und züschisch stabil teilnehmen können.
Gehabt Euch wohl – was auch immer Ihr gerade tut. Poetische Auswüchse wieder auf Aus. 😉

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