Eigentlich könnte ich ausschlafen. Uneigentlich ist mein Körper eingeschwungen. Dieser Schwung verlässt mich leider erst immer Montagmorgen. Dann könnte ich länger liegen bleiben. Naja. Ist ja auch wurscht. Dann stehe ich eben auf. Und das tu´ ich dann auch recht schwungvoll. Heute kommen zwei Kolleginnen zu Besuch, und ich habe Käsekuchen versprochen. Der will allerdings noch gebacken werden. Eigens hierfür habe ich – längst überfällig – Kaffeekapseln bestellt. Ich weiß, ich bin ein Umweltsünder. War mir zum Zeitpunkt des Maschinenkaufs vor einigen Jahren nicht bewusst. In letzter Zeit trinke ich auch immer meinen Filterkaffee, aber wenn ich schönen Cappuccino servieren möchte, braucht´s eben die Kapseln. Avisiert waren sie für Mittwoch. Dann wurde schon auf Donnerstag geschoben. Was wurde Donnerstag nicht geliefert? Richtig, mein Tchibo-Paket. Ich habe ewig nichts bestellt. Jetzt weiß ich wieder, warum. Die Paketdienste sind echt nicht zu beneiden. Es hilft alles nichts: Ich muss wohl doch nach eineinhalb Wochen noch mal einkaufen – nicht zuletzt, um Kaffeekapseln zu besorgen. Und so zuckel´ ich zum Einkauf los.

Im ersten Laden treffe ich sogar mal auf eine gut gelaunte Einkäuferin. Wir begegnen uns mehrfach im Laden und beömmeln uns, weil sich unsere Wege immer wieder kreuzen. Ich sage ihr sogar, wir könnten bald heiraten, wenn das so weitergehe. Sie bestätigt dies, wobei ich feststelle: Kein bayrischer Dialekt. Und auch noch Humor?! Dann könnte sie eine Rheinländerin sein. Als ich an der Kasse stehe, ruft sie mir im Vorbeigehen noch „Schönes Wochenende“ hinterher. Na, es gibt eben sie eben doch noch, die gut gelaunten Menschen. Ist doch auch mal schön.

Wen es leider auch noch gibt, sind manche Rentner. Ich bin ja daran gewöhnt, dass es diese Spezies nur noch im Doppeelpack gibt. Gut gelaunt, sehe ich sie hingegen selten. Und Zeit haben sie auch sehr selten im Gepäck. Dann sollten sie wohl besser nicht freitags einkaufen gehen. Was ich ja immer lustiger finde: Die Klamottenläden sind geschlossen (nein, ich vermisse sie noch nicht). Gut, sie sind nicht überlebenswichtig. Aber in den Supermärkten hält sich hier keine Sau an Abstand oder Ordnung. (Da verstehe ich so langsam den wachsenden Frust der Einzelhändler.) So auch die Omma, die sieht, dass etwas aus dem Regal fällt, was ich aufhebe, mir aber trotzdem laut und zickig zuschnauzt: „ENTSCHULDIGUNG!“ Sie will wohl anscheinend genau in dieser Sekunde an das Regal. Normalerweise spare ich mir dann ja Kommentare, aber ich drehe mich um und maule zurück: „Ich bin ja gleich weg, das wird wohl noch reichen!“ Also, haste Töne? Dann stehe ich an einer Kühlung und öffne die Türe, um Serrano Schinken rauszunehmen. Irgendein Oppa hängt sich komplett über meinen Wagen und stiert ins Regal, bis er seiner Erna dann zuruft: „Naaaa, is net do!“ Ich überlege kurz zu sagen: „Ich verstehe, dass Sie es eilig haben. Ist ja nicht mehr lange bis zu Ihrem Verfallsdatum“, doch das kneife ich mir einfach brav und grinse mir unter meiner Maske einen.
Die Leute sind bekloppt. Mannomann. Ich bin um 9:45 Uhr zurück und schaue in den Briefkasten: Nein, keine Paketbenachrichtung. Hätte mich auch gewundert. Die stellen hier nie vor 13 Uhr etwas zu.

