Endlich schlafe ich durch. Das freut mich doch ungemein. Auch ist der Schädel heute wieder eher mein Freund. Was will ich denn mehr? Dazu dann heute Abend die Meeeeeeeeeedchen. Ach, ein Träumchen. Würde ich Prosecco trinken, tät´ ich dazu einen schlürfen. Allein – ich mag ihn immer noch nicht.

Der heutige Tag verläuft…eigenartig. Ja, das Wort schmeckt mir dazu gerade am besten. Zunächst einmal meldet sich Heinz krank. Als hätte ich es gewusst! Er ist am Limit. Mein Mitleid steigt immer weiter an. Das ist auch keine gute Haltung, das weiß ich, denn dadurch stelle ich mich ja über ihn. Trotzdem tut er mir gerade einfach nur leid. Noch. Ich habe ja auch nicht alle Details.
Bei einem Projekt haben wir einen Austausch. Wir sind in unterschiedlichen Centern unterwegs. Ich stelle entsetzt fest, wie dilettantisch es in dem Center läuft, in dem ich unterstütze. Es wurde so gefordert und vielfach beraten, diskutiert und dergleichen, aber der Chef beharrte darauf, es so umzusetzen. Wenn ich die Ergebnisse der anderen sehe, wird mir dennoch schlecht. Es wäre in etwa so: Während die munter den Himalaya erklimmen – ohne Sauerstoffgerät natürlich – sind wir dabei einen kleinen Erdhügel aufzuschütten, damit wir selbstbewusst drüberlaufen können. Wir unterhalten uns innerhalb unseres Teams, daher kann ich das so offen ansprechen. Sie verstehen es zunächst falsch und bestätigen mir, doch gute Arbeit zu leisten. Das war ja gar nicht mein Dilemma. Es ist nur, dass die eine Hälfte echte Ergebnisse zutagefördert, die andere aber nur punktuell im Kleinklein rumkramt. Jepp, das ist allen bewusst. Und es ist frustrierend. Es ist einerseits ok, ich werde schließlich auch dafür bezahlt. Nur wäre so viel mehr rauszuholen! Da zieht sich mir schon der Magen zusammen. Es ist sogar auf der Etage darüber bekannt und wird geduldet.
Manchmal frage ich mich, wie lächerlich manche Jungs der Managementebene doch sind. Kein Wunder, dass sie da Frauen fordern, die ihnen mal die Förmchen, Schäufelchen und Bagger wegnehmen und auf die Finger kloppen. Es ist ein einziges Geschacher wie zu besten Schulhofzeiten. Mir ist klar, dass Frauen das nicht besser machen werden, denn hier fühlen sich die richtigen Frauen (und Männer!) ja auch nicht angezogen. Was da für Kohle vergeudet wird, will mir nicht in den Kopf…

Ich führe divere Gespräche im Nachgang, feile am nächsten Team-Workshop und erfahre dann, wann wir meine Kollegin vertreten sollen, weil sie auf Junggesellinnenabschied fliegen wird. Immer noch nicht meine Welt, aber ich werde sofort aktiv, indem ich ihren Chef und die Team-Assistentin anmaile. Und der Chef ihres Teams meldet sich dann prompt per Skype. Ich mag ihn. Je länger ich ihn kenne, umso mehr. Er hat seine komischen Eigenarten, ist im Grunde seines Herzens aber ein richtig warmherziger, lieber Mensch. Wann ich mal wieder vor Ort sei, dass wir in Ruhe ratschen und eine Runde spazieren gehen könnten? Ich berichte ihm von meinen Herausforderungen mit meinem Chef und Heinz und auch, welches Mitleid ich mittlerweile verspüre. Und den Zahn zieht er mir, dass ich die Ohren anlege. Mitleid sei so was von gar nicht nötig. Heinz habe man schon mehrfach angeboten, seinen außertariflichen Status aufzugeben und anderen Platz zu machen. Na, wer verzichtet schon freiwillig auf Kohle? Das müsste er damit nicht einmal!!! Es würde ihm quasi nur der Titel aberkannt, er würde ins Tarifsegment zurückkehren und eine Ausgleichszahlung erhalten, um den finanziellen Verlust aufzufangen. Ich glaube, mein Schwein pfeift! Des Öfteren habe man ihn auf seine Unfähigkeit angesprochen, diesen Posten heute noch auszufüllen, doch er halte daran fest. Mit meinem Chef bräuchte ich auch kein Mitleid zu haben. Er könnte auch einen Schritt zurücktreten und diese Variante wählen. Mein Mund wird staubtrocken. So was weiß ich in meiner grenzenlosen Naivität natürlich nicht. Es geht also doch um Pöstchen und Titel. Da fehlt bei mir ja jegliches Verständnis. Um diese nicht aufgeben zu müssen, quälen sie sich und andere lieber weiter. So was will mir ja nicht ins Hirn rein. Hammer!
Und es zeigt sich einmal mehr: Jeder Jeck ist anders und auch noch anders jeck. Und es zeigt sich noch mehr: Überlege Dir genau, wer es verdient, dass Du ihn/sie bemitleidest. Trotzdem tun mir die beiden zum Teil noch leid, eben weil sie so unfähig sind, ihr Schicksal zu erkennen und zu verändern. Aber es ist ein anderes Mitleid als das, was ich gestern hatte. Ich weiß nur nicht, ob mir diese Info gut tut oder es eher so ist, wie mit dem „Lauscher an der Wand, hört seine eig´ne Schand.“ Manches sollte ich besser nicht wissen, schätze ich. Aber nun weiß ich das. Mal schauen, was das mit mir in der nächsten Zeit macht…

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