Es ist Montag. Das Synonym für Arschlochtag. Dabei schneit es heute schwarz. Und ja, auch die Hölle friert zu. Warum? Ich komme gleich darauf zu sprechen. Zunächst einmal ist heute Morgen wieder unsere erstklassige, effiziente Besprechung – haha. Was ich mit dieser Zeit alles anstellen könnte, das mich weiter brächte…länger schlafen…lesen…Maniküre, Pediküre…Orangen auspressen… Ach, mir fällt allerhand ein, bei dem wesentlich mehr herauskäme. Aber ich will nicht undankbar sein. Ich sitze im Warmen, während draußen die Nebelsuppe vor sich hinwabert.
Heinz wirkt in den letzten zwei Wochen deutlich gestresster, weshalb er munter um sich schießt, maßregelt, ungefragt Feedback gibt, Weisungen raushaut usw. Ich überlege derweil, welche Foltermethode ich wie einsetzen könnte? Zwischendurch schießen mir wieder die Bullet Ants aus Peru durch den Kopf. Aber nachher schlägt er so ein armes Wesen noch kaputt. Das täte mir dann doch wieder für die Ameise leid.
In der Regel regt´s Heinz auf, dass wir zu schnell sind und etwas nicht lange und ausgiebig genug diskutieren. Bei meinem Report bin ich daher so nett, ihn doch mit einzubinden, also sage ich: „So kam das bei mir letzten Donnerstag an. Oder Heinz, was sagst Du dazu?“ Stille…Stille. Ich frage – wirklich vorsichtig – nach: „Heinz? Bist Du da?“ Dann erst öffnet Heinz das Mikro und zickt gleich rum. Wäre er eine Frau, ich würde die Wechseljahre vermuten. Ganz eindeutig. Er benötige schlichtweg Zeit, das Mikro freizugeben, „Kollegin“! Und das würde er jetzt ein für alle Mal sagen! So! Und dann gibt der Verrückte seinen Senf zum Thema. Ich sitze hier und grinse. Der Tonfall ging gar nicht. Es ging so einiges nicht. Außerdem habe ich noch nie nachgefragt, daher beziehe ich diesen Ausraster einfach nicht auf mich. Oh ja, es wird Zeit, dass ich ihm den Kalk aus den Augen puste. Aber erstmal übe ich mich in Gleichmut. Wer zündelt schon neben einer Ladung TNT mit einem Streichholz herum? Heinz ist nicht mehr der Jüngste. Das fetzt ihm nachher noch die Arterien weg. Und siehe da, ein Wunder geschieht: Nach einer Stunde erhalte ich von ihm eine Entschuldigungsmail. Ich schaue mal wirklich verblüfft und doof durch die Gegend ob dieser Mail. Kann doch nicht sein. Hektisch schaue ich mich um, ob irgendwo eine Kamera hängt, entdecke aber keine. Dann lese ich die Mail noch einmal. Gut, ich denke kurz an die Gummibärenbande, aber wurscht. Er entschuldigt sich für seine heftige Reaktion und erklärt diese damit, er sei seit 5:30 Uhr schon auf und völlig überladen mit Arbeit. Aber der Zusatz ist das Lustigste: „Hab grad meinen Gleichmut-Smiley am Bildschirm platziert.“ GEILOMAT! Ob ich ihm einfach eine Sprachnachricht vorsinge mit der Titelmusik der Gummibärenbande? Mir wäre so danach.

Mutig und freundlich, so tapfer und gläubig
Fröhlich und frech kämpfen sie auch für dich
Leben im Wald unter Bäumen und Steinen
In ihren Höhlen, da sind sie zu Haus‘

