Ich bin ein WDR4 geschädigtes Kind. Heute Morgen, als unser Team-Meeting beginnt, möchte ich Roland Kaiser zitieren und losschmettern: „Ich glaub´, es geht schon wieder los…das darf doch wohl nicht wahr sein“. Aber ich singe nicht – obwohl das Mikro ohnehin ausgeschaltet ist. Vielleicht ist eine Möglichkeit, hiermit umzugehen, ein neues Fernseh-Format zu stricken. Wir haben doch schon „Wer wird Millionär“ und so ´nen Kaas. Meine Show würde lauten: „Fragen, die die Welt nicht braucht“. Jede Woche würde es ein best of geben, was sich die lieben Kollegen so aus der Rübe drücken. Ich glaube, ich würde nahezu jedes Mal gewinnen. Obwohl…nee, dann würde ich meinen Job ja an den Nagel hängen und diese Show moderieren. Ich glaube, ich sollte mehr Energie auf diese Idee verwenden. Da könnte was gaaaaaaaaanz Großes draus werden. Im Ernst: Es ist wieder zum Verzweifeln. Nachdem Heinz durch sein Tal der Tränen geschritten ist und nun die wichtigen Dinge priorisiert hat, hat er wieder ganz viel Puste für lauter unsinnige Fragen. Mein Chef erklärt, er würde da was mit dem Studenten erarbeiten. Heinz: „Und wo sitzt der?“ Mein Chef: „Äääääh…dahoam…also…ääääh…moastens. Hin und wieda a im Office.“ Bayrisches Englisch – ein Traum. Heinz wieder: „Wie oft sind die Studenten denn im Büro vor Ort?“ Dazu muss man sagen, dass Heinz jetzt seit Anfang Dezember gar nicht mehr in der Firma war. Ob der Typ nun also auf Platz A oder Platz B sitzt, ist noch unwichtiger für mich, wie die empfohlenen Nährstoffe einer Meise. Aber nein, Heinz erklärt: „Ist ja auch mal spannend zu wissen, gä?“ FÜR WEN???
Ich gebe kurz die Info, dass wir an einer Abteilungsrunde nicht mehr teilnehmen, da wir da auch keine Aktien drin hätten. Zur Erstplanung war noch unser Input gefordert, aber danach gab es keinen Coaching-Auftrag, weshalb wir nun raus seien. Heinz wieder: „Aber ich fand das schon immer spannend, was die da besprochen haben.“ Lies´ ein Buch, Du Volldepp! Oder kauf´ Dir eine Zeitung. Oder spiel´ an Deinen Zehen rum. Er jammert seit Monaten, zu viel zu tun zu haben, aber möchte an Austauschrunden teilnehmen, die ihn gar nicht betreffen – nur weil es spannend sei. Ich möchte ihn über einem Haifischbecken abseilen…ganz langsam. Das fänd ich spannend. Wie hoch die Haie wohl über den Wasserspiegel in die Höhe schnellen können? Das klingt doch mal echt spannend, oder? Vielleicht sollte ich auch so eine Show moderieren? Ach, ein Hoch auf meine Phantasie.

Später nehme ich an einer anderen Runde teil. Anschließend darf ich Feedback geben. Aber dazu komme ich zunächst gar nicht, weil sich der Teamleiter über „des gonze Gschiss aufrega daat“. Logisch. Damit ist die Firmenpolitik gemeint. Und wo die Firmenpolitik Thema ist, ist die Politik im Allgemeinen auch nicht fern. Und ja, das sind einfach Themen, die uns alle derzeit umtreiben, schätze ich. Daher lasse ich ihn zunächst schimpfen. Sein Mitarbeiter kennt das Phänomen auch und spielt ebenfalls „Still ruht der See“. Bis der Teamleiter dann raushaut: „Un dära schwuchtelige Spahn, die dumme Sau, die bleede. Konn si jetz mo rächtfärtign, gä?“ Ich mag Spahn auch nicht, keine Frage. Aber was hat das mit seiner sexuellen Orientierung zu tun? Und genau das frage ich dann den Teamleiter. Nee, also, nee, man könne ja heute sehr vieles sein, aber schwul? Das gehe gar nicht! Ich schaue noch mal sicherheitshalber auf den Kalender: „Fred, wir schreiben aber schon das Jahr 2021. Das ist Dir bewusst, oder?“ Aber er ereifert sich weiter: „Däar koa sei, wos er wuil. Oba als Gesundheitsminista? Do geht des fei goar net!“ Das Schlimme: Das ist sein Ernst. Ich versuche es anders: „Wenn Dein Sohn denn eines Tages mal ankommt und Dir gesteht, er sei schwul. Was machst Du dann? Verbannst Du ihn?“ Er holt tief Luft: „Des moacht däa neet. Un wenn, do bin i scho long doat.“ Da setzt es bei mir ja immer wieder aus. Wie kann man so geistig derangiert sein, dass einem das was ausmachen kann? Ich mag die Art von Jens Spahn nicht. Und seine politischen Entscheidungen gehen mir gerade gehörig auf den Zeiger. Und gerne würde ich ihn auch austauschen auf der Position. Aber wen er liebt, was er mit demjenigen anstellt und was nicht, das ist mir so vollkommen scheißegal! Ich glaub´ echt, es hackt langsam. Wie krank ist das denn bitteschön? Diskriminierung geht einfach gar nicht. Aber mach´ das mal engstirnigen, dummen Leuten klar. Da beiße ich mir die Zähne dran aus, da sie ja so Null empfänglich für sachliche Argumente sind. Trotzdem kann ich da den Mund nicht halten und sage ihm, was ich denke. Es bewirkt nur leider nichts. Normalerweise mag ich ihn ja, auch wenn sein Führungsstil grottig ist. Aber gerade denke ich mir, ich könnte ihn – zwecks Umprogrammierung – auch mit in meine Hai-Träume integrieren.

Derweil zähle ich weiter: Noch zweimal schlafen. Ich muss noch packen und einiges wegarbeiten, aber dann steht der Auszeit nichts mehr im Wege. Gut, zwischendrin arbeite ich ja noch mal einen Tag, an dem ich mich garantiert wieder über meine Kollegen ärgere, aber das passt schon. Ich brauche das wohl, wie Blumen ihr Wasser brauchen. Trotzdem würde ich mir mehr Offenheit und Toleranz wünschen. Gut, letzere schwindet bei Heinz ja auch schon wieder bedenklich. Zu meiner Verteidigung muss ich allerdings sagen: Ihr müsstet ihn mal live erleben. Ich glaube, Ihr würdet dann alle mit an meiner Hai-Idee basteln. Doch wir müssen auch an die Haie denken. Das könnte nämlich echt eine Quälerei für die Tiere sein, Heinz anzuknabbern. So, wie der aussieht, ist der garantiert nicht bekömmlich. Ich bin gemein, ich weiß. Macht aber nichts. Er kriegt´s ja nicht mit.
Und da das Beste zum Schluss kommt, haue ich noch einen raus: Heute Abend gibt es endlich wieder ein Corona Spezial. Freunde der Nacht, ich kann Euch nicht sagen, wie glücklich mich das macht. Ehrlich. Wenn ich nur zwei Menschen für meine Hai-Vorstellung in petto hätte, wäre das langweilig. Ich erweitere um die Leute, die die Menschheit immer mehr verunsichern und an ihrer Seriosität zweifeln lassen. Und diese Spezial-Sendungen nerven einfach nur noch. Ihr seht: Ideen habe ich genug. Allein mich zu entscheiden, wird die Herausforderung sein. Ihr dürft gespannt sein.

2 Kommentare

  1. Ich hab mich in einer Dorfkneipe im Sauerland mal mit dem Kneipier „angelegt“. Da war gerade Thema, dass Homosexuelle auch heiraten dürfen. Fand der gar nicht okay, schwul können sie ruhig sein, aber dann bitte nur für sich, sodass andere das nicht mitkriegen. Da musste ich auch was sagen. Geändert hat das an seiner Meinung zwar auch nichts, aber konnte das auch nicht einfach so stehen lassen.

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    1. Schon krass, oder? Dass es immer noch Menschen gibt, die im Jahr 2021 so verbohrt, verstrahlt und dämlich sind. Wenn man sich liebt, ist es doch völlig wumpe, welches Geschlecht wer hat. Das sind dann meist so ignorante Volldeppen, die sich katholisch schimpfen und regelmäßig in den Puff gehen. Huch! Ein weiteres Klischee. 😉 aber es nervt mich. Merkt man kaum, gell?

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