Was für ein Tag. Und ich mittendrin. Da heute ja mein Geburtstag ist, daher hab ich in weiser Voraussicht Brötchen bestellt, die mein großer Neffe und seine Süße heute auf ihrer kurzen Anreise abholen. Ich kann es also ruhig angehen lassen. Der zweite Anruf – zum Glück nicht per Videotelefonie, da ich noch in Unterwäsche rumspringe – bringt mir ein Ständchen auf Öcher Platt. Klingt schmeichelhaft, ich schätze es auch, aber „häs Jebortstach, au Huur“ ist jetzt nicht das Netteste, gell? 😉 aber trotzdem: DANKE! Es bleibt auch fast das einzige Ständchen. Nur aus Nürnberg kriege ich noch was vorgesungen. Es gibt ja Menschen, die kann man einfach nur lieb haben, selbst wenn man sie lange nicht gesehen oder gehört hat. Da gibt’s auch keine Pausen, kein schlechtes Gewissen, sondern nur ein wohliges Gefühl. Apropos wohliges Gefühl: Genau das ist es, was ich empfinde, als die kleine Maus meines großen Neffen mit einem fetten Schokokuchen in der Hand dasteht. Schokolade erreicht doch jedes Herz… also meins auf jeden Fall. Vermutlich fließt durch meine Adern auch kein Blut, sondern ausschließlich Schoki. Wer will das schon so genau wissen?

Gerade fertig mit dem Frühstück, klingelt es zum ersten Mal an der Tür. Und da steht einer der Freunde der Jungs vor der Tür, der auch mit uns die Herr der Ringe Nacht gemacht hat und zum Handwerken hier war. Ich denke noch, dass die Jungs mich veräppeln, weil sie sagen, er sei meinetwegen hier. Aber er bestätigt das und hat Ferrero Küsschen und Glücksklee dabei. Ist das nicht süß?! Ich bin echt hin und weg.

Nachrichten und Telefonate wechseln sich ab über Tag. Ich komme zu… ja, was eigentlich? Nix kriege ich hin. Und da klingelt’s auch schon wieder an der Tür. Die Nachbarn stehen vor der Tür und haben Bier im Gepäck – sie wollen auf meinen Geburtstag anstoßen. Naja, was soll ich sagen? Es bleibt nicht bei einem Bier. Der Marillenschnaps ruft um Aufmerksamkeit heischend laut aus dem Schrank – mehrfach. Da wollen wir ja nicht hartherzig sein, oder? Und der Birnen-Zwetschgen-Likör will dann auch noch mitmischen – auch mehrfach. Wie ist der korrekte Verlauf bei Alkoholgebrauch: Zunächst erfolgt der Verlust der Muttersprache, dann schwarz-weiß-Empfang. Is klar, oder?

Die Jungs hocken dabei, während wir dann olle Kamelle bekakeln. Irgendwann reden wir dann auch darüber, wie die Jugendlichen derzeit mit den Alten auf der Hütte hocken müssen, was bestimmt eine Herausforderung sein muss. Keine Ahnung, ob’s an der Marille liegt, aber es kommt das Thema der Aufklärung auf. Ganz früher gab es Heftchen, bevor dann VHS-Kassetten Einzug hielten. Heute gehen sie ins world wide web – ganz einfach und doch so weit weg von der Realität. Wir reden von den guten alten Pornos. Jungs, die dann zu zehnt so einen Film angeschaut haben. Und mir geht ein Licht auf: Ach, DAS haben die Jungs früher gemacht, wenn sie sich getroffen haben. Wir haben uns geschminkt, zu Musik getanzt oder wichtige Themen gewälzt (Jungs). Wir hatten ja keine Ahnung! Der Nachbar erinnert sich dabei an seine Ausbildungszeit, wo Porno-Egon seinen Wagen in der Werkstatt abgegeben hat. Woher der Name kam? Niemand kann sich an dessen Nachnamen erinnern, aber an den Kofferraum, in dem etliche Schmuddelheftchen lagen. Da mussten sie natürlich erstmal den Luftdruck des Reservereifens dringend prüfen. Spätestens jetzt kann sich wohl jeder vorstellen, wie sehr wir hier gackern. Ich lerne einen neuen Spruch, der mir gefällt, als wir über einen Dünnbrettbohrer quatschen. „Da geht nicht mal ein Eichhörnchen ran, denn die gehen an keine hohlen Nüsse.“ Der gefällt mir… und dazu fallen mir einige Menschen ein. Arme Eichhörnchen… Meine Neffen halten gut mit und bringen uns auch neue Trinksprüche bei, wie: „Prost – egal, wo sie hängen“. Ach ja, da werde ich 44 und lerne so vieles an einem einzigen Tag.

Unser geplantes Raclette lassen wir ausfallen. Alle verlassen das Haus, wir bleiben zu dritt zurück und machen uns was Schnelles zu essen. Wir lassen das Jahr Revue passieren. Ich könnte schon um 20 Uhr ins Bett. Aber wir bleiben noch wach. Und bevor es jetzt so weit ist, wünsche ich Euch einen guten Rutsch in ein hoffentlich bald normaleres, gesundes, spannendes, neues Jahr. Viel Spaß Euch allen bei allem, was Ihr so treibt.

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