Aber nein, ich begehe dieses Sakrileg natürlich nicht. Bei dem piept´s wohl völlig. Ich sehe mal das Gute: Er nimmt wahr, dass er ganz viel Blödes absondert. Naja, das war wohl zu positiv interpretiert. Er hat´s in dieser einen konkreten Situation wahrgenommen. Ich habe mal gelernt: Man muss auch für die kleinen Dinge dankbar sein. Was ich noch gut finde: Ich war langmütig und habe ihn nicht vor versammelter Mannschaft beschossen. Das nenne ich mal Körperbeherrschung! Pah, was bringt mir ein Sixpack, wenn ich es schaffe, so langmütig zu sein?! Was ich auch gut finde: Er bringt den Ball ins Spiel. Also atme ich tief durch und bedanke mich artig für seine Mail. Ich schreibe auch, dass mir sein Gestresstsein durchaus aufgefallen sei, was mir leidtäte. In diesem Zuge bitte ich in freundlich darum, mir zukünftig zu von mir erbrachten Leistungen (Moderation etc.) kein ungefragtes Feedback zu geben und mich doch bitte auch nicht mehr zu maßregeln. Seine Reaktion fällt knapp aus: „Ich versuch´s!“ Sagen das nicht auch Kinder, wenn man ihnen ein Überraschungsei hinlegt und sagt, sie sollen es nicht essen, aber schon ganz genau wissen, dass sie darüber herfallen werden, sobald der Erwachsene das Zimmer verlässt? So in etwa schätze ich die Wirkung hier auch ein. Aber immerhin: Er zeigt Willen – nur sein Fleisch wird schwach sein. Wir werden sehen.

Vorhin haben wir eine Rücksprache mit zwei Projektleitern, die zu schnell voranpreschen. Mir ist es ja immer lieber, wenn Menschen mal zu viel Gas geben, als zu wenig. Nur übertreiben die Guten es dann doch. Daher findet kurzfristig die Rücksprache statt, zu der sie auch zusagen, aber nicht, ohne ein paar spitze Bemerkungen und Rechtfertigungen von sich zu geben. Auch irgendwie wieder ein Verhalten, das überlicherweise kleine Kinder an den Tag legen: „Aber der Justus hat mich zuerst mit seinem Schäufelchen gehauen.“ So steht´s ja schon in der Bibel: „Wenn Ihr nicht werdet wie die Kinder“. Meine Kollegin findet klare Worte, die ich richtig gut finde. Dabei verdeutlicht sie, warum welche Schritte vorgesehen sind. Da ich die beiden samt Team morgen aber alleine begleiten werde, sage ich auch noch ein paar warme Worte zum Ende. Passt alles für mich, alles ist geklärt. Da ich aber noch nicht so lange in dem Thema drin bin, bedanke ich mich bei meiner Kollegin noch, dass sie das so klar formuliert habe. Sie bedankt sich hingegen, dass ich das so weich abgerundet habe, was ihr manchmal so schwerfalle. Da bin ich dann überrascht. Betrachtet man rein die Optik und unser Auftreten, würden wir genau das Gegenteil ausstrahlen. Sie ist klein, blond und eher elfenhaft. Und ich? Äääääh…alles nicht. Aber unterm Strich hat es sich wohl gut ergänzt.
Im Vertrieb habe ich einen wichtigen Leitsatz für mich verinnerlicht: Dem Kunden muss der Nutzen klar sein. Und so gehe ich für mich immer an die Dinge heran. Wenn mein Gegenüber versteht, warum wir was machen, kann er auch mitgehen. Wenn ich dann noch Bilder dazu erzähle, wie: „Die Befürchtung ist einfach gerade nur, dass Ihr Euch selbst rechts und links gleichzeitig überholt“, nimmt das dem Ganzen die Schärfe, hat sie alle noch mal lachen lassen und gut ist. Nur Ponyhof ist es dann auch nicht. Ich habe schon auch noch ergänzt, dass es für mich bestimmt eine spannende Reise werden wird mit „Euch beiden Alpha-Tierchen“. Schauen wir einfach, wie sich das entwickelt. Nur macht es genau das für mich aus, denn ich mag Herausforderungen ja durchaus. Ach ja, da kommen spannende Zeiten auf mich zu. Ich hoffe nur, ich muss mich nicht zu sehr zerteilen, um alle Aufgaben zu meistern. Das ist ja eher mein Lernfeld. Doch ich will ja manchen Ballast loswerden. Vielleicht also auch die Eigenschaft, immer allem gerecht werden und alles bedienen zu wollen. Wäre mal ein Ansatz, hm?

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