Es ist Samstag. Draußen schneit es sanft vor sich hin. Nirgends sehe ich ein Licht in den Wohnungen um mich herum. Da wird auch keiner Schule haben, wie es bei mir der Fall ist. Ach ja, selbstgewähltes Schicksal. Ich frühstücke und statte mich mit Kaffee und Tee aus, nur um zu warten…und zu warten… Wie lange machen wir das bereits mit den Online-Veranstaltungen? Aber das Institut schafft es dennoch nicht so richtig. Ich warte nun seit einer halben Stunde auf den Start des Seminars. Und Geduld ist ja meine Freundin. Sie und ich sind ja soooo dicke miteinander. Wie sagt der Maulwurfn so schön: „Ja nix lake, lake, hahaha!“
Da mein Thema heute Entwicklungspathologie heißt, gehört das vielleicht zum Programm? So kann sich bei mir etwas Pathologisches entwickeln. Ob es förderlich ist, meinen Kaffee ganz schnell zu trinken? Weil ich ja sonst nichts zu tun habe, ist der Thermobecher nämlich gleich schon leer. So war das früher mit meinem kleinen Neffen, wenn wir ins Kino gegangen sind. Ich habe beiden eingetrichtert, nicht die komplette Limo auf einmal zu trinken. Ja, ich habe zu den Tanten gehört, die die Kinder mit Zucker verwöhnt hat. Wozu ist eine Tante sonst gut, wenn nicht für all die Sachen, die Spaß machen (und verboten) sind? Der Große hat sich daran gehalten. Der Kleine hingegen? Fehlanzeige. Er hatte alles immer schon weg, bevor der Film losging. Und dann musste er nach fünf Minuten auf Toilette. Mit drei, vier und fünf Jahren, hat er sich dann allerdings nicht getraut, allein aus dem großen Saal zur Toilette und wieder zurückzufinden. Der fehlende Orientierungssinn meinerseits hat sich also weitervererbt. Ist doch auch was. Wenn ich mal irgendwann nicht mehr bin und er etwas nicht findet, wird er sich erinnern und sagen: „Wisst Ihr noch, wie das mit meiner verrückten Tante war?“ Na, da hinterlasse ich ja doch etwas, oder? Übrigens: Wir sind jetzt bei 38 Minuten angekommen, und das Webinar hat noch nicht begonnen. Ach Herz, was willst Du mehr? Wahnsinn. Ganze 57 Minuten später können wir dann doch starten. Isch bin impräschniert, watte Technik so ermöschlischt. Als Entschädigung verzichten wir dann auch auf eine Kaffeepause.

An Tagen, wie diesen, brauche ich Milchreis, denn ja, er verhilft mir zu mehr Ausgeglichenheit, Geduld und Toleranz, weil mir dann alles andere – auf gut Deutsch – scheißwurscht wird. Also schlendere ich mit Kopfhörer in die Küche und will alle Zutaten dafür rausholen, als ich fatalerweise feststelle: Der Milchreis ist wieder alle! Nein, es waren nicht die Mottenmadenmädels, die alles verschlungen haben, sondern tatsächlich ich irgendwann einmal. Die Panik ist groß! Ich warte die offizielle Pause ab, schmeiße mich in meine Jacke und Mütze und marschiere los. Ein bisschen Bewegung an der frischen Luft ist ja bestimmt auch gut, nachdem ich erfahren habe, Armin Laschet ist nun Parteivorsitzender der CDU geworden. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal einen besseren Grund für einen fetten Pott Milchreis gehabt hätte?!?! Laschi…Vorsitzender…da kommt mir der Milchreis schon hoch, bevor ich ihn gekocht habe.
Nun denn, ich erreiche den Supermarkt und finde den Milchreis. Aber – typisch ich – entdecke ich noch ein paar weitere Dinge, die ich gebrauchen könnte. Voll bepackt, geht´s an die Kasse. Bei einem Aritkel (Pizzakarton…bevor es zu Spekulationen kommen kann) frage ich die Verkäuferin, ob ich ihr wohl den Karton da lassen könne? Ich sehe keine Papiertonne. Sie lacht. Ah ja. Dann zuckt sie mit den Schultern: „Ja, wenn Sie wollen?!“ Würde ich nicht wollen, würde ich wohl kaum danach fragen. Sie gluckst vor sich hin. Echt jetzt? So komisch? Entweder hat sie eine affektive Störung oder sie gluckst wegen meiner Frage. Ich bin mir recht sicher, dass letzteres der Fall ist. Also sage ich, dass dies wohl mittlerweile üblich sei mit den Kartonagen. Sie gluckst wieder dümmlich und ergänzt: „Ist mir noch nie passiert.“ Gut, jetzt muss man sagen, die Holde ist dem Ei- und Samenzellenstatus noch nicht sooo lange entsprungen. Dennoch ist dieses Belächeln nicht gerade kundenorientiert. Das darf sie noch lernen. Aber das dürfen sie andere lehren…so richtig bayrische Grantler von mir aus. Plötzlich kommt ihr ein Geistesblitz: „Für Batterien haben wir so was.“ Ich überlege kurz, ihr mitzuteilen, keinen Nachschub für einen Vibrator eingekauft zu haben, aber verkneife mir auch das lieber. Sie lacht ja jetzt schon. Was wäre dann erst der Fall? Vermutlich würde sie den ganzen Supermarkt zusammenschreien.
Also packe ich alles in meinen Rucksack und trabe heim. Jetzt erledigt meine Küchenmaschine den Rest, während ich wieder ins Seminar einsteigen kann. Das technische Leben hat auch so seine Sonnenseiten, gell? Und das Allerbeste? Der Milchreis schmeckt sooooooo gut. Mein Seelenfutter eben. Und dazu scheint dann gerade plötzlich auch wieder die Sonne. Hach, wie schön!

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