Meine Formulierung des Tages: „Ob die Nachricht verfängt“… Äääh, geht’s nur mir so? Einer sagt so was in den Nachrichten, und alle anderen Sender übernehmen dies dann flächendeckend. Dabei sitze ich in solchen Momenten hier und überlege, was die Aussage davon sein soll? Es geht um die katastrophale Stürmung des Capitols in Washington. Gemeint ist die Videobotschaft Trumps nach expliziter Aufforderung Bidens, die Demonstranten sollen doch nach Hause gehen. Ich wünsche mir echt mehr klare Formulierungen – von Medien, Politikern und allen in der Öffentlichkeit Stehenden. Kann ja nicht so schwer sein, oder? Ärzte und einige abgedrehte Professoren sind ja schon für ihre unnahbare, wenig an anderen Menschen orientierte Sprache bekannt. Das reicht doch vollkommen aus. Mehr von so was braucht es nicht.

Ähnlich war es letztes Jahr, als es einen Anschlag gab und die Redewendung in den Nachrichten aufkam: „Der islamische Staat reklamiert diesen Anschlag für sich.“ Bis dato hieß es eher, dass sie sich zum Anschlag bekennen würden oder ähnliches. Das konnte jeder nachvollziehen, ohne auf der Formulierung erst herumkauen zu müssen. Und ja, ich habe gestern selbst geschrieben, dass ich gerne neue Wörter kreiere. Aber ich bin auch kein Nachrichtensprecher, der dem Volk aktuelle Informationen und Geschehnisse aufbereiten muss.

Das Wort „vulnerabel“, über das ich hier ja auch schon mal berichtet habe, wurde zum Teil auch nach Merkels Ansprache übernommen, nur nicht ganz so flächendeckend. Ich finde es immer wieder spannend, wenn die Medien eine neue Redewendung aufnehmen und dann ganz viele auf den Zug aufspringen. Vor Jahren war es „ein Stück weit“, worüber sich ein Freund von mir immer noch aufregt. Der Ursprung war in der Politik zu finden. Es ist mittlerweile in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen worden, denn ja: Sprache entwickelt sich. Auch ich habe diese falsche Redewendung übernommen. Ich mag es nur nicht, wenn manche sich besonders wichtig machen wollen und Worthülsen noch weiter aufplustern, weil sie im Grunde selbst keine Ahnung haben. „Echauffieren“ nervt mich ebenso wie „despektierlich“, aber das sind immerhin Worte, die die meisten Menschen verstehen. Bei „Subsidiaritätsprinzip“ steigt mir allerdings nach wie vor die Galle so richtig hoch.

Auf der anderen Seite gruselt es mich dann, wenn Promis nicht mehr in der Lage sind, den Dativ zu nutzen: „Da geht es einen schon mal an die Substanz.“ Aaaaah! „Die kommen einen da ganz blöd.“ MmMmMmMmMmMmMmMmM! Diese „m“ sind für alle die, denen der Buchstabe abhanden gekommen ist. Ein weiteres Gräuel (heute so geschrieben möglich, bis 1996 nur als „Greuel“ richtig): Der Tod des Genitivs. Es hieß einmal: „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod.“ Das ist so leider nicht mehr korrekt, sondern müsste heute lauten: „Der Akkusativ ist den Genitiv und den Dativ der ihre Tode – oder so, Alta!“ „Wegen“ fordert den Genitiv. Da das viele nicht hinbekommen, haben sie zunächst den Dativ dafür herangezogen: „Wegen dem Wetter ist mir (oder rheinisch: mich) kalt.“ Dank der Menschen, wie Verona Pooth oder nahezu alle auf RTL2 gezeigten Z-Promis, heißt es mittlerweile dann aber: „Wegen den Gehalt, ist Mitte den Monat (auch hier getöteter Genitiv) nix mehr da.“ Dann können wir gleich Amis werden, die nur über einen bestimmten (the) und einen unbestimmten (a) Artikel verfügen, obwohl der unbestimmte noch mal unterteilt ist. Denn wenn das nächste Wort mit einem Vokal beginnt (a, e, i, o, u), wird einfach ein „n“ angehängt. Ihr seht schon, ich schreibe mich gerade so richtig in Rage.

Sprache ist etwas Tolles. Und sie soll und muss lebendig sein. Es dürfen und müssen auch neue Wortschöpfungen her, weil sich ja ebenso alles um uns herum wandelt und weiterentwickelt. Nur wünschte ich, unsere Grammatik würde nicht so verkommen und Medien sich verständlicher Sprache bedienen, statt einen auf überlegen zu machen. Kann doch im Grunde nicht so schwer sein, oder?

Genug rumgegrotzt (auch ein nicht existentes Wort, das ich trotzdem nutze). Es gibt auch andere Themen, wie beispielsweise Trumps angebliche Freude über das gestrige aggressive Chaos. Wieso weckt den morgens eigentlich keiner mit einem Spaten? Zwischendurch habe ich ja durchaus die Möglichkeit erwogen, ob der Psychiater Manfred Lütz richtig lag und Trump nicht als Narzissten anerkennen zu wollen, sondern ihm einfach die Abwesenheit jeglicher Moral attestierte. Mittlerweile glaube ich aber, er muss krank sein, weil kein Mensch so menschenverachtend sein kann. Da sind wohl viele gespannt, wie es weitergeht.

Die Vögel draußen schert es herzlich wenig, über was wir uns die Haare raufen. Die Meisen und ein paar hiergebliebene Spatzen sausen auf Nahrungssuche umher. Und auch der lustige Buntspecht düst herum. Bei meiner Sis hat er das Loch des Vogelhäuschens größer gehämmert. Dumm ist er ja nicht – sehr zur Aufregung meiner Sis, die auf der Seite der Meisen steht. Und da haben wir es wieder: Jeder ist gefühlt auf irgendeiner Seite: Sei es bei den Vögelchen, in politischen Lagern oder bei der Rettung unserer wunderbaren Sprache, bei der ich echt pedantisch bin und zur Ameisentätowiererin mutiere. Jeder eben so, wie seine Macke gelagert ist. Ach, das hat was.

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