Heute wird wieder malocht. Es ist zwar saukalt, aber die Jungs scharren mit den Hufen. Das ist schon süß anzusehen. Ich kann sie gut verstehen. Ich freu mich hingegen, für mehrere kochen zu können. Kurzerhand entscheide ich mich für Lasagne, wozu mir aber noch zwei Zutaten fehlen. Ich fahre einkaufen und empfinde es als nicht so dramatisch und überfüllt, wie ursprünglich erwartet. Und da ich mich auf das Schlimmste eingestellt habe, bin ich echt gechillt. Das gilt natürlich nicht für alle anderen im Laden. Viele hassen es ja auch, einzukaufen. Ich hingegen mag es und mache nebenbei meine Sozialstudien. Besonders gefällt mir heute ein Herr mittleren Alters, der es doch tatsächlich schafft, den Wagen immer schön mittig im Gang zu platzieren, damit man weder rechts noch links dran vorbeiziehen kann. Ich bewundere Menschen ja immer, die ihre komplette Umwelt so vollkommen ausblenden können. Ich kann das echt nicht und leide manchmal regelrecht unter der Reizüberflutung um mich herum. Ich höre Flöhe husten, kriege Gespräche an Nachbartischen mit und bemerke suchende Blicke. So lerne ich zwar auch oft viele Menschen kennen, bin andererseits aber meistens angespannt und schnell nervös. Und irgendwie schaffe ich es nicht, das abzustellen. Naja…noch ein Lernfeld. Es werden immer mehr. Ich muss also noch lange leben. 🤷‍♀️ Ach, es gibt Schlimmeres.

Ich gehe zielstrebig durch den Laden, packe meine Sachen ein und steuere die Kasse an. Vor mir legt eine Dame das komplette Band voll. So weit, so gut. Sie zahlt, ich ziehe vor und bemerke ein Pfund Reis auf dem Boden. Das hebe ich auf und sage der Kassiererin, dass dies nicht meins sei. Sie fragt die vorherige Kundin, die gerade rausschlappen will, ob das ihr Reis sei? Ach ja, den würde sie noch schnell bezahlen. Tja, und das geht nicht so einfach, da die Verkäuferin schon die ersten Waren von meinem Einkauf eingescannt hat. Sie fragt die Kollegin an der Nachbarkasse, ob diese kurz kassieren könne, was die bestätigt, doch da schnappt die Kundin schon: „Dann eben nicht!“ Die Verkäuferin erklärt, sie könne doch an die Nebenkasse gehen, doch es folgt ein: „Nein! Behalten Sie es!“ Und dazu rauscht sie raus. Oh man! Was muss sich eine Kassiererin eigentlich alles so am Tag anhören? Ich frage sie: „Na, Sie haben ja heute nur entspannte, gut gelaunte Kunden, hm?“ Sie verdreht die Augen: „Ich hab’s meinem Mann gestern schon gesagt, dass heute wieder alle durchdrehen. Immerhin waren ganze drei Tage geschlossen, bevor der Sonntag dann auch noch kam. Das geht ja gar nicht!“ Die Armen tun mir echt leid – also die Verkäuferinnen, nicht die Kunden. Ich würde das nicht lange durchhalten, sondern müsste dann zurückschießen, wenn die Kunden einen anranzen.

Zuhause koche ich, während die Jungs fleißig werkeln und meine Sis endlich mal für Schriftkram an den PC kann. Der Kleine schaut irgendwann zum Fenster rein und fragt: „Ist das die einzige Auflaufform, die Du machst???“ In solchen Momenten möchte ich ihn hauen. Er steht die meiste Zeit rum, haut die Klopper am Fließband raus und macht einen auf dicke Eier. Mein Blick schießt Blitze, was er wohl bemerkt. Meine Sis hatte einen Pott Kartoffelsuppe für heute rausgeholt, als wir dann endlich erfahren durften, dass die zwei anderen Jungs heute antanzen würden. Daraufhin mussten wir ja noch was Zusätzliches finden, daher die Lasagne. In solchen Momenten denke ich dann aber auch, wie toll das damals bei den Höhlenmenschen gewesen sein muss. Der Ömmes war tagelang weg und durfte nur wiederkommen, wenn er was erlegt hatte. Kam er nicht zurück, hat ihn der Säbelzahntiger geholt. Auch kein Verlust. Aber zurück zum Essen: Ich habe hier einen ganzen Liter Bechamelsoße gekocht und drübergekippt. Das kriegen die zu fünft nie auf. Ääääh… doch. Zwei essen sogar noch einen Teller Suppe vorab… und man sieht auch, dass sie wahrlich stopfen. Aber es geht alles weg – inklusive Nachtisch. Nur der Salat wird schön ignoriert. Klar, man könnte sich ja auch eine Vitaminvergiftung zuziehen. Doch es ist ja so: Ein schöneres Kompliment kann man nicht bekommen, als dieses, dass sie zulangen, als gäb’s kein morgen. Also? Bin ich zufrieden und hab alle wieder lieb.

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