Ach, ist das herrlich! Es wird vorerst der letzte Samstag sein, an dem ich ein Online-Seminar haben werde. Mein Glas ist ja halbvoll, also versuche ich, immer das Positive zu sehen. Und gerade überlege ich, ob ich mit einem halbvollen Glas starten sollte? Also mit Eierlikör…oder so. Und dann würde ich auch ein großes Glas nehmen, weil ich es ja – laut Bedingung – nur halbvoll befüllen dürfte. Es soll ja auch einen Effekt haben. So kleine Pinnchen bringen da mal gar nichts. Ihr seht schon: Ich bin albern. Ist aber auch voll ok, weil wir über Kriseninterventionen sprechen. Da brauche ich eine Menge Humor. Zum Glück habe ich ja eine Extraportion von Geburt an erhalten.

Den Laptop schalte ich zwar früh ein, verspüre aber so wenig Lust, mich einzuloggen. Eine Minute vor Beginn, schalte ich mich erst zu. Das ist für meine Verhältnisse fast ein Affront! Ich habe so gar keine Lust hierzu. Und ich bin mir schon sicher, dass heute wieder viel geschwafelt wird. Dieses Thema bietet dafür den Raum. Mittlerweile habe ich meine Mitschüler ja so kennengelernt. Und so schreibt mir eine Mitschülerin, die ich echt nett finde, dass sie genausowenig motiviert sei. Wir wollen es nur noch hinter uns haben. Immerhin ist die Internetverbindung weitgehend stabil – was bei der Dozentin schon mal ein Vorteil ist. Aber zunächst warten wir noch ein paar Minuten, falls noch welche eintrudeln. Grrrrrrr! Da stehe ich ja drauf, wenn viele warten dürfen, falls ein paar trödeln sollten. Und dann fangen wir echt damit, welches Highlight wir aus der letzten Woche benennen könnten? Da kommt manch einer schon ins Schwafeln. Meine Mitschülerin im 1:1-Chat ist sauwitzig. Die Dozentin ruft uns alle namentlich auf. Ich, brav angepasst, sage: „Ich habe einen Frisörtermin bekommen.“ Ist mir so was von scheißegal, aber ich mache mit. Besagte Mitschülerin wird aufgerufen und schweigt. Ich frage nach, wo sie denn gewesen sei? Ihre Antwort kommt furztrocken: „Ich war schon da, hatte aber kein Highlight.“ Ich würde dann ja sagen, ich hätte keines. Sie bleibt einfach stumm. Das könnte ich ja nicht, weil es mich zerreißen würde.
Der Tag gestaltet sich zäh, aber ich habe schon schlimmere erlebt. Daher stehe ich das locker durch. Währenddessen appe ich fleißig vor mich hin, um meine Laune zu erhalten. Meine Motivation vermute ich mal wieder auf Kuba, wo sie munter Mojito schlürft. Warmer Wind, Sonne, Strand und Palmen…ja, da wäre ich jetzt auch gerne. Blöd nur, dass meine Motivation ein Eigenleben führt und sich nicht um mich schert.

Derweil stürmt es draußen munter vor sich hin. Ich mag ja Sturm, aber es rüttelt ganz schön an den Fenstern. Und ich sitze hier und darf nicht auf meinem Besen rumfliegen. Aber mal Spaß beiseite: Ich entdecke auch hier wieder dieses Phänomen der Bedürftigkeit. Die quatschen da in dieser Veranstaltung, wie einsam sie doch im Home Office wären (wohlgemerkt: Diejenigen, die verheiratet sind und Kinder haben!). Und wie sehr sie sich gefreut hätten, wieder vor Ort im Institut sein zu dürfen. Es geht wenig um die Sache. Bei so vielen merke ich, wie wichtig es für sie ist, dass all ihre Bedürfnisse befriedigt werden. Die wollen später mal therapieren und sehen so gar nichts in puncto Selbstwirksamkeit. Mannomann…das scheint gerade mein Thema zu sein. Und es nervt.

Und was auch nervt? Es kommt nix Gescheites im Fernsehen. Gestern nicht, heute nicht. Ich warte ja dringend wieder auf ein Spezial zu einem Thema, das mich auch nicht interessiert. Ach, ich bin ein bisschen bissig unterwegs. Aber dazu lache ich die meiste Zeit. Es ist ein wenig surreal. Ich bin überdreht und genervt und alles auf einmal. Und trotzdem habe ich gute Laune. Mein Neffe hat mir ein Video geschickt zu einer coolen Trainerin. Darin erklärt sie unter anderem, dass es was mit dem Hirn mache, wenn man grinsen/lachen würde, auch wenn es nur gekünstelt sei. Ich kenne diese Technik, hatte aber heute die Zeit dazu, es einfach mal auszuprobieren. Wenn wir 15 Sekunden lachen, geht dieser Impuls an unser Hirn…quasi als etwas Gutes, weil die entsprechenden Muskelpartien aktiviert würden. Wenn wir mal versuchen, das Gesicht 60 Sekunden so zu halten, als würden wir grinsen, hätte das denselben Effekt, wie 15 Sekunden echtes Lachen. Das Hirn springe an. Also sitze ich hier und grinse. Genau, wie sie das beschreibt, komme ich mir blöde vor. Und es strengt sogar etwas an. Aber irgendwann muss ich dann über mich lachen und hoffe, hier ist nirgends eine Kamera aufgestellt. Es hat definitiv eine positive Wirkung. Ich kenne die Studien dazu, vergesse aber immer wieder, so was häufiger umzusetzen. Manchmal kann es so einfach sein. Probiert´s mal aus und kommt Euch dabei albern vor…und genießt die anschließende gute Laune. Ich mache das morgen auch wieder, damit ich den Tag überstehe.

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