Heute bin ich albern. Warum? Ich weiß es nicht. Morgens werde ich wach und denke noch: Och nöööö, heute muss ich zeitig auf, mich zurechtmachen und in die Arbeit fahren. Wer braucht denn so was? Na, ich, schätze ich. Nach dreieinhalb Monaten sollte man meinen, ich hätte etwas mehr Sehnsucht, aber dem ist mal gar nicht so. Trotzdem freue ich mich, als ich auf meinem Schreibtisch den Nikolaus von letztem Jahr sehe. Mein lieber Kollege von nebenan hatte ihn mir hingestellt, da er nicht wusste, wie zeitig ich schon in den Urlaub düse. Ich war ja quasi den kompletten Dezember mit Resturlaub ausgestattet. Ich grinse den Nikolaus aus Kinderschokolade an. Ach ja, mein Freund, schon blöd, so kurz vor Ostern noch hier so einsam zu hocken, oder? Ich schätze, ich muss Dich essen. Und da ich keine Zeit fürs Frühstücken hatte, komme ich seiner Bitte einfach kurzerhand nach. Was soll ich sagen? Ich bin einfach sozial und reagiere auf Bitten. Ich weiß, richtig gesund – also so eine Schoki zum Frühstück. Aber wisst Ihr was? Mir doch egal.

Ein anderer Kollege, der mein Coachee ist, hat mir letzte Woche was in die Hauspost gesteckt, was er mir zum Geburtstag schenken wollte. In dem Umschlag finde ich ein Herz aus Holz mit dem Spruch: „Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.“ Als ich mich per Mail bedanke, ergänzt er noch: „Das ist ein Handschmeichler. Immer, wenn es Dir nicht gut geht, darfst Du ihn in die Hand nehmen und daran reiben.“ Aaaaah ja. Ich kenne Handschmeichler, aber bei dieser Erklärung giggel´ ich dann doch los. Dazu muss man sagen, dass er und ich immer nur Zweideutigkeiten austauschen und uns ständig auf die Schippe nehmen. Also antworte ich ihm: „Mmmh, ich kenne anderes, was man in die Hand nehmen und daran reiben kann. Das meinst Du jetzt aber nicht, oder?“ Ihr könnt Euch vorstellen, wie sich so was dann hochschaukelt. Wir sind so bekloppt, dass wir dann noch kurz skypen, wobei er mich auffordert, ganz schnell den Satz zu wiederholen: „Es gibt nicht so viel Tag im Jahr, wie der Fuchs am Schwanz hat Haar.“ Ich kann´s jedem von Euch nur empfehlen, das nachzumachen – am besten dreimal hintereinander. Man muss automatisch grinsen. Allerdings ist mein Kollege enttäuscht, weil ich es beim ersten Anlauf bereits fehlerfrei schaffe. Sein anderer Spruch ist fast noch besser: „Mädchen, die die Wimpern pinseln, meistens auch beim Pimpern winseln.“ Ehrlich? Ich lache mich über so einen Blödsinn gerne auch mal schlapp. Das Leben ist zu kurz für knurrige Laune.

Ich treffe mich heute mit mehreren Kollegen. Wir halten alle brav Abstand – außer eine Kollegin, die ich dann doch auch drücken muss. Aber da haben wir Masken aufgesetzt. Es tut schon gut, zumindest diese netten Menschen zu sehen. Auf den Großteil meines Teams kann ich da getrost verzichten. Von denen ist auch Gottseidank außer meiner Zimmerkollegin keiner da. Gegen Mittag suchen wir dann die Interims-Kantine auf, die sich echt sehen lassen kann. Es ist schön, dass wir gemeinsam was schnabulieren können – bei eingehaltenem Hygienekonzept. Ist schon unwirklich, so ganz allein an einem Tisch zu sitzen, die Kollegin dann direkt am nächsten. Aber gut, dass zumindest das geht. Was ich vorher leider nicht sehe: Unser oberster Chef sitzt in der Parallelreihe und ruft rüber: „Hallo Mädels.“ Na, dann braucht er das wohl gerade, und so rufe ich zurück: „Hallo Junge.“ Und gleich schiebt er hinterher: „Hobt´s a Eich des übahaupts vadiant?“ Ich weiß nicht, wieso es mich bei ihm immer so ganz arg reizt, aber ich kann nicht anders: „Eigentlich hätten wir verdient, dass Sie uns die Pizza spendieren, sie an unseren Tisch bringen und dann noch einen Diener davor machen, aber so geht´s schon auch.“ Er lacht mal wieder und weiß keine Antwort. Also setzen wir uns und starten mit dem Essen. Als er aufbricht, kommt er vorbeigeschlendert und macht Anstalten, sich mein Tablett zu schnappen: „I bring´s donn weg, gä?“ Ich habe nicht mal zur Hälfte aufgegessen. Ich schaue ihn seelenruhig an: „Wenn Sie sich das trauen, verneige ich mich vor Ihnen.“ Er zuckt zurück und traut sich nicht. Schade, das hätte wiederum ich echt lustig gefunden. Aber er weiß, dass er immer ein Echo von mir bekommt. Tja, da braucht man schon ein bisschen Eier in der Hose, gell?

Der Tag war echt mal nett, aber mein nächster Antritt wird erst Mitte April sein, schätze ich. Dafür habe ich die Info erhalten, dass sie im Mai mit dem Impfen in unserer Firma beginnen wollen. Wenn das denn wirkich eintritt, werde ich das Angebot annehmen. Vom Alter her hatte ich mich darauf eingestellt, nicht vor Herbst dran zu sein. Aber so ist es natürlich unkomplizierter. Das Lustige dabei: Es findet in Teilen unserer Räumlichkeiten statt. Wir müssen also nicht mal außer Haus gehen, sondern können über den Flur schlendern und den Ärmel hochkrempeln. Na, das sind doch sonnige Aussichten. In diesem Sinne: Immer hübsch neue Sprichwörter üben. Das macht gute Laune und trainiert die Gesichtsmuskulatur.

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