Der Kuchen wird zusammengehauen. Irgendwie finde ich das läppsch. Nee, da fehlt kein „i“. Das gehört so, jawoll! Mir ist es irgendwie zu wenig, nur einen Käsekuchen zu kredenzen, denn ich bin mir sicher, die Schnecken bleiben länger. Also mache ich noch rasch Dattelcreme und meditterane Butter. Ok, und Eierlikör. Der andere ist schon alle. Heute Abend mache ich dann noch frisch Thunfischcreme. Dazu gibt es Datteln in Speckmantel, Käse, Rohkost und Baguette. Gottseidank war meine Eingebung richtig. Wir schlemmen über einige Stunden verteilt recht ordentlich.

Manchmal denke ich: Männer sollten bei solchen Gesprächen ruhig mal Mäuschen spielen. Da wir uns immer schnell über unseren Job unterhalten, was uns aber eigentlich nervt, habe ich – ganz Mädchen eben – auf pinke Post it´s Themen geschrieben, über die wir heute alternativ reden könnten. Die habe ich an die Wand und den Schrank geklebt, damit sie uns jederzeit ins Auge stechen. Ist natürlich ein Gag, aber es hilft uns tatsächlich, nicht zur Arbeit abzuschweifen. Und so nimmt das Phänomen „Frauen unter sich“ seinen Lauf. Wir schaffen es von Hochzeitsvorbereitungen über das erste Mal, rüber zu Physiotherapie-Erfahrungen, mit einem Schlenker über Affären hin zu gesundheitlichen Themen. Wir lachen viel, aber es fließen auch Tränen. Von mir gibt es regelmäßig auch ein Kopfschütteln, weil sich die beiden Tussen (sie wissen, dass ich sie so nenne) so ähneln. Und dann reden sie auch echt über Wimpernverdichtung, Maniküre, Haarverlängerung und so ´nen Kram. Da bin ich ja raus. Dagegen nehme ich mich wie eine alte Frau aus – die ich ja auch bin.
Aber wir haben auch Gemeinsamkeiten, da wir alle gerne beispielsweise essen (nur sieht man´s ihnen nicht an), vor allem aber auch gerne lachen. Zur Erheiterung schmeiße ich dann noch eine Gemeinsamkeit ein: „Wir haben auch alle Möpse.“ Jo, stimmt. Ich glaube, solche wüsten Gespräche, wie Frauen sie führen, können Männer nicht mal im Ansatz nachvollziehen. Sie sind eben anders gestrickt. So können wir Frauen einem reinen Männergespräch (so man dieses meist eher nonverbale Spektakel denn als solches bezeichnen kann) wohl auch nichts abgewinnen. Es ist einfach gut so, wie es ist, schätze ich.

Ach, und Tchibo teilt mir dann auch nachmittags mit, sie seien erfreut zu hören, dass DHL mein Paket brav zugestellt habe. Hä? In der Sendungsverfolgung lese ich dann auch ab, dass der Zusteller es beim Original-Empfänger abgegeben hätte und – ganz coronaregelkonform – von ihm zur Bestätigung unterschrieben wurde. Häääääää? Ich klingele bei zwei Nachbarinnen im Erdgeschoss, die normalerweise schon mal Pakete annehmen. Beide wissen von nichts. Dann rufe ich bei Tchibo an und erkläre den Sachverhalt. Der Mitarbeiter ist sehr nett…und seeeeeeeehr langsam. Ich denke wieder an Morla aus der „unendlichen Geschichte“. Ob mir die Initialen „ZB“ etwas sagen würden? Nein, ich wohne allein hier. Und außerdem sei doch angegeben, der Zusteller hätte unterschrieben. Wie die Zusteller von DHL hießen, entziehe sich meiner Kenntnis. Ah ja. Un nu? Ich könne DHL gerne mal kontaktieren? Aber er würde mir jetzt eine Gutschrift fertig machen und dieselbe Ware noch mal rausschicken. Ich weise ihn darauf hin, es sei wohl besser, erstmal DHL zu fragen, wo das Paket geblieben sei, oder? Ja, das würden sie auch machen. Und dann die Ware jetzt aber auch noch mal rausschicken. So was verstehe ich nicht. Ist zwar kulant, aber eigentlich auch unnütz, sollte das Paket doch irgendwo rumflaggen, oder? Heute Abend, als die Erste meine Wohnung gen Heimat verlässt, steht ein Paket vor der Tür. Woher es kommt? Ich weiß es nicht. Ob ein zweites unterwegs ist? Weiß ich auch nicht. Ob es ein schöner Tag war? Aber defintiv ja! Also ist doch alles paletti, oder?

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