Bah, ist das ein Schmuddelwetter. Der ganze schöne Schnee schmilzt in Rekordzeit. Wer regelt so was da oben eigentlich? Das kann man doch nicht mehr Wetter nennen! Aber wieder einmal: So ist Home Office erträglicher. Ich bin ja immer auf der Suche, mir diesen Mist schönzureden.

Heinz schießt heute alles ab, was ihm so vor die Flinte kommt. Er steht pausenlos kurz vor der Eskalation. Da macht er auch nicht Halt vor meinem Chef-Chef. Vor versammelter Mannschaft maßregelt er ihn, ruft ihn zur Ordnung, macht ihn großzügig auf seine Versäumnisse aufmerksam und nennt ihr immer wieder „Kollege“. Wenn, dann regelt man das im Vier-Augen-Gespräch. Aber nein, Heinz ist in seinem anmaßenden Lehrermodus. Der Chef-Chef reagiert langmütig und geduldig. Krass. Dabei gebärdet sich mein Lieblingskollege echt fett respektlos und unmöglich. Irgendwie würde ich mir schon wünschen, mein Chef-Chef würde ihm mal einen zwischen die Hörner geben. Aber nix! Vor dem Hintergrund, dass er jahrelang Home Office gemacht hat, ohne einen Laptop zu besitzen, was ja letztes Jahr aufgeflogen ist, finde ich das allerhand. Da kann man mal sehen, wie weit manche Leute mit ihrer Dreistigkeit kommen. Sein derzeitig noch unangemesseneres Verhalten ist auf seine Überlastung zurückzuführen. Das ist natürlich alles sehr subjektiv. Aber er ist total davon überzeugt. Nur reicht´s mir gerade. Ich habe meinem Chef die Info gegeben, dass ich beim nächsten Bevormunden von Heinz Seite über selbigen drüberfahren würde. Das versteht mein Chef. Da sind wir aber froh. Nur schade, dass weder Chef, noch Chef-Chef sich berufen fühlen, zu handeln.

Ich gestehe meinem Chef, dass ich derzeit echt nicht so effizient arbeiten würde, was mich selbst ärgere. Meine Motivation ist stark angeschlagen und ich arbeite mit angezogener Handbremse. Sein Kommentar: „Dann mochst imma no mehra wie die ondern.“ Gut, lassen wir das mal mit dem „wie“ so stehen und bestehen nicht auf einem „als“. Doch der Spruch ist schon auch heftig, oder? Es ist ihm schon bewusst, wer bei uns arbeitet (nicht nur ich…da sind schon noch zwei andere, die auch ackern) und wer nicht. Nur hat es keinerlei Konsequenzen. Und trotz allem plagt mich mein schlechtes Gewissen, weil ich so wenig Output generiere. Es sind gerade einfach zu viele Schwerpunkte, an denen ich arbeiten muss. Auch das ist meinem Chef bewusst – nur ändern wird sich daran nichts. Meine eine Kollegin arbeitet sauviel, doch ausschließlich mit einem Schwerpunkt. Ich habe fünf – neben Kleinigkeiten, die noch nebenher geregelt werden müssen. Da komme ich in den Wald, was ich auch so beschreibe. Ändert trotzdem nichts. Nicht so geil, oder?

Gegen Mittag klingelt´s an meiner Tür, was mich erstaunt aufhorchen lässt. Ich betätige die Gegensprechanlage und lausche. Die Post. Hä? Ich habe nichts bestellt. Mmmmh, ob es jemanden gibt, der mich mit einem Paket überraschen will? Nein. Es ist ein Einschreiben. Kurz denke ich an die dumme Nuss vom Amt, die letzten Donnerstag ja alle Schreiben raussenden wollte. Bis heute ist nichts angekommen. Ich argwöhne, irgendjemand hat die Brieftaube abgeschossen, bevor sie ihr Ziel erreichen konnte. Doch auch mit der Vermutung, es könnte ein Brief bzgl. meiner Prüfung sein, liege ich falsch. In der Tat schickt mein Vermieter mir die Mieterhöhung. Kurz bin ich fassungslos, dass er das wirklich zu einer Zeit wie dieser tut. Nach einer kurzen Zeit koche ich wieder runter und bin mir sicher: Seine Gier wird sich rächen. Wenn er meint, 920 Euro sind für 52 qm angemessen, dann holt ihn das Leben irgendwann ein. Und nein, er muss die Wohnung nicht abbezahlen. Das ist sie längst. Mama hat sie ihm aus Steuergründen jetzt schon schuldenfrei überschrieben. Im Gegenzug hat sein Bruder ein Haus im Hinterland erhalten. Die Jungs sind Anfang zwanzig. Na, da läuft´s doch. Und nein, ich leide nicht an Sozialneid. Ich finde nur Menschen, die den Hals nicht vollkriegen, einfach ekelhaft. Was soll´s? Ich war ja vorgewarnt. Der liebe Gott straft nicht mit dem Knüppel…er findet andere Wege.

Heute bekomme ich Besuch von meiner Freundin aus der Arbeit. Vormittags schreiben wir noch kurz, wo sie mir eröffnet, ich brauche nichts zu kochen. Nachtisch würde vollkommen reichen. Ich kann das nicht. So gerne ich Nachtisch habe, ich brauche heute etwas Herzhaftes. Und wenn ich jemanden zu Gast habe, kann ich nicht nur Nachtisch kredenzen. Als sie ankommt, winkt sie frustriert ab, weil sie verloren habe. Sie habe mit ihrer Freundin gewettet, die meinte, ich würde auf jeden Fall noch was anderes kochen. Naja, ich mache nur Pizza, also haben beide irgendwie gewonnen. Leider haben wir ja nach wie vor Ausgangsbeschränkung und müssen demnach um spätestens 20:30 Uhr einen Pin reinhauen, da sie noch bis zu sich fahren muss. Ihre Freundin war auch kurz da, aber einfach zu kurz. Wir holen das nach. Ich will so vieles nachholen, wenn Corona mal Geschichte sein wird. Aber ich merke auch an, dass uns die zeitliche Begrenzung gut tut, weil wir sonst endlos beieinanderhocken würden. 😋😂 Das ist so ein Phänomen: Es gibt Menschen, mit denen kann ich Stunden zusammen sein, ohne dass der Gesprächsstoff zur Neige gehen würde. Da fühle ich mich rundum wohl, und es wird mir nie lästig. Und dann gibt´s andere Personen, bei denen mir oft schon eine gemeinsame Stunde lästig ist. Eigentlich sollte man sich von solchen Menschen fernhalten, schätze ich. Nur ist das nicht immer so leicht umzusetzen. Ich bin froh, dass mein Abend so endet – satt, zufrieden, ausreichend gelacht (zum Beispiel über den Spruch: „Wer andern in die Möse beißt, ist böse meist“. Kracher! Mich hat´s zerrissen.). Was will ich mehr? Ok, einen Traktor oder eine Dampfwalze, um Heinz zu überfahren, aber das ist es dann auch schon fast.

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