Weihnachten… so wirklich fühlt sich das für mich nicht mehr an. Als die Jungs klein waren, war das alles viel lustiger. Sie waren immer völlig überdreht und aufgeregt. Alles verpufft. Irgendwie schade, dass man das nicht konservieren kann. Das würde ich sonst regelmäßig rauskramen. Ich zähle einfach mal darauf, dass die Jungs irgendwann selbst mal Kinder haben werden… und ich das – zumindest teilweise – dann auch miterleben werde. Kinder sind einfach unübertroffen an Weihnachten – mit all den Tränen, der Überzuckerung und dem Leuchten in den Augen.

Heute Mittag statten wir den Nachbarn einen Besuch ab, weil wir Geschenke für sie haben. Es ist Punkt 12 Uhr, aber der Nachbar liegt tatsächlich noch im Bett. Wenn er jetzt gerade mal 18 Jahre alt wäre, könnte ich das noch irgendwie nachvollziehen, aber er ist Anfang 50. Heiligabend hat er mit seiner Lebensgefährtin bei seinem Vater gefeiert.. und ordentlich gebechert. Mmmh… so was verstehe ich nie so recht. Aber jedem Tierchen sein Pläsierchen, richtig? Was für mich so gar nicht geht, ist wenn jemand ein Morgenmuffel ist – und das auch noch um die Mittagszeit! So was würde ich aussetzen. Keine Ahnung, wo ich den aussetzen würde, aber höchstwahrscheinlich weit weg. Ernsthaft: Ich hätte keine Lust, mich morgens schon angrummeln zu lassen.

Eine Alternative zu einfachen Besäufnissen zu Heiligabend gibt es auch. Gegen Mittag klingelt der Freund des Großen kurz und bringt eine als Geschenk verpackte Kiste Bier vorbei. Da die Eltern getrennt sind, ist es ein reiner Männerhaushalt – Vater und drei Jungs. Sie haben Heiligabend eine Frittier-Tradition. Drei Stunden lang frittieren sie, was man so frittieren kann – natürlich mit viel holländischem Kram (Kipcorn, Bitterballen, Fleischkroketten…). Da würde ich ja spucken ohne Ende. Um den Magen zu besänftigen, gibt es dazu Williams Christ. Ok Christ und Heiligabend, da gibt es durchaus eine Verbindung für mich. So ein Abend wäre trotzdem nichts für mich, doch er hört sich zumindest lustig an. Überhaupt ist das Kerlchen so ein ewiger Gute-Laune-Versprüher. Den mag ich richtig gern. Seinen Pornonbalken – oder auch „Schnörres“ genannt – züchtet er nun schon seit zweieinhalb Wochen… nur sieht man davon nicht wirklich was, weil der Flaum blond ist. Ich biete ihm Haarfärbemittel an, aber das hat er schon bei ähnlichem Angebot seitens seiner Mutter abgelehnt.

Am späten Nachmittag kommt meine Cousine mit ihrem neuen Partner vorbei. Er ist quasi ihre Jugendliebe, nur haben die beiden zwischenzeitlich andere Partner geheiratet. Mittlerweile waren sie dann beide Single und haben sich sozusagen „wiedergefunden“. Der Kleine hört von der Geschichte und haut in seiner furztrockenen Art raus: „Hey, datt is ja voll die Rosamunde Pilcher Geschichte!“ Brüller!!! Als die beiden ankommen, bin ich noch allein Zuhaus und erzähle es ihnen sofort. Zunächst denken wir uns schottische Namen für die Handlung aus und stellen uns vor, wie er mit wallender Mähne durch die Highlands reitet. Aber dann wird er übermütig, weil er doch lieber einen Hollywoodstreifen drehen will. Ääääh… hallo?! Ich biete an, das Drehbuch zu schreiben, aber für Hollywood müsste es dramatischer sein… irgendwelche Gliedmaßen amputiert werden oder er müsste geblendet werden. Er möchte lieber, dass meine Cousine eine todbringende Krankheit hat und die Liebe sie retten würde. Tse… das ist dann wohl doch ein bisschen dick aufgetragen. Die Jungs trudeln so langsam ein, und wir berichten dem Kleinen, dass ich natürlich gepetzt hätte und wir über einen Film nachdenken würden, woraufhin er wieder trocken raushaut: „Sagen wir Roland Kaiser doch Bescheid, dann schreibt der dazu noch ein passendes Lied.“ Den will man doch klauen, oder? Gut, mit seinen fast 1,90 m kann man den nicht mehr unbemerkt einstecken, aber auf einen Versuch könnte man es doch ankommen lassen?

Ach, so was mag ich. Nur leider bleibt viel zu wenig Zeit. Andernfalls hätten wir noch gemeinsam spielen können. Bei meinen früheren Spieleabenden (in der Regel zu Karfreitag, aber auch schon zu Silvester oder einfach zwischendurch) waren die Jungs früher auch oft dabei und hatten immer jede Menge Spaß. Ob wir das im Alter umdrehen und mit deren Freunden spielen, wenn wir im Altersheim hocken? Die Vorstellung hat doch was, will ich meinen, oder? So gesehen freue ich mich aufs Älterwerden.

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