Känger, ech bön mööch. Versteht keiner, hm? Macht nichts. Ich bin trotzdem müde. Heute ist mein freier Tag bzw. mein Kurzarbeitstag. Und was mache ich? Ich sitze stundenlang vor dem Handbuch, diversen Erklär-Videos, die sie einem freundlicherweise an die Hand geben, aber alle auf Englisch sind. Da sind Native Speaker dabei…puh, ich sag´s Euch! Wenn ich so ein Video in meiner Muttersprache drehen würde, würde ich dennoch auf meine Redegeschwindigkeit achten. Prinzipiell habe ich – gemäß meines Naturells – auch eine hohe Geschwindigkeit beim Reden. Aber wenn ich referiere, etwas schule und erkläre, dann passe ich meinen Redefluss an. Das machen wohl nicht alle Leute so. Schade. Und dann schaue ich ein Video von einem polnischen Herren, der Englisch spricht und denke mir, er könnte auch fast in seiner Muttersprache sprechen, den Unterschied würde ich dann auch nicht heraushören. Doch die Aussichten sind himmlisch: Ich habe nicht nur heute schon etliche Stunden investiert, ich darf das auch morgen noch machen. Und wenn es blöd läuft, muss ich sogar noch Sonntag ran. Hey, da schlägt mein kleines, verkohltes Herzchen doch fast schon wieder schneller.

Das Gute dabei: Draußen wird es heute nicht einmal richtig hell. Es liegt so eine Nebelsuppe über allem, dass es nicht mal verführerisch wirkt, mal rauszugehen. Nach Coronoa bin ich wahrscheinlich zu einem Gruftie mutiert. Home Office und diese Lernerei machen mich echt antriebsarm, was Bewegung betrifft. Nicht, dass ich sonst eine sportliche Ausgeburt bin – nee, nee. Aber ich habe mich einfach mehr bewegt. Mittlerweile ist der Gang durch die eigene Bude an manchen Tagen das Einzige, was ich an Bewegung vorzuweisen habe. Und wir reden hier von 52 m². Puh, wenn ich dann bei meiner Sis bin, wird die beim Spazieren wieder ein Tempo vorlegen, das mich alte Frau japsen lässt. Irgendwie verkehrte Welt, denn immerhin ist sie drei Jahre älter als ich. Gut, sie hat immer schon mehr Sport getrieben als ich, aber trotzdem. Das Alter macht sich echt bemerkbar. Mein Plan ist, im nächsten Jahr wieder aktiver zu werden. Ich habe es sogar mal geschafft, ein Dreivierteljahr über jeden zweiten Tag ins Fitness-Studio zu laufen. Da war ich dann deutlich fitter. Spaß hat es mir leider nie gemacht. Hatte ich erwähnt, dass mein kleines Trampolin echt gut in meine Bude passt? Ja, es lehnt platzsparend hochkant in meinem Wohn-Esszimmer. Hochkant bedeutet, dass man es erst kippen muss, bevor man darauf hüpfen kann, richtig. Aber immerhin habe ich es noch nicht rausgeschmissen. Oh man, was bewundere ich diese disziplinierten Menschen, die sogar behaupten, Sport würde ihnen Spaß machen. Oder meine eine Kollegin, die gerne in den Bergen wandern geht: „Weißt Du, diese erste Dreiviertelstunde bis Stunde frage ich mich immer, warum ich mir das überhaupt antue, aber dann habe ich mein Tempo gefunden und laufe gerne weiter.“ Mmmh, das klingt für mich so logisch, wie: „Die ersten vier Bier schmecken mir auch nicht, aber danach sind sie dann auf einmal lecker.“ Richtig, durch die ersten vier Bier quäle ich mich genausowenig, wie durch die erste Stunde beim Wandern in den Bergen. Außer am Strand, da kann ich kilometerweit laufen. Das geht ja auch barfuß, ist ebenerdig, und das Meer ist immer sichtbar. Hallo?! Das sind ja mal ganz andere Voraussetzungen.

Wenn ich so ans nächste Jahr denke, empfinde ich das gerade auch als Bergbesteigung…aber eher so nach der Art Mount Everst. Wie will ich da ohne Sauerstoffmaske durchkommen? Wenn ich jetzt schon bei dieser Prüfung für die Arbeit verkacke (ja doch, 80 % ist nicht wirkliches Verkacken), dann zitter´ ich so langsam doch etwas, wenn ich an die Prüfung sämtlicher psychischer Krankheitsbilder denke…und welche Verfahren man da anwenden kann und warum. Na, den Berg habe ich mir ja selbst ausgesucht, ich weiß. Nur, wenn ich – wie heute – stundenlang hier sitze und lerne/lese/schaue, dann finde ich solche Tage nicht so wirklich erhellend. Ich bin da eher der praktische Typ und möchte ausprobieren. Diese Therorien mögen ja alle ihre Daseinsberechtigungen haben, aber Bulimie-Lernen ist so was von out! Naja, ich nöle mal besser nicht weiter rum, sondern schaue mal nach, ob der Postbote da war und was er mir denn gebracht hat. Immerhin laufe ich dafür zwei Stockwerke runter und wieder rauf. Mehr ist heute nicht drin…außer noch ein bisschen Lernen.
Bald, bald beginnen meine Ferien. Mir tut meine Familie jetzt schon leid, weil ich im Ausgleich zu meiner angespannten Zeit ganz viel Gesellschaftsspiele spielen will, unendlich lange quatschen und dabei trillionen Fragen stellen werde sowie tausend Umarmungen nachholen muss. Naja, sie hatten ja monatelang Ruhe vor mir, gell? Ach, Corona hat doch auch sein Gutes: Wir müssen mehr Zuhause bleiben und können nicht vor dem Tantchen einfach so weglaufen. Juchuuuu! Das nenne ich mal ausgleichende Gerechtigkeit bei fehlender sportlicher Ausprägung.

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