Meiomei, mein Köpfchen mag echt nicht diese Wetterumschwünge. So krass habe ich das selten erlebt, wie in den letzten Wochen. Oder ich werde alt. Ach nee, das kann nicht sein, denn ich bin ja schon alt. Ich komme zwar durch den Tag, bin aber froh, dass ich heute Abend kein Lernen habe. Meine Mitschülerin hat nächste Woche ihre Prüfung und setzt die Übungsrunden dann jetzt besser aus. Kann ich verstehen. Sie ist ja viel tiefer in der Materie, als ich das gerade bin. Mir passt´s auch gut, weil so viel zu tun ist. Blöd nur, dass ich dann noch länger arbeite, als ich das ohnehin schon tu´. So wäre um 17 Uhr mein Lernen gewesen. Jetzt arbeite ich einfach bis zwanzig vor sechs weiter. Ich dumme Nuss!

Und obwohl so viel zu tun ist, hänge ich mir den Heinz an die Backe. Er ist…heillos überfordert. Dann wird er immer so hektisch und lässt einen nicht ausreden. In Abstimmung mit meiner Sis habe ich mir das Bundesverdienstkreuz und einen Platz im Himmel verdient – von dem ich nicht mal weiß, ob ich dort landen wollen würde. Warum ich heute nur das Beste verdient habe und vorübergehend mit Mutter Teresa angesprochen werden sollte? Weil ich ganz ruhig und geduldig bleibe.
Aber von vorne: Ganz früh am Morgen schustere ich eine kurze Klickanleitung zusammen. Dort erkläre ich Punkt für Punkt, was wo wie zu machen ist. Die schicke ich meinem Kollegen, damit wir alles Schritt für Schritt durchgehen können. Immerhin sprechen wir von einer Veranstaltung von vor zwei Wochen. Also beginne ich: „Wenn Du mal in Outlook reinschaust und auf…“ Heinz: „Wieso Outlook??? Wir sind doch bei Sykpe!“ Ich: „Richtig. Aber da können wir auf die vergangenen Skype-Runden zugreifen.“ Heinz wieder: „Aber wir reden doch von Skype! Nicht von Outlook.“ Ich habe derweil meinen Desktop geteilt und präsentiere ihm diesen: „Schau´ mal: Hier in Outlook gibt es „aufgezeichnete Unterhaltungen“. Da kannst Du dann Deinen Workshop aufrufen und über den Button „erneut teilnehmen“ oben rechts noch mal in die Veranstaltung reinschlüpfen.“ Jetzt wird er ganz hektisch: „Wo? Woooooooo finde ich denn diesen Button? Ich habe den nicht!“ Ich bleibe erstaunlicherweise immer noch ruhig. Auf allen Screenshots, die ich der Klickanleitung aufgelistet habe, habe ich rot und fett umkringelt, wo was zu finden ist. Und so geht es in einer Tour fort. Ich bin selbst geflasht, dass es mich nicht aufregt. Vermutlich liegt es daran, dass ich die geballte Verzweiflung spüre. Oder in meinen Kaffee hat sich Valium verirrt. Nix Genaues weiß man nicht.
Wie bei einem Kleinkind, dem ich erklären würde, dass man nach dem Pipimachen die Hände waschen muss, gehe ich mit ihm alles schrittchenweise durch. Er bedankt sich, ganz klar. Aber er meldet auch Zweifel an, ob er das hinbekomme? Und – ebenfalls, wie bei einem Kleinkind – meldet er mir später zurück, es geschafft zu haben. So nach dem Motto: „Ich habe perfekt ins Töpfchen gezielt und anschließend die Hände gewaschen. Kriege ich jetzt ein Eis?“ Irgendwie süß…wenn auch nicht bei diesem Gehalt. Aber es geht ja um die Sache. Und da tut er mir einfach nach wie vor leid.
Wer mich kennt, weiß, dass ich absolut keine Queen in Sachen Technik bin. Ich bin blöder Endnutzer, der froh ist, wenn der Computer läuft. In neue Benutzeroberflächen fuchse ich mich überhaupt nicht gerne ein. Nur das hier, das ist wirklich sehr niedrigschwellig.
Meinem Chef schicke ich auf dessen Anfrage hin auch die Anleitung. Der möchte sie dem Team zur Verfügung stellen. Na, außer ihm, Heinz und einem anderen Kollegen, kennt der Rest diese Funktion bereits – und das seit Monaten. Wir arbeiten ja schon seit einem Jahr damit. Aber sage ich ihm das noch mal so explizit? Nein. Es bringt ja nichts.

Und so kruschpel´ ich den lieben langen Tag vor mich hin. Mal sind es Meetings, mal sind es kurze Rücksprachen – und ganz nebenher mache ich die Präse für den morgigen Team-Workshop chic. Ich sehe das immer noch als Farce an. Mein Chef hat kein einziges Mal nachgefragt, was wir jetzt morgen machen werden? Es ist und bleibt sein Team, seine Verantwortung. Aber er duckt sich weg und hat sich komplett entzogen. So was will mir ja nicht wirklich in den Kopf. Ich weiß, ich mache es erst möglich. Nur möchte ich nicht alles an die Wand fahren lassen.
Das ist wohl mein Thema im Leben: Immer meine ich, überall hinspringen und Feuerwehrfrau spielen zu müssen. Dabei läuft es auch, wenn ich es lassen würde. Oh, die meisten schätzen es, was ich dann da tu´. Nur findet so nie ein Umdenken statt. Es ist eine Sache, zu sagen: Der kommt nicht in seine Verantwortung! Umgekehrt müsste ich mich allerdings fragen: Warum nimmst Du ihm die Chance, zu scheitern und dadurch die nötige Motivation aufzubringen, dann was anzupacken? Selbst wenn derjenige dann mehrmals scheitern müsste. Solange ich das decke, ändert sich ja auch nichts. Ach man, ich hasse diese Zwickmühlen. Die machen keinen Spaß. Hat mir auch keiner versprochen, oder?

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