Manchmal regt mich mein Leben ja auf. Meistens ist es aber einfach nur witzig. Vermutlich liegt das daran, dass ich immer noch irgendwas Lustiges an der Situation entdecken kann. Mein bisweilen schräger Humor hat mir schon soooo oft aus den unterschiedlichsten doofen Lebenslagen herausgeholfen. Also: Ein Hoch auf den Humor – mit dem wir Rheinländer in der Regel ja etwas großzügiger bedacht worden sind. Was will ich mit Geld und schnödem Reichtum, wenn ich doch so reichlich gesegnet bin mit en bissken Spass, wa?

Und so nehme ich dann auch den heutigen Tag in Angriff. Ich weiß jetzt schon, dass ich mindestens zehn Stunden bei der Arbeit zubringen werde. Dabei habe ich schon ein fettes Plus auf meinem Zeitkonto. Und ja, ich gebe es zu: Morgen arbeite ich ja mobil und werde dann bescheißen. Denn ich darf morgen maximal drei Stunden arbeiten, Donnerstag dann gar nicht. Nur kann ich nicht alle Themen vernünftig abarbeiten. Entsprechend werde ich mehr arbeiten. Aber so eine Art von Bescheißen ist ja nichts, was mich juristische Folgen befürchten lässt. Und ja, ich kenne Arbeitsschutzgesetze. Nur ist keiner von denen, die das erfunden haben, mal Arbeitnehmer in einem Konzern gewesen, der in Kurzarbeit steckt. Die Theorie ist da immer ganz einfach, während die Praxis völlig anders aussieht. Und sind wir mal ehrlich: Hin und wieder ratschen wir ja auch und ziehen uns dafür auch keine Pause ab.

Irgendwann kommt die Kollegin, die am Ende des Jahres das Unternehmen verlassen muss, weil sie in der Arbeitnehmerüberlassung ist. Diese Stellen laufen komplett zum Ende des Jahres aus. Ich soll ja Aufgaben von ihr übernehmen, was sie kurz mit mir klären will. Sie ist keine Böse, aber irgendwie haben wir nie zu tieferen Gesprächen gefunden. Zum Einen redet sie wahnsinnig leise und wird während des Redens aufgrund von Unsicherheit immer noch leiser (so leise kann ich nicht mal flüstern!), zum Anderen ist sie auch nicht so die Unterhaltsame. Und – ich schäme mich – die hellste Kerze ist sie auch nicht, weshalb ich das Gespräch mit ihr nie gesucht habe. Aber heute bringt sie meine Stilblüte des Tages. Sie berichtet mir, wie sie den Werkern mal eine Ansage gemacht habe (ob sie da eine Flüstertüte dabei hatte?): „Da hat´s mir dann gereicht, weil sie alle nur geschwiegen haben. Da habe ich ihnen einfach mal Patrouille geboten!“ Es zuckt kurz, aber nur kurz. Ich habe es schnell wieder unter Kontrolle. Die Patrouille hätte ich gerne mal gesehen. Ob sie ein Gewehr dabei geschultert hat? Aaaaaah! Wieso können sich manche Menschen so schlecht Sprichwörter merken oder solche feststehenden Begriffe, wie „Paroli bieten“? Es war auch kein Versprecher. Nicht falsch verstehen, ich bin durchaus sehr dankbar für solche Momente. Aber ich rede doch auch nicht von irgendwelchen Motorbeschaffenheiten oder irgendeiner Art Technik, von der ich nicht mal ´nen blassen habe. Nen blassen was? Schimmel, vielleicht war es das Wort. Ja, ich glaube, es hieß „blassen Schimmel“. Wobei ist ein Schimmel nicht „persil“ blass, weil weiß? Oh man, ich höre schon auf, weil ich sonst in die Hölle komme. Da muss ich schon wegen so vieler Verfehlungen hin, da fällt das Lästern jetzt auch nicht mehr so arg ins Gewicht. Aber echt, hey!

Auf meiner Paroli-Patrouille am heutigen Tag (ich kann´s nicht lassen) stehen zum Glück nicht ganz so viele verschiedene Punkte. Ich kläre noch mal die letzten Details für den Ganztagesworkshop für nächste Woche ab. Der Auftraggeber freut sich wie Bolle. Im Prinzip tu´ ich das ja auch, aber ein bisschen Manschetten habe ich schon auch. Immerhin ist das zwar ein Gebiet, das mich sehr fasziniert, aber es ist nicht meine Komfortzone oder gar täglich Brot. Es geht viel darum, welche Stärken man beim anderen sieht, aber auch welche blinden Flecken. Die müssen ja nicht per se (oder heißt es nicht doch „persil“?) schlecht sein. So war mir zum Beispiel überhaupt nicht klar, dass ich auf andere in der Arbeit mutig wirke. Mutig? Warum denn das, bitte schön? Na, weil ich wohl nicht innerhalb der Grenzen bleibe, einfach geradeheraus bin und auch mal provoziere – gerade im Coaching. Oder so ein Workshop. Den würden die Kolleginnen sich nicht einfach mal zutrauen bzw. ausprobieren, wohin die Reise führt. Das würde ich ja nie mit Mut in Verbindung setzen. Mutig wäre für mich eher, wenn einer schwarz fährt. Gut, das wäre für mich mutig, aber nicht erstrebenswert. Aber ich finde mich nicht wirklich mutig, weil ich sonst schon längst selbständig wäre. Und außerdem wäre ich dann schon x-fach in Afrika als Voluntärin im Waisenhaus gewesen. So was verbinde ich mit Mut.
Ist es nicht spannend, sich solchen Anmerkungen einfach mal zu stellen? Und dazu möchte ich das Team in dem besagten Workshop ermutigen. Ha, da steckt ja auch „mutig“ drin. Ich mag so was total. Allerdings kenne ich nur drei von den zehn Leuten, die da zu mir in den Workshop kommen. Allesamt genießen den Ruf, Einzelkämpfer und Alpha-Tierchen zu sein. Das wird also herausfordernd…aber deswegen auch umso spannender.
Ich werde einfach schauen, was da so passieren wird. Ganz mutig – haha – bin ich ja auch immer in der Vorbereitung: Ich schiebe und schiebe, bis der Druck dann so groß wird, dass ich dringend loslegen muss. Und dann sprudle ich nur so. Allein heute habe ich 13 Flipcharts gepinselt. Und während dieses Vorgangs, rückt sich so alles an die richtige Stelle, bis ein fertiger Fahrplan steht. Doch der steht nur so lange, bis die Teilnehmer spontan was anderes brauchen. Dann wird improvisiert. Ach ja, ich hab´ echt einen an der Murmel. Aber ehrlich? Ist schön hier, auf meiner Murmelseite…zumindest meistens. Und bei Euch so?

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