Heute ist…ich weiß es nicht. Es gibt Tage, denen kann ich kein Etikett umhängen. Ist manchmal so. Derzeit habe ich das Gefühl, selbst dafür zu müde zu sein. Das Wochenende steckt mir in den Knochen. Mich nervt ein wenig dieses Verhalten nach schwarz-weiß, ganz oder gar nicht. Ich hau´ schon auch manchen Kolben raus. Nur im professionellen Kontext (nein, nicht Prostitution!) finde ich es unangebracht. Wer da von „Immer bist Du so und so“ oder „Nie wird das derart gemacht“ spricht, den kann ich zunehmend weniger ernst nehmen. Aber mir fällt durchaus auch auf, dass mein Nervenjäckchen ebenfalls dünner wird. Doofes Home Office.

Der Arbeitstag verläuft ganz gut. Mitterlweile habe ich wieder so viel zu tun, dass ich kaum nachkomme. Und dabei unterläuft mir der ständig gleiche Fehler: Ich kann so schlecht „nein“ sagen. Wie alt muss ich werden, um das denn endlich mal zu beherrschen? Aber die Frage ist vermutich so müßig, wie die Frage: „Wann wird gelockert? Wann haben wir wieder das Leben wie vor Corona?“ Wobei ich mir heute schon recht sicher bin, dass ich nach wie vor Probleme mit dem „Nein“ haben werde, wenn Corona nur noch eine schwache Erinnerung sein wird.
Der Workshop geht sauber durch. Meine zwei anderen Jungs, deren Projekt wir starten wollen, bereiten mir da schon andere Sorgen. Wir habe eine kurze Abstimmung. Meine Kollegin läutet schon das Ende ein, als ich noch mal nachfrage, wie es den Jungs denn nun damit gehe, was wir festgehalten hätten? Im Grunde ist alles besprochen, aber der Eine ist auffallend still. Und so antwortet er dann: „Um ehrlich zu sein? Ziemlich beschissen.“ Wir erfahren dann auch, warum dem so ist und passen entsprechend flexibel alles an. Aber doch erstaunlich, dass er das nicht von sich aus sagen kann, sondern es noch einer expliziten Aufforderung meinerseits bedarf. Wobei…ich bin auch oft so. Ich kann erst loslegen, wenn es mir nicht gut geht, wenn mich einer danach fragt, wie es mir geht. Und dann, wenn man es rauslässt, wird alles wieder gut. So auch bei unserer Rücksprache. Verrückt… Ach, es gibt so unendlich viele Marotten. Warum sollte ich mich mit nur einer einzigen aufhalten, wenn ich über einen derart bunten Blumenstrauß verfügen kann?

Als ich auf meinem Weg zu einem Termin nach der Arbeit noch einen Abstecher zu Rossmann mache, um etwas umzutauschen, entwickle ich Spontanmitleid. Ich sehe eine Mutter mit zwei Jungs. Der Große ist vielleicht fünf, der Kleine drei? Ich weiß es nicht. Da die Kinder ja nicht zur Kita, zum Kindergarten oder zur Schule gehen können, muss Mutter hier schon mit beiden im Gepäck einkaufen. Der Kleine ruft permanent: „Mama? Maaaaaaaamaaaaaaaaaa?! MAMAMAMAMAMA!“ Sie versucht es, ihm zu antworten, aber es ist eng, stickig und voll an den Kassen. Sie tut mir einfach nur leid. Und ja, ich meckere auch über manches Kackbratzenkind. Aber bei der Frau nehme ich einfach nur grenzenlose Erschöpfung wahr. Es wird einfach Zeit, dass Kinder wieder mit Gleichaltrigen herumtollen.
Ein anderes Beispiel ist Omma bei Feinkost Albrecht. Sie steht vor mir an der Kasse, schaut sich ständig hektisch um. Ich halte Abstand, ganz brav. Omma hat nur eine Creme in der Hand. Irgendetwas sperrt sich in ihr, diese Tagescreme aufs Band zu legen. So recht schlau werde ich aus ihrem Verhalten nicht. Eine andere Dame vor der Kasse tauscht noch etwas um. Omma steht vor dem Plexiglas und hält immer noch die Creme in der Hand. Die Kassiererin zieht die ersten meiner Einkäufe über den Scanner. Da kommt auf einmal Leben in die Omma: „Ich hab´ nur dieses eine Teil!“ Die Verkäuferin schaut hoch und sagt: „Das müssen schon aufs Band legen.“ Die Omma setzt wieder an: „Aber ich hab´ doch nur dieses eine Teil!“ Die Verkäuferin wirkt schon leicht genervt: „Ja, habe ich verstanden. Sie müssen es dennoch aufs Band legen. Da müssen Sie jetzt warten, bis ich hier fertig bin.“ Die Omma schüttelt frustriert den Kopf. Sie will die Creme vermutlich nicht auf das kontaminierte Band legen. Was weiß denn ich? Es bleibt ihr allerdings nichts anderes übrig. Sie lacht nervös. Man, man, man, diese Isolation bekommt den wenigsten Menschen wohl gut. Ist schon krass, oder?

Es wird für uns alle Zeit, dass sich die Welt wieder etwas normalisiert. Wenn sie sich in meiner trashigen Lieblingsserie nur noch auf Distanz unterhalten, die Filmküsse auf eine Puppe gedrückt werden, die Umarmungen ebenfalls mit einer Puppe geschehen, dann wird es echt Zeit. Ich will wieder Leidenschaft sehen! Jawoll! Ok…und auch gerne Leidenschaft erleben. Laut lachend durch die Gegend rennen, abends um die Häuser ziehen und in Gemeinschaft auch mal einen picheln. Ach, wird das schöööööön

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