Heute geht es nicht ganz so früh los, dafür aber dann umso effizienter. Nach dem Frühstück geht’s los: Der Große hat zwei Kumpels da, die in Eichenbalken den Ortsnamen eingravieren und so Bänke fürs Dorf herstellen. Das sieht echt cool aus, aber was ich so geil daran finde: Sie tun was Vernünftiges, verstehen sich prima und sind echt handwerklich geschickt. Da bin ich ja immer platt, weil ich zwei linke Hände habe. Und in dem Alter meiner Neffen hätte ich auf so was keinen Nerv gehabt. Aber es ist auch etwas anderes, wenn man gerne Zuhause ist, sich verwurzelt fühlt und sich nicht fürs Elternhaus schämt. Egal, ich platze auf jeden Fall vor Stolz auf meine Neffen – auch wenn ich ja nicht für ihre Erziehung verantwortlich zeichne. Naja, immerhin haben sie die meisten Schimpfwörter von mir. Ist ja auch wichtig beim Fluchen.

Wir bestücken zunächst mal den Dutch Oven, der dann auf den Grill kommt. Die Jungs müssen ja später auch satt werden, wenn sie jetzt schon bei Schlagermusik hart arbeiten. Ihre Vorliebe für Schlager haben sie definitiv nicht von mir. Bei dem Großen läuft in der Arbeit immer Rock. Dahingehend habe ich ja versucht, auf sie einzuwirken…woran ich wohl doch gescheitert bin. Denn der Große ist genervt von Rockmusik tagsüber. Schlimm… richtig schlimm. Aber jeder braucht ja so seine Fehler, gell? Sonst würden ja alle Heinz heißen müssen – haha, schlechter Scherz, ich weiß.

Und dann endlich können wir Spritzgebäck backen. Da kommen echt Kindheitserinnerungen in mir hoch. Das hat immer schon dazugehört. Meine Mom hat uns früher immer gesagt, die Engel würden im Himmel gerade backen, wenn der Himmel so wunderschön bunt glühte. In den letzten Wochen sehe ich diese Art Himmel immer öfter und denke: Ach, da backen die oben ja wieder. Meine liebe Omma hatte quasi das ganze Jahr über Spritzgebäck, was sie in Quality-Street-Dosen aufbewahrt hat. Und immer, wenn wir an ihrem Haus vorbeigegangen sind, hat sie die Tür aufgerissen und gefragt: „Du gehst doch wohl nicht bei Omma vorbei, ohne hallo zu sagen?“ Dann ist man kurz reingesprungen, hat sich ein paar Plätzchen aus der Dose genommen und ist munter mampfend weitergezogen. Das war schon immer besonders mit der lieben Omma. Die sitzt bestimmt oben auf einer Wolke, mümmelt Plätzchen und baumelt mit den Beinen. Ich hoffe, sie hat’s warm. Denn frösteln fand sie immer schlimm.

Spätnachmittags näht meine Sis noch mal was, während ich lese. Ich habe ein Buch zwischen, bei dem ich lachen muss, was meine Sis sich zwischendurch verwundert umdrehen lässt. Und dann rollen meine Tränen, weil mich das Geschriebene so berührt… und mich an mich erinnert. Hach, manche Menschen schreiben sich direkt ins Herz. Dafür bin ich dankbar. Und mit dieser Dankbarkeit geh ich jetzt schlafen.

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