Wisst Ihr, was der Nachteil von privaten Fortbildungen ist? Sie kosten Geld, viel Geld. Daher klingt eine Fortbildung auf Firmenkosten verlockend. Wisst Ihr, was der Nachteil ist? Nicht ich überweise das Geld, sondern die Firma. Und die scheint es da nicht so eilig zu haben. Entsprechend ist es saublöd, wenn ich dann heute Abend eine Erinnerung bekomme, dass die Kohle noch nicht angewiesen ist. Übermorgen geht es aber los. So was ist mir ja peinlich ohne Ende und würde mir im Traum nie einfallen. Aber es geht ja nicht „auf meinen Nacken“ – wie die jungen Leute heutzutage (bin ich etwa schon so alt?!) sagen. Kurzentschlossen rufe ich den Trainer an und entschuldige mich. Er ist richtig nett und reagiert verständnisvoll, was mich natürlich beruhigt. Trotzdem ist die Situation eine blöde. Mal schauen, ob unser Einkauf das morgen hinbekommt. Ich habe zwar frei, werde aber so lange telefonieren müssen, bis klar ist, ob sie es hinbekommen. Falls nicht, kann ich nicht am Training teilnehmen. Wenn das mal nicht saudämlich ist.

Dafür ist mein Chef heute auch wieder der Kracher. Er kommt zu mir ins Büro, um mir eine Kurzinfo über was zu geben. Das geht ja noch. Und dann fängt auch schon sein Genöle an: Wie ätzend alles laufe, wie viel Stress er habe, wie ungerecht alles für ihn sei usw. Auf Nachfrage räumt er ein, sich noch nicht das Video angeschaut zu haben, das knappe sieben Minuten dauert und ich ihm vor fast zwei Wochen gescchickt habe. Munition für die nächste Diskussion bei diesem Oberboss. Aber nein, der völlig Überlastete komme ja zu nichts. Ich weiß, er kann es mir ohnehin nicht mehr recht machen. Nur: Er versucht es ja auch nicht. Bei niemandem von seinen Mitarbeitern – ich bilde ja keine Ausnahme. Er ist zu allen gleich egozentrisch. Und so frage ich ihn (weil ich ihn ja heute das erste Mal live und in Farbe wiedersehe), was er denn dem Narzissten auf das Feedback zu meiner Person geantwortet habe? „Ääääh, nix.“ WHAAAAT???? Als er meine hochgezogene Augenbraue registriert, schiebt er hinterher: „Jooo, Du woast doch: Feedback nimmt ma, do soagt ma nix.“ Aaaaah ja. Feedback zur eigenen Person, ok. Da kann man sich so verhalten – wobei man auch da nachfragen kann, an welchem konkreten Beispiel sein Gegenüber eine Aussage festmachen würde. Aber wenn ein Typ von einer völlig anderen Abteilung Scheiße über meine Leute auskippen würde, würde ich mich immer vor meine Leute stellen. Jaaaaaa, aber das bringe doch nichts bei dem. Tja, stimmt. So hat es bei Hitler damals auch geheißen. JA DOCH! Ich weiß, dass das ein krasser und hinkender Vergleich ist. Und trotzdem ist das kein Verhalten. Beleidigt schaut er mich an (nein, ich habe Hitler nicht erwähnt!): „Und worum froagst des so? Domit schenkste mia oanen ei!“ Gerne würde ich ihm sagen: „Wie war das mit dem Feedbacknehmen noch gleich?!“ Aber stattdessen sage ich: „Tut mir leid, wenn Dich das jetzt trifft, aber meine Auffassung ist klar, dass ich da von Dir als meinem Chef Stellungnahme erwarte!“ Und dann heult er mich voll, dass ihm das ja gar nicht zustehe. Dieser Obermufti haben meinem Chef-Chef (ihm nicht unterstellt!) angeboten, ihn doch einmal zu coachen. Wer bis jetzt noch gedacht hat, ich übertreibe es mit der Diagnose „Narzisst“, versteht hoffentlich spätestens jetzt die anmaßende, narzisstische Persönlichkeitsstörung des Typens aus der anderen Abteilung?! Mein Chef-Chef hat sich das dann auch tatsächlich reingezogen, weil der Typ ja hierarchisch gesehen über ihm stehe. Entsetzt schaue ich meinen Chef an: „Weißt Du, was ich sagen würde? Danke für Dein Angebot, aber coachen lasse ich mich nur von jemandem, der mehr Expertise mitbringt, als ich sie auf dem Gebiet habe. Damit fällst Du raus. Danke, aber nein, danke.“ Da antwortet er doch glatt, ich könne das ja sagen, aber als Führungskraft gehe das nicht. Ja, wo sind wir denn mittlerweile angekommen?! Ich fass´ mir mal wieder ans Hirn (das ja nur auf der untersten Ebene funktioniert, weshalb mich der besagte Narzisst ja nicht auf Führungskräfte loslassen will, mit denen ich ja schon ewig und drei Tage arbeite.) Trocken ergänze ich, sie sollten sich doch einfach mal Eier wachsen lassen. Darüber grinst er dann. Oh man, das war kein Scherz, und das weiß er im Grunde auch. Aber er ist eben etwas einfach gestrickt, wobei ein paar Maschen fallen gelassen wurden.

Hier kann und werde ich nicht glücklich leben. Passt für mich, aber es dauert ja noch über ein Jahr, bis ich meine Weichen so gestellt habe, dass ich die Biege machen kann. Bis dahin fließt ja noch genug Wasser den Rhein/ die Isar/ die Donau oder welches Flüsschen auch immer runter. Und bis dahin gilt: Nicht entmutigen lassen! Mein Frustpegel wächst natürlich. Aaaaaaaaaber: Noch 3 1/2 Wochen, dann kann ich zu meiner Sis und Familie fahren. Dieses Jahr ist quasi gerettet. Danach gilt es, mich anderweitig motiviert zu halten. Drückt mir mal die Daumen, dass kein Blut fließen muss. Ich drück´ sie mir auch.

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