Heute ist Faulenzertag. Das ist ein guter Tag. Ok, es gibt ihn in letzter Zeit häufiger für mich. Aber ich kann das entweder genießen oder mich beklagen, weil ja nichts los ist. Mmmh…genießen gefällt mir irgendwie besser. Außerdem ist ja auch noch Käsekuchen übrig.

Vorhin schreibt mir mein männlicher Lieblingskollege. Er ist ein Goldschätzchen für mich. Das ist derjenige, der sich selbst als Ameisentätowierer bezeichnet. Und ja, er spaltet Haare. Nur tut er das auf witzige Art und Weise. Er polarisiert, glaube ich, noch mehr als ich das schon tue. Entweder, man mag ihn – oder man hat so richtig ein Problem mit ihm. Das ist es, was ich manchmal bei Menschen vermisse: Ecken und Kanten. Er hat davon reichlich. Und gleich darunter hat er einen wunderbar weichen Keks. Klingt fast schon wie eine Liebeserklärung, was es auch irgendwie ist, aber eben nicht SO. Wir witzeln viel miteinander, aber wir kotzen uns auch gegenseitig aus. Solche Menschen braucht´s einfach, finde ich. Denn am Ende des Gesprächs haben wir immer beide saugute Laune.

Heute schreibt er mir von einem Freund, den ich auch kenne (auch ein Kollege). Der angehende Schwiegervater seiner Tochter ist im Alter von 56 Jahren an Corona verstorben – ohne bekannte Vorerkrankung. Im Netz taucht dann eine Meldung auf (ich meine, es war auf Facebook), wie viel Kohle man denn bekäme, wenn man das schreiben würde? Ist das nicht beschämend?!?! Ich bin für Meinungsfreiheit. Ich bin auch dafür, dass jede(r) denken darf, was er/sie will. Aber es gibt Grenzen. So was macht mich fassungslos. Und nein, ich bin auch nicht unkritisch. Es gab und gibt Fehlentscheidungen, die ich nicht gutheiße. Gerade, wenn man neue, nie da gewesene Herausforderungen meistern muss, dann gibt es beim Ausprobieren auch Fehler. Und ja, da fehlt es an Fehlereingeständnissen, wie ich gestern schon schrieb. Doch eine weltweite Pandemie zu leugnen, fällt mir im Nachvollziehen schon recht schwer. Aber Trauernden noch so einen Fausthieb ins Gesicht zu geben, da setzt es bei mir aus. Woher nehmen diese Arschlöcher ihr gottverdammt unmoralisches Handeln? In mir macht sich eine zunehmend größere Wut breit, wenn ich hirnlose, asoziale Egomanen um mich herum wahrnehme. Es gibt auch die Guten, nur sind die leider leiser.
Umso schöner, wenn es dann solche Menschen, wie meinen Kollegen gibt. Jetzt habe ich drei Tage hintereinander tolle Kollegen hier oder per Chat genossen. Da kann ich echt dankbar sein, ich weiß.

Und doch frage ich mich, wie man den Irren beikommen kann? Den Volldeppen, die in Holland Geschäfte plündern, weil sie sich in ihrer Freiheit beschränkt fühlen. Sie dürfen auch wütend und enttäsucht sein, aber müssen sie die Lebensgrundlage anderer zerstören? Müssen sie ihren Hass und ihre Wut an Unschuldigen auslassen? Woher kommt das alles?

Das passt zu einer Bekannten von einem Freund. Die meinte vor ein paar Monaten auch, dass das mit Corona vermutlich nur eine Erfindung sei. Ob er denn auch nur einen Todesfall persönlich kenne? Er hat gut reagiert mit der Gegenfrage, ob sie einen von den im Schnitt 3.000 Verkehrstoten pro Jahr persönlich kennen würde? Sonst sei das bestimmt auch alles nur Fake. Darauf kam keine Antwort mehr. Das ist ja das Schlimme: Sie wollen gar nicht zuhören. Du kommst ihnen mit Argumenten nicht bei. Sie haben sich etwas eingeredet und drehen sich immer weiter hinein. Es ist zum Verzweifeln.
Wie schreibt mein Kollege vorhin noch so treffend? Es sei gut, dass er im Moment nicht zur Arbeit dürfe. Würde er auf dem Firmengelände wieder auf einen von den Leugnern treffen, wüsste er nicht mehr, was er täte. Zuschlagen würde er nicht…aber vermutlich verdammt laut schreien. Aber ob laut oder leise – einen Dialog wollen diese Menschen ja gar nicht (mehr) führen.
Dabei verstehe ich, dass Eltern demonstrieren, weil sie sich Sorgen um ihr Familienleben machen. Dass Schule wichtig ist und Kinder/ Jugendliche den sozialen Austausch dringend benötigen, das verstehe ich. Die Gastronomen, die ihre Existenz baden gehen sehen…oder auch andere, beispielsweise Einzelhändler. Dass den großen Firmen mehr in den Arsch geblasen wird, als das bei den kleinen Selbständigen der Fall ist…ja, all das verstehe ich. Und dass da zu wenig getan wird, sehe ich auch ein. Leider mischen sich unter diejenigen, die sinnvoll und friedlich demonstrieren, die Hass versprühenden, die Demokratie mit Füßen tretenden Drecksäcke. Ich hoffe, sie verstummen bald wieder. Aber ich befürchte, sie haben noch zu viel Luft, um zu verstummen. Hoffentlich wird der Schaden nicht zu groß, den sie anrichten.

Aus diesen Überlegungen holt mich meine Sis raus. Sie ruft per Video-Anruf an. Da ich im Dunkeln lese (E-book-Reader sind was Feines), hat sie nur ein schwarzes Bild. Irgendwann schlappe ich rüber an meinen Tisch und zünde eine Kerze an. Wenn schon, dann auch romantisch. Und in der Tat: Es tut einfach gut, dass wir uns sehen. In den Arm nehmen, können wir uns nicht. Aber zumindest können wir uns beim Reden sehen. Ach, die Technik hat doch auch deutliche Vorzüge. Morgen will ich das mal mit meinem großen Neffen ausprobieren. Ich nehme es mir immer mal wieder bei diversen Leuten vor, mache es aber viel zu selten. Mit einer Mitschülerin lerne ich per Skype, was wirklich anders ist. Ich schaue mal, ob das kein fester Bestandteil in meinem Leben wird. Wer weiß, wie lange wir noch Zuhause bleiben sollen? Das hilft eindeutig gegen Vereinsamung.

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