Heute Morgen will ich mich beeilen, um Brötchen zu holen. Ja, richtig. Am zweiten Weihnachtstag – welch Frevel. Mein Schwager hat beim Ordnungsamt eine Anfrage erhalten, ob das erlaubt sei, was es wohl ist. Eigentlich war der Plan, gestern Abend Hefeteig für Brötchen anzusetzen. Wir wollten erst was schnabulieren, bevor wir das machen. Nur wurden wir dann überfallen. Zunächst kam der Patenonkel des Kleinen, unser Cousin, unangekündigt vorbei. Vorher war ja meine Cousine mit Rosamunde Pilcher da gewesen, was nach viel zu langer Zeit viel zu kurz war. Und das hat sie wohl ähnlich empfunden. Es klingelt Sturm, woraufhin wir uns alle überrascht anschauen. Die beiden stehen wieder vor der Tür, denn sie haben ihren Bruder zum Bahnhof gebracht und kurz zuvor eine Kuchenform bei uns vergessen. Da ist es nur sinnvoll, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. Der Große hatte seiner Freundin kurz zuvor noch erzählt, wie oft es früher hier Treffen gegeben hätte, wenn ich zu Besuch war. Tja… kaum war’s gesprochen, wurde der Wunsch schon erfüllt. Damit der Neue in der Familie gebührend aufgenommen werden kann, packen wir alle möglichen Geschichten aus… Meine Cousine und ich haben nämlich eine durchaus bewegte gemeinsame Vergangenheit. Zu Studizeiten, als sie in Bonn wohnte, war sie nahezu jedes Wochenende bei mir in Aachen. Wir haben manchen kranken Physiker kennengelernt, Cyder im Guinness House getrunken, Spieleabende veranstaltet und…äääh, Chat- und Internetbekannschaften gemacht. Alter, war das eine teilweise kranke Zeit. Alle Dönekes geben wir nicht zum Besten – immerhin sind meine Neffen, Schwester und Schwager dabei. Wenn man, seit man 16 ist, mit ein und demselben Mann zusammen ist, dann versteht man die andere Welt nicht so gut… Ich will schließlich nicht, dass sich meine Sis noch nachträglich Sorgen macht. Ist ja auch alles schon lange vorbei. Die alten Geschichten haben durchaus Unterhaltungswert… nicht immer im jeweiligen Moment, aber Jahre später mit Abstand? Definitiv!

Unser ungeplantes Treffen ist nicht wirklich Auflagen konform… aber wir sehen uns so selten, dass ich es ohne schlechtes Gewissen genieße. Ein bisschen was für die Seele braucht’s eben auch. Daher ist es ok für mich bzw. tut mir verdammt gut. Dafür sind wir heute alle brav Zuhause – ohne jeglichen Besuch. Nur fehlt eben der Brötchenteig. Ich fahre also los – und… nichts. Es ist nichts geöffnet. Aber die hatten doch beim Amt nachgefragt?! Ich überlege, den Kochlöffel rauszukramen und meinen Schwager übers Knie zu legen. Doch dann entsinne ich mich, dass er stärker ist. Da die eine Bäckerei geschlossen ist, versuche ich es bei einer anderen und finde die einzig offene. Die Schlange ist lang – wen wundert’s? Als ich dran bin, werde ich auch enttäuscht. Nahezu alles ist weg – bis auf die Vorbestellungen. Und so ergatter‘ ich nur drei Restebrötchen und zwei Croissants. Der Herr vor mir hat auch nicht vorbestellt und kauft 10 einfache Brötchen. Da die aber nicht so wunderschön aussehen, fragt er tatsächlich nach einem Rabatt!!! Das haut mir das Blech weg. Ihm wird sogar ein Nachlass gewährt. Hammer… so was finde ich echt kackdreist. Da haben die hier schon geöffnet und arbeiten an so einem Tag, da muss man nicht noch feilschen. Kann doch echt nicht wahr sein! Aber Frechheit scheint zu siegen – leider. Ich zahle den vollen Preis für die paar Dinger und düse heimwärts.

Meine Neffen ärgern mich ganz schön. Der Große (ich weiß, dass Du das liest!) kitzelt mich ständig, was ich wie die Pest hasse. Aber er ist leider in einen Zaubertrank gefallen und echt stark. Ganz schön undankbares Verhalten für jemanden, den ich häufiger auf dem Arm hatte, dessen Windeln ich gewechselt habe und vieles mehr (ich sage nur: Milchkotze im Ausschnitt!). 😂 Dabei fallen einem irgendwann die Arme ab, wenn man das Tantchen nicht ehrt, sondern ärgert. Und dauernd fragen sie, wie die Kleinkinder: „Was machen wir jetzt? Samma: Was machen wir JETZT?“ Aber ich kann mich ja wehren. Und so schleiche ich mich an den Kleinen ran, der auf seinem Bett rumlungert, und werfe mich auf ihn. Mit einer perfekten Knutschattacke setze ich ihn schachmatt. Gekonnt ist gekonnt. Da ich allerdings die Rache fürchte, lasse ich zügig von ihm ab. Und so beantworte ich die gefühlt zum 60. Mal allein heute gestellte Frage, was wir jetzt machen, mit: „Spielen!“ Schwuppdiwupp hocken wir uns zu dritt hin und spielen wieder Spiel des Lebens. Ich glaube, das haben wir als Kinder nie so oft gespielt, wie wir das in den letzten Tagen tun. Auch gestern haben wir das noch gespielt, als dann alle schon weg waren. Da wir aber alle mitgespielt haben, hatten wir ein Auto zu wenig, in das man seine Spielfigur hineinstecken kann. (Wenn ich das so lese, klingt es irgendwie pervers….?) Und da entdecke ich die schokolierte Aprikosenwagenvariante. Ja, in genau so eine wird meine Spielfigur gepiekst… samt Mann und einem Kind im Laufe des Spiels. Und während sonst immer Fragen kommen, wer welches Auto hat, ist das bei mir überflüssig. Und zuguterletzt kann ich das Ding dann auch noch essen. Das nenne ich mal gelebte Nachhaltigkeit! Anstatt also Greta zum Ende des Jahres zu huldigen, sollten Jauch oder Gottschalk lieber mal mich der Welt vorstellen. Was meint Ihr, wie lustig das werden würde! Kann denen mal einer Bescheid sagen?!

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