Ich weiß nicht genau, was es war, aber ich habe auf jeden Fall wüst geträumt. Es war kein Albtraum, Gottseidank. Nur irgendwelches wirres Zeug. Ich sollte mir einen Block neben mein Bett legen und die bekloppten Dinge aufschreiben. Daraus könnte ich vielleicht mal ein Buch kreieren? Da hätten ganz viele Leute ganz viel zu lachen. Und Sigmund Freud würde sich aus dem Grab herausschälen, um das höchstpersönlich zu deuten – da bin ich mir aber sicher!

In unserer Teamrunde schüttle ich mal wieder den Kopf. Kennt Ihr noch Robert Lembke? Da musste man doch bei den Berufen eine typische Handbewegung machen. Ich bräuchte nicht mal Hände dazu! Ich würde nur mit dem Kopf schütteln. Das beschreibt eindeutig die häufigste meiner Bewegungen während der Arbeit. Heinz ist immer noch völlig neben der Spur und schafft es seit zwei Wochen nicht, eine Fotodokumentation zu erstellen. Keiner der Anwesenden sagt was. Und ja, er geht mir auch sehr auf den Zeiger. Aber es ist irgendwie in Mode gekommen, sich so gar nicht gegenseitig zu unterstützen. Er blubbert von Screenshots vor sich hin. Hä? Wir arbeiten seit einem Jahr regelmäßig und viel im Home Office. Seit dieser Zeit arbeiten wir nahezu ausschließlich mit Skype. Wenn ich dort etwas präsentiere, kann ich den Inhalt später speichern – mit all den Arbeiten, die man darin vorgenommen hat. Diese Funktion hat Heinz bislang noch niemand gezeigt. Und ja, ich weiß, ich hetze auch oft genug über ihn. Aber ich bin die Einzige, die dann schließlich nachfragt, ob er die Speicherfunktion dort nicht kenne? Und da merke ich, wie verloren er ist. Nein, er wisse davon nichts. Und ob ich ihm diese zeigen könne? Klar, mache ich morgen früh. Irgendwie finde ich das schäbig, wenn ich merke, wie da gerade jemand komplett verzweifelt – egal, wie bescheuert er auch ist. Und ich glaube, ich werde das beim nächsten Team-Workshop einfach auch mal ansprechen. Ist mir wurscht, auf wessen Füße ich damit steige.

Heute will ich dann unbedingt mal die Mittagspause einhalten, aber da macht mir die Omi aus dem Erdgeschoss einen Strich durch die Rechnung. Ihr What´s App ist weg. Na so was! Dabei ist doch noch nicht Ostern. Und trotzdem verstecken sich die ersten Sachen schon selbst? Sie habe gestern ihr Handy geladen, jetzt sei es weg – also die App, nicht das Handy. Ich trabe mit ihr runter in ihre Wohnung, denn sie hat kein Datenvolumen, sondern geht ausschließlch über WLan online. Ich probiere aus, lösche Verläufe, starte das Handy neu, überprüfe den Speicherplatz – aber alles chic. Nur kann ich die App nicht herunterladen. Ich rufe gleich zwei Telefonjoker an, die sich mit Technik, Handy und dem ganzen Rotz besser auskennen. Aber sie kommen zu dem gleichen Schluss, wie ich: Ihr Handy ist so alt, dass bestimmte Anwendungen nicht mehr unterstützt werden können. Da kann die Omi machen, was sie will, es hilft nichts. Es muss ein neues Handy her. Gut, wir reden hier auch von einem Samsung S3. Da kann das schon mal passieren, dass die Software nicht mehr angepasst werden kann. Da steht diese kleine, zähe Omi vor mir und schimpft, sie wolle sich aber nicht von den Handy-Fuzzies über den Tisch ziehen lassen. Sie zahle monatlich fünf Euro – mehr wolle sie nicht aufgeschwatzt bekommen. Kann ich verstehen. Na gut, sie würde zu einem Handyladen gehen, aber wenn die doof seien, würde ich mit ihr mitkommen müssen. Aaaaah ja. Sie ist putzig, wenn auch sehr resolut. Aber wenn es ihr hilft, gehe ich halt mit.

Dann rufe ich die Hotline meines Toaster-Herstellers an. Ich hasse Hotlines – habe ja selbst mal da gearbeitet. Entweder hat man genervte Call Center Agents (so heißen die) an der Strippe, die einem offensichtlich zeigen, wie blöd man doch sei, oder es sind solche, die so sehr schleimen, dass man Angst hat, anschließend keinen Furz mehr halten zu können, weil alles so flutschig ist. Doch dieser junge Kerl hier? Puh! Er ist witzig! Das kenne ich so auch noch nicht. Ich erkläre ihm, dass mein Toaster defekt sei und er doch bestimmt wolle, dass ich glücklich sei, denn kein Mann wolle eine Frau unglücklich machen. Das kommentiert er rotzfrech mit: „Kommt auf die Frau an.“ Punkt für ihn. Ich habe den farblich dazu passenden Wasserkocher. Und daher brauche ich jetzt dieses Exemplar in der richtigen Farbe. Er kichert. Dumme Nuss! „Ach, kriegen wir schon hin.“ Danach muss ich tausend Angaben machen, bis ich irgendwann frage: „Wollen Sie auch noch meine Blutgruppe?“ Aber nö, die braucht´s nicht. Er gibt auch brav alles ein und sichert mir eine Rückmeldung innerhalb der nächsten drei Tage zu. Zum Schluss fragt er noch mal: „Welche Farbe war das noch gleich?“ Ganz schön kess, der Gute. Ich sage: „Geben Sie mir Ihre Mail-Adresse, dann schicke ich Ihnen ein Bild…und stalke Sie danach einfach.“ Er lacht. Nö, das Bild sei dann doch nicht notwendig. Aber er ist eben nicht nur ein Schwätzer, weil ich kurze Zeit später eine Mail vom Hersteller erhalte, die noch eine Nummer benötigen. Na, geht doch – auch wenn ich manche Angaben bereits gemacht habe.

Und dann düse ich los, weil ich noch einen Termin in der Stadt habe. Auf dem Rückweg fahre ich eine andere Strecke und komme an einem C&A vorbei. Aaaaaaaalter. Ich wusste gar nicht, wie traumatisch die letzten Wochen für manche gewesen sein müssen. Die Schlange vor dem Laden umfasst locker 30 Leute! Das wäre ja genau meins, ne? Das ist, wie mit dem Friseurbesuch. Ja, meine Locken sind jetzt auch schon ganz schön lang, aber ich warte ab, bis der erste Ansturm vorüber ist, bis ich einen Termin ausmache. Das ist doch nicht mehr normal! Und bei Klamotten finde ich das noch unfassbarer. Da macht der Laden heute zum ersten Mal wieder auf, und die Leute können nicht schnell genug hinhechten. Krass…ich merke einfach, wie meilenweit mir so was gerade am Heck vorbeigeht.
Ähnlich wie das Spezial zu Prinz Harry und Meghan im Fernsehen. Hallo?!?!?! Ein Spezial zu einem Interview, das in den USA gemacht wurde! Bin ich so anders oder ist die Welt jetzt echt komplett bekloppt? Ich weiß nicht, ob ich auf die Frage echt eine Antwort hören möchte. Ich befürchte, eher nicht. Also: Haltet Euch zurück! 😋